Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


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"IST DIE VERTEILUNG DER ENTLASSUNGEN GERECHT?"

Unkritisch braucht man als Leser der Bremer Lokalpresse wirklich nicht zu sein! Vielmehr darf man mit der Nordseezeitung z.B. fol- gende Fragezeichen an den Fusionsplänen anbringen: "(Ist) es sinnvoll, in der Stadt (gemeint ist Bremerhaven) mit einer Arbeitslosenquote von 17% 430 Arbeitsplätze auf den Werften zu streichen, während in Bremen nur 104 Jobs aufgegeben werden müssen?" (NZ) Sinnvoll für wen eigentlich? Für einen gefeuerten Arbeiter jeden- falls macht seine Entlassung immer denselben "Sinn", egal ob sie ihn in einer Stadt mit 0 % oder 17 % Arbeitslosen trifft: Er ist sein Einkommen los. Und für die Beschäftigten wird der Job kein bißchen angenehmer und einträglicher dadurch, daß sie ihn in ei- ner Stadt mit hoher Arbeitslosenquote verrichten. Aber was für A r b e i t e r "Sinn" macht, diese Frage ist in unserer freien Presse offenbar verboten. Lieber sollen sich Lohnabhängige den Kopf zerbrechen über so ehrenwerte Probleme wie das Schicksal von Bremerhaven. Fishtown ist nämlich das eigentliche Opfer der Entlassungen! Das sieht man schon daran, daß die Entlassenen "uns" die Arbeitslosenstatistik versauen, so daß sich die bren- nende Frage stellt: "Hält der Arbeitsmarkt das aus?" "Der Verlust von 900 Stellen von 1986 bis Ende 1988, davon mehr als 400 in diesem Jahr, läßt sich in Bremerhaven nur schwer ver- kraften. Für den Arbeitsmarkt macht es keinen Unterschied, ob Ar- beitnehmer durch Entlassungen oder Vorruhestandsregelungen von der Lohnliste gestrichen werden." (NZ) Die Gefeuerten haben es leicht, meint die Nordseezeitung: D i e sind ja gar keine Entlassenen, weil sie in Vorruhestand gehen. Aber "für den Arbeitsmarkt macht das keinen Unterschied". Der kommt nicht umhin, sie dennoch als Arbeitslose zu zählen. So weiß man wenigstens, wer der eigentlich Betroffene ist, wenn Leute mit Lohnverlust in Frührente abgeschoben werden. Die seilen sich ein- fach ab und zurück bleibt unser bedauernswerter Arbeitsmarkt! zurück