Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter
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Interessensausgleich-Bremer Vulkan
"ÜBERSTUNDENBESCHRÄNKUNG"
Glaubt man den Gewerkschaftssprüchen, dann würde die 37,5-Stun-
denwoche ganz viele Arbeitsplätze "sichern und schaffen", würde
sie nicht immerzu durch Überstunden unterlaufen. Also enthält der
Interessensausgleich einen Passus über die "Beschränkung von
Überstunden". Wie das zu verstehen ist, kann man nachlesen:
"Überstunden sollen grundsätzlich auf das Maß des Notwendigen be-
schränkt werden. Sie müssen aus terminbedingten (Wer macht ei-
gentlich die Termine?), aus arbeitsablaufbedingten (Wer legt ei-
gentlich den Arbeitsablauf fest?), aus Gründen der Kapazitätsaus-
lastung (Wer bestimmt eigentlich, daß die Kapazitäten nur
ausgelastet sind, wenn sie den gewünschten Gewinn abwerfen?) oder
ähnlichen (!!) Gründen erforderlich sind." (Interessensausgleich)
Diese Zusicherung muß dem Vulkan wirklich schwer gefallen sein:
Sie mußten doch glatt unterzeichnen, daß jeder fürs Unternehmen
denkbare Grund, Überstunden anzuordnen, in Ordnung geht, wenn es
das "B e s c h r ä n k u n g der Überstunden auf das Notwen-
dige" nennt! Sehr konsequent gedacht: Wenn man Beschäftigung für
eine Dienstleistung des Kapitals hält, dann leuchtet einem auch
ein, daß jede Entlassung und Überarbeit sein muß, die das Kapi-
talinteresse an Gewinn notwendig macht. Denn ohne Gewinn keine
Beschäftigung, oder?
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Da lachen die Leichtlohngruppen
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Arbeiterkammerpräsident und Gewerkschaftsmann Klöver tat neulich
auf der Podiumsdiskussion zum Thema "Arbeitszeitverkürzung mit
Lohnverzicht - Ein Weg zu mehr Beschäftigung?" einen denkwürdigen
Spruch. Gegen die Forderung von Senator Scherf, für die
"Besserverdienenden" Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich zu
vereinbaren, brach es aus ihm heraus:
"Was heißt hier eigentlich Besserverdienende! Wenn heute ein Mann
5000 DM brutto verdient, dann bleiben ihm netto vielleicht 3500
DM! Wenn er davon eine Familie mit 2 Kindern durchbringen muß,
dann bleibt dem Mann doch am Monatsende nichts übrig!"
Lebt dieser Gewerkschafter auf dem Mond? Oder in welcher Lohn-
gruppe verdient man eigentlich 5000 DM brutto? Weiß diese Gewerk-
schaft nicht, daß die meisten der von ihr vertretenen Familien-
väter ihre Lieben mit maximal 2000 DM durchbringen? Weiß der
eigentlich nicht, daß das ein Ergebnis der gewerkschaftlichen Ta-
rifpolitik ist? Weiß dieser Gewerkschafter eigentlich, was er
über die Ergebnisse dieser Tarifpolitik behauptet hat? Nach sei-
ner Definition des proletarischen Geldbedarfs liegen sämtliche
gewerkschaftlich betreuten Arbeiter mit ihrem Lohn u n t e r
dem Lebensnotwendigen!
Oder kann das schon deshalb nicht sein, weil es ja die Gewerk-
schaft war, die diese Löhne vereinbart hat?
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