Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


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HAT SICH VW VERRECHNET?

Bezirksleiter Peters wirft dem VW-Werk vor, daß es sich v e r r e c h n e t habe: "Der Vorwurf, daß VW mit seinem Tarifvertrag außerhalb der Bran- chennorm liege, ist unberechtigt. Für Opel, Ford, Daimler gelten Flächentarifverträge, die selbstverständlich eine andere Struktur haben als ein Firmentarifvertrag. Bei VW sind die Leistungen, die in den anderen Unternehmen zusätzlich zum Tarifvertrag über Betriebsvereinbarungen gegeben werden, selbstverständlich im hauseigenen Tarifvertrag untergebracht. Man kann also nicht Fir- mentarif- mit Flächentarifvertrag vergleichen, sondern muß immer den Flächentarifverträgen noch die Betriebsvereinbarungen hinzu- rechnen, um zu einem anständigen Vergleich zu kommen." (Handelsblatt 6.6.88) Ein interessanter Vorwurf! Was ist denn, wenn bei einem Gesamtlohnniveau-Vergleich herauskommt, daß VW zwar nicht an der Spitze, aber doch im Mittelfeld liegt? Ist es dann für den Ge- werkschafter gerechtfertigt, die Betriebe mit den niedrigsten Ge- samtlohnwerten zum Maßstab zu machen? Lohnkürzungen dürfen also für die IG Metall sein, wenn nur ein "anständiger Vergleich" ge- macht wird? Was heißt eigentlich dieser "anständige Vergleich" für die Kon- zerne, die im Gesamtniveau noch ü b e r V W liegen? Dürfen die jetzt mit gewerkschaftlichem Segen das Lohnniveau von VW unter- bieten? Übrigens wäre dann VW wirklich Spitzenreiter in Sachen Lohn und könnte - der gewerkschaftlichen Rechnung nach - jetzt erst richtig mit dem Kürzen beginnen? Ein schöner Fahrstuhl in den Lohnkeller. Offensichtlich fällt einem Gewerkschafter angesichts der Gesamt- lohnhierarchie - "VW 67.666 DM BMW 65.084 DM Daimler 68.497 DM Ford 74.689 DM Opel 62.469 DM" (Handelsblatt 6.6.88) - nicht ein, daß - umgekehrt - VW gemessen an Ford noch einen klei- nen Nachholbedarf hat. Das wäre zwar immer noch sehr bescheiden, aber wenigstens eine Lesart der Tabelle, mit der man sich fürs erste anfreunden könnte. Für die IGM kommt das gleich überhaupt nicht in Betracht: Ihr Standpunkt heißt: Kürzen, aber immer; dann aber aufgrund anstän- diger Kriterien. VW sollte es wirklich der Gewerkschaft überlas- sen, auszurechnen, wie hoch die berechtigten Lohnkürzungen aus- fallen dürfen. Wahrscheinlich wäre das Werk damit immer noch gut bedient zurück