Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter
zurück
Leiharbeit auf den Werften:
LEIHARBEITER SIND AN ALLEM SCHULD
"Unruhe und Aggressionen unter den Werftarbeitern" vermeldet der
"Weser-Kurier" angesichts der zunehmenden Beschäftigung von Ar-
beitern, die über Leihfirmen von den Werften angeheuert werden.
Über diese Sorte von Arbeitern, die im Unterschied zu der Stamm-
belegschaft nicht auf der Lohnliste der Werften stehen, kursieren
unter Stammarbeitern folgende Urteile:
`Diese betriebsfremden Elemente seien unqualifiziert und unerfah-
ren. Man müsse teilweise zusätzlich zur eigenen Arbeit deren Pen-
sum miterledigen. Leiharbeiter seien zudem ein Sicherheitsrisiko,
weil sie sich nicht auskennen würden. Sie würden also den Ar-
beitsablauf dauernd durcheinander bringen; woran ja der Werft
auch nicht gelegen sein könne.'
"Leiharbeiter stören die Arbeit..."
-----------------------------------
Ein ganzer Haufen von Beschwerden über die Arbeit und jedesmal
sollen die Leiharbeiter die Ursache, die Geschädigten jeweils die
Stammbelegschaft u n d die Werftbetriebe sein? Das stellt den
Sachverhalt doch wohl etwas auf den Kopf. Natürlich kann ein zur
Gewohnheit gewordener Arbeitsablauf mit eingespielter Mannschaft
schon mal etwas durcheinander geraten, wenn einer Gruppe von der
Werft Leute zugeordnet werden, die noch nicht eingearbeitet sind.
Ein Problem wird daraus für die "alten Hasen" allerdings nur da-
durch, daß der Betrieb mit seinen Vorgabezeiten auf die Einarbei-
tung von Neuen keine Rücksicht nimmt. Die individuellen Unter-
schiede bei der Leistungserbringung innerhalb einer Gruppe aus-
zugleichen, war und ist schon immer zu einer Angelegenheit der
Kolonne erklärt worden. Vonwegen also, es könne auch der Werft
nicht recht sein, daß die Leiharbeiter die Arbeit so durchein-
ander bringen, daß die Werft nicht mehr auf ihre Kosten kommt.
Tun die gar nicht. Dafür sorgt ja gerade die Kolonne, wenn sie
routiniert alle Leistungsunterschiede in der Gruppe bei der Erle-
digung des vorgegebenen Pensums ausgleicht.
Mit einer Besonderheit von L e i h arbeitern haben diese Unter-
schiede in Geschick und Erfahrung nichts zu tun. Ist nicht jeder
Stammarbeiter auch mal eingearbeitet worden? Und was wäre, wenn
z.B. der Leiharbeiter morgen von der Werft fest eingestellt
würde? Dann wäre er doch Stammarbeiter, ohne daß sich an seiner
Arbeit irgendetwas geändert hätte!
Übrigens: So bekommt die Werft genau das, was sie will. Die Ko-
lonne e r l e d i g t die Vorgabe. Und die Beschwerden über das
Pensum landen nicht dort, wo sie hingehören: bei der Werft, son-
dern bei den "betriebsfremden Elementen"!
"...und vernichten Stammarbeitsplätze"
--------------------------------------
So lautet nämlich die zweite Beschwerde, die genausowenig taugt
wie die erste. Wenn es keine Leiharbeiter gäbe, so denken Stamm-
arbeiter sich das zusammen, dann würde dem Betrieb einfach die
Alternative zu den Stammarbeitern fehlen und der Arbeitsplatz
wäre gesichert.
Für die Hetze gegenüber den Leiharbeitern mag so etwas ja taugen,
zu mehr aber nicht: Als ob man als S t a m m arbeiter gegen ir-
gendwelche Schäden, Entlassungen eingeschlossen, versichert wäre!
Waren denn nicht alle Leiharbeiter auch irgendwann und irgendwo
einmal Stammarbeiter? Vielleicht sogar auf irgendeiner Werft in
Bremen bzw. Bremerhaven. Das spricht übrigens sehr dafür, daß
Stamm- u n d Leiharbeiter ein und derselben Kalkulation unter-
zogen werden: Beide werden allein daraufhin begutachtet, ob sich
ihr Einsatz - als langfristiger "Mitarbeiter" oder als kurz-
fristige Arbeitskraftreserve - lohnt! Dafür, daß den Werftlern
die Alternative der Einkommenslosigkeit oder der Beschäftigung
bei einer Leiharbeiterfirma ständig selbst ins Haus stehen kann,
dafür sorgen sehr viel potentere Herren als ausgerechnet die
Leiharbeiter. Allerdings erfreuen die sich leider bei den Werft-
arbeitern einer größeren Wertschätzung als die Kollegen von den
Leihfirmen. Unverdientermaßen, wie die Werftler wissen. Denn von
harmonischen Beziehungen zwischen Stammbetriebsleitung und Stamm-
belegschaft kann ja wohl kaum die Rede sein, wenn die Stammarbei-
ter dauernd um ihre Arbeitsplätze fürchten müssen.
zurück