Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter
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Arbeit an NC-Maschinen:
DIE TÄGLICHE DOSIS GIFT
Die Kühlschmierstoffe, die bei Zerspanungsarbeiten (Drehen, Frä-
sen, Bohren, Schleifen) insbesondere an modernen CNC-Maschinen
verwendet werden, sind
1. Gifte.
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Das heißt, sie erzeugen schädliche Wirkungen auf den menschlichen
Organismus, als da sind Hautausschlag, Allergien und Kopfweh; bei
dauerhafter Einwirkung Krebs. Das ist der Arbeitsmedizin bekannt:
"Bei der technischen Anwendung der Schmierstoffe ist die Möglich-
keit der sekundären Bildung krebserzeugender oder anderweitig
toxischer Stoffe gegeben, besonders beim Erhitzen." (MAK-Bericht
1986)
Diese Wirkungen treten natürlich nur auf, wenn man mit diesen
Stoffen in Berührung kommt - logo. Bei LDW kommt man. d.h. genau
gesagt natürlich nicht "man", sondern die Arbeiter, die an den
CNC-Maschinen arbeiten. Denn diese Kühlschmierstoffe sind
2. Produktionsmittel.
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Sie dienen dazu, Werkzeug wie Werkstück bei der Bearbeitung zu
schmieren und herunterzukühlen. Neben Präzision und Variabilität
des Einsatzes sind es ja vor allem die hohen Drehzahlen, also die
Geschwindigkeit, mit der Werkstücke fertiggestellt werden können,
die CNC-Maschinen für den Betrieb interessant macht - und dabei
treten eben entsprechend hohe Reibungstemperaturen auf.
Insofern bekommt der Einsatz geeigneter Schmierstoffe der Lebens-
dauer der Maschinen wie der Qualität der Werkstücke außer-
ordentlich gut. Weniger gut bekommt es den Arbeitern, die die Ma-
schinen bedienen. Das liegt allerdings nicht daran, d a ß für's
Kühlen diese Stoffe verwendet werden. Wie man an anderen Ar-
beitsplätzen studieren kann, verfügen moderne Unternehmen durch-
aus über Verfahren, um das Austreten von Ölen, Stäuben usf. zu
verhindern, wenn dies der Qualität des P r o d u k t s schadet.
Und selbst wenn es nicht so wäre: für Arbeiter gibt es jedenfalls
keinen Grund, Schäden an ihrer Gesundheit hinzunehmen, bloß weil
LDW sie als technischen Sachzwang eingerichtet hat.
Eben dies ist bei der CNC-Maschinen-Fertigung der Fall. Da gehö-
ren diese Kühlmittel nämlich
3. zum Arbeitsplatz.
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Der ist bei LDW nun einmal so eingerichtet, daß die Leute das
Zeug abbekommen. Ihrer Leistungsfähigkeit schaden die Stoffe
nichts, der Qualität der Produkte nützen sie - für den Betrieb
gibt es also keinen Grund, den Kontakt der Arbeiter mit diesen
Stoffen zu unterbinden. Arbeiter bekommen das Zeug demzufolge in
acht und mehr Stunden Arbeit täglich ausgiebig ab - sei es beim
Werkzeugwechsel mit Händen, Armen oder auch mal mit dem ganzen
Oberkörper; sei es beim laufenden Betrieb durch die Dämpfe, die
oben aus den Maschinen austreten und in der Halle kondensieren.
Zur Produktion qualitativ hochwertiger Metallteile benutzt LDW
hier außer den Leistungen von Hirn, Muskel, Nerv und Hand der Ar-
beiter auch ihre Haut und ihre Lungen. Dafür zahlt der Betrieb
den Arbeitern schätzungsweise DM 18,-- die Stunde. Diese schöne
Kombination von Strapazierfähigkeit der Arbeiter und moderner
Technik verhilft der Produktions- und Gewinnplanung von LDW zu
angestrebten Erfolgen.
Wie es sich für einen modernen kapitalistischen Betrieb gehört,
gehen die Arbeitsbedingungen, mit denen Arbeiter zurechtzukommen
haben, diese nichts an. Die Wirkungen bekommen sie mit; was das
eigentlich genau für Substanzen sind, mit denen sie da täglich
berieselt werden, weiß keine Sau. Braucht auch keiner zu wissen.
Schließlich sind giftige Stoffe
4. ein Gegenstand staatlicher Aufsicht.
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Und da ist das Problem wirklich in den allerbesten Händen! Die
staatlichen Stellen zerbrechen sich, was die Giftigkeit der ge-
bräuchlichen Kühlschmierstoffe betrifft, seit geraumer Zeit den
Kopf, ob diese Stoffe g i f t i g g e n u g sind, um Vor-
schriften über die erlaubten Verabreichungsdosen zu erlassen.
Denn soviel steht fest: Das Geschäft mit NC-Technik darf natür-
lich nicht unter "übertriebener" Gesundheitsvorsorge leiden. Also
ist für den Staat von vornherein klar, daß die bekannte Giftig-
keit dieser Substanzen k e i n Einwand gegen die Arbeit mit ih-
nen ist. Bestenfalls ist die Frage aufgeworfen, w i e v i e l
von dem Gift rechtmäßig in Ordnung geht. D a ß davon Leute
krank werden, stört also nicht die Bohne. Aber das Ausmaß der
Vergiftung will kontrolliert sein. Es werden schließlich in Zu-
kunft noch reichlich solche Arbeitskräfte gebraucht. Also hat der
Gesetzgeber einen Beobachterstab eingerichtet (siehe Artikel
"Arbeitsschutz - eine Daueraufgabe"), der immerzu nachschaut,
wieviele Leute es nach Langzeiteinwirkung dieser Stoffe auf die
Lunge dann tatsächlich erwischt. Und da das lebende Experiment
Fabrik diesbezüglich für den staatlichen Geschmack noch nicht ge-
nug "Daten" erbracht hat, sind diese gewußt giftigen Stoffe
einstweilen ganz einfach erlaubt. So ist dem Arbeitsmann die
Sorge, ob er mit diesem Zeug in Berührung kommen w i l l, schon
mal abgenommen. Das h a t er zu wollen - meinen jedenfalls die
staatlichen Gesundheitshüter.
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