Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


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       Aus dem Schatzkästchen der Ideologie:
       

"REPARATURARBEIT VERLANGT ÜBERSTUNDEN"

Eine Reparaturwerft komme schon wegen des Reederinteresses an schnellerer Auftragsabwicklung ohne Überstunden und Sonderschich- ten und Leistungsdruck nicht aus, so hört man zur Verteidigung der auf der Lloyd-Werft üblichen Überarbeit. "Sonst vergeben die Reeder ihre Aufträge an andere Werften", so heißt es. Gut, der Auftraggeber dringt auf schnelle Abwicklung der Repara- tur, weil er jeden Tag, den sein Schiff auf Dock liegt, als Aus- falltag des Gewinnemachens verbucht. Und daraus sollen Über- schichten für die Werftbelegschaft folgen? Wenn es wirklich bloß darum ginge, ein Schiff schnell wieder instand zu setzen - d a s sollte sich nicht auch mit einer anderen Arbeitsorganisation ma- chen lassen? Dann arbeitet eben jeder 4 Stunden und es werden entsprechend mehr Leute eingeteilt! Von wegen also, schnelle Auf- tragsabwicklung ließe sich nicht mit einer für die Belegschaft schonenden Arbeitszeit vereinbaren. Klar, die W e r f t kennt diesen Gesichtspunkt nicht. Ihr geht es schließlich darum, mit dem "Dienst am Kunden" ein Geschäft zu machen. Also werden die Lohnkosten kalkuliert und Arbeitszeitver- kürzung blüht den Beschäftigten immer in Auftragsflauten verbun- den mit L o h n k ü r z u n g. Mit der Besonderheit von Repara- tur hat auch das nichts zu tun. So wird eben aus der Besonderheit des Auftragsanfalls im Reparaturgewerbe Gewinn gemacht. Oder wollten die Verteidiger dieses betrieblichen Umgangs mit Arbeits- zeit und Lohn der Belegschaft nur gesagt haben, daß ihnen das Ge- winninteresse der Werft so selbstverständlich ist wie ein Sach- zwang? Daß also alles sein muß, was die Werft nunmal anordnet? Dann sollen sie doch gleich das sagen und die billige Rechtferti- gung aus dem Spiel lassen, der Betrieb könne nunmal wegen der Ansprüche der Reeder nicht anders. zurück