Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter
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Presseerklärung der Seebeck-Werft zum Streit um die Akkorde:
"WAS SOLL DIE AUFREGUNG,
SOLCHE SCHWEINEREIEN SIND DOCH BEI UNS NORMAL!"
Die Seebeck-Werft hat es wirklich schwer: Erst muß sie die Vor-
gabezeiten kürzen, die Löhne senken und Leute wegen Minderlei-
stung auf die Straße setzen und dann muß sie auch noch der Presse
klarmachen, daß das alles ganz entschiedenn f ü r die Werft
spricht, weil es ein "ganz normaler Vorgang" ist.
zu 1.: Alles klar
Wenn die "Kürzung der Vorgabezeiten, Verdienstausfall für eine
Gruppe von Mitarbeitern und die Entlassung von Herrn Bedi Genc"
in k e i n e m Z u s a m m e n h a n g stehen, dann geht
j e d e dieser Maßnahmen f ü r s i c h voll in Ordnung.
zu 2.: Alles klar!
- Wenn die Werft beschließt, ihre Gewinnsituation zu verbessern
und dies "Existenzbedrohung" nennt, geht es voll in Ordnung, daß
dann die lieben Mitarbeiter eine Bedrohung i h r e r Existenz
durch Lohnsenkung zu schlucken haben.
- Zumal, wenn diese Lohnsenkung im "Einvernehmen" mit der Beleg-
schaft abgeschlossen wurde, es der Werft also gelungen ist, die
Zustimmung der von der Lohnsenkung Betroffenen zu
e r p r e s s e n. Dann verbietet sich natürlich jede Kritik.
- Vor allem, wenn man bedenkt, wie äußerst "maßvoll" die Werft
vorgegangen ist. Es gibt auf der Werft doch glatt Arbeiter, die
trotz gesenkter Vorgabezeiten also mit g e s t i e g e n e r
Leistung tatsächlich noch auf ihren a l t e n Lohn kommen. Dann
ist doch wirklich alles in Butter - schließlich hätte die Werft
die Vorgaben ja auch so weit kürzen können, daß a l l e mit
gestiegener Leistung u n d einer a b s o l u t e n Lohn-
senkung nach Hause gehen.
zu 3.: Alles klar!
- Wenn die "Verdienstminderung für ca. 40 unserer "Mitarbeiter"
gar nicht von der Senkung der Vorgabezeiten kommt, sondern ein
"einmaliger" Vorgang ist, der im Werftalltag i m m e r
w i e d e r vorkommt, also eine ü b l i c h e Folge der be-
trieblichen A r b e i t s o r g a n i s a t i o n ist, dann
geht dieser Lohnverlust natürlich in Ordnung.
- Dies zumal, wenn man berücksichtigt, daß es doch die
A r b e i t e r waren, die das angeordnete Pensum mal wieder
nicht geschafft haben. Dann ist natürlich klar, daß sie und ihr
"nicht sachgerechtes Abarbeiten" verantwortlich zeichnen, wenn
ihr Lohn sinkt.
- Und wenn man erst berücksichtigt, daß der Lohnverlust im Sep-
tember zu allem Überfluß auch noch g e r i n g e r ausgefallen
ist als im August, dann kann doch wirklich keiner mehr sagen, daß
es an A u s g l e i c h für die Einbußen im August fehlen
würde.
zu 4.: Alles klar!
- Wenn die Entlassung von Bedi Genc wegen "schuldhaft unzurei-
chender Arbeitsleistung" und "vorzeitigem unerlaubtem Verlassen
des Arbeitsplatzes" verfügt wurde, dann versteht sich dieser
Rausschmiß natürlich von selbst. Arbeiter sind schließlich dazu
da, sich jedem Befehl des Betriebes in Sachen Anwesenheit und
Leistung unbedingt zu unterwerfen.
- Wie sehr die Kündigung in Ordnung geht, sieht man schon daran,
daß die Werft diesem Arbeiter mit dreimaliger Entlassungsdrohung
reichlich Gelegenheit geboten hat, sich zu bessern. Wer soviele
Chancen zur Unterordnung bekommen hat, der braucht sich nicht zu
wundern, wenn er fliegt.
- Dies zumal, wenn es dem Betrieb gelungen ist, beim Rest der
Belegschaft seine neuen Anforderungen voll durchzusetzen. Dann
erfordert natürlich die "Gleichbehandlung aller Mitarbeiter", daß
so ein "Außenseiter" geht. Schließlich wäre die Leistungssteige-
rung für alle nicht mehr halb so schön, wenn der Betrieb sie
nicht bei jedem durchzöge.
- Wenn "Vertrauensleutekörper und Betriebsrat" das genau so se-
hen, dann ist wirklich jeder Einwand fehl am Platze. Schweine-
reien, die auch die Gewerkschaft gut findet, können selbstver-
ständlich keine sein.
- Zumal, wenn man bedenkt, daß es in allen anderen Betrieben der
BRD ganz genauso zugeht. Wenn Ausbeutung keine A u s n a h m e,
sondern durchgesetztes P r i n z i p dieser Marktwirtschaft
ist, dann e r ü b r i g t sich wirklich jeder "Protest" dage-
gen.
Das leuchtet ein!
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