Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter
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"SPAREN FÜR ARBEITSPLÄTZE" - ARMES VW!
Wegen des immer härter werdenden Existenzkampfes der Automobil-
konzerne muß VW sparen. Das kennt man doch. Wie bei den Arbeitern
auch. Das gehört schließlich zu den unabweislichen Notwendigkei-
ten eines Arbeiterdaseins, daß man für 'schlechtere Zeiten' Not-
groschen anspart, indem man fortlaufend Verzicht übt. Und VW
denkt, wenn es den Arbeitern gleichtut, noch nicht einmal an
sich, sondern an die lieben Mitarbeiter, die auf einen Arbeits-
platz angewiesen sind. Eine rührende Geschichte. Leider nicht
ganz wahr.
1. Im VW-Werk Hannover sollen jährlich 100 Mio Mark eingespart
werden. Die Summe allein verbietet schon jeden Gedanken, daß es
sich hierbei um so etwas wie Vorsorge für einen N o t f a l l
handelt. In den Händen von VW muß sich einiges an
R e i c h t u m angesammelt haben. 100 Mio Mark muß man ja über-
haupt erst einmal haben. Und nicht nur das, sondern ein Vielfa-
ches davon. 100 Mio sind ja nur der Teil des Vermögens, den man
nicht auszugeben gedenkt. Was müssen das für Probleme sein, wenn
VW um seine "Existenz kämpft"?
2. Wie sieht das denn aus, wenn VW sich Beschränkungen in der
Geldausgabe auferlegt? Werden die Dividenden gestrichen? Von we-
gen! An Leuten, die über privates Vermögen verfügen, ist VW sehr
interessiert, damit sie ihr Geld VW für seine Geschäfte überlas-
sen. Und die legen sich schließlich Aktien zu, damit ihr Vermögen
wächst. Zahlt VW etwa seinen Zulieferern niedrigere Preise? Von
wegen! Die verkaufen die Autoteile nur, wenn ihre Kassen stimmen,
also ein Geschäft für sie dabei herausspringt. Zahlt VW seinen
Arbeitern etwa weniger? Das geht ja wohl auch nicht, könnte man
meinen. Die liefern ihre Arbeit ja nur ab, wenn es sich für sie
rechnet. Weit gefehlt. VW weiß genau zu unterscheiden: So sehr VW
auf andere G e s c h ä f t s i n t e r e s s e n Rücksicht
nimmt, so rücksichtslos verfährt VW dagegen, daß die Arbeiter von
ihrem Lohn leben müssen. Das ist ein Interesse, das für VW
n i c h t s z ä h l t. Die treibt ja ihre Armut in die Fabrik;
eine Not, die sich für das Geschäftsinteresse von VW kräftig aus-
genutzt gehört:
3. VW spart 4% im Verwaltungsbereich ein "durch Nichtbesetzung
freiwerdender Arbeitsplätze". Frei werden sie durch Entlassungen.
"Sparen für Arbeitsplätze" sieht also so aus, daß welche gestri-
chen werden. Wenn Arbeitsplätze im Verwaltungsbereich gestrichen
werden, fällt die Arbeit deshalb längst noch nicht weg. Die wird
von den anderen Angestellten miterledigt. VW spart also an der
Bezahlung von Arbeit, indem einigen Angestellten der Lohn gestri-
chen und den anderen mehr Leistung für den gleichen Lohn ab-
verlangt wird. Wenn VW spart, werden keine Abstriche am Gewinn
gemacht. Im Gegenteil: V e r z i c h t wird den
A r b e i t e r n v e r o r d n e t, damit sein Verhältnis von
Kosten und Gewinn verbessert wird.
4. VW senkt außerdem die sogenannte Fertigungstiefe, verlagert
also Teile seiner Produktion auf Fremdfirmen. Das kommt VW billi-
ger. Schon wieder fallen etliche Arbeitsplätze weg; mit ihnen wie
selbstverständlich die Lohnzahlungen für die Arbeiter. VW spart
so einiges an Kapital, das es einsetzen muß, um aus dem Verkauf
von Autos Gewinn zu erzielen.
5. Auf die hohe Kant wird das eingesparte Geld nicht gelegt. Ein
kapitalistischer Betrieb ist nämlich keine Sparbüchse, sondern
eine Gewinnmaschine. Mit dem Geld läßt sich doch etwas machen,
nämlich es so ausgeben, daß es mit Gewinn zurückfließt. Also wird
das freigesetzte Kapital zur Rationalisierung der Produktion ein-
gesetzt. Dafür reichen die eingesparten 100 Mio Mark nicht. Je-
weils 1 Mio Mark will VW in den nächsten Jahren lockermachen. Da-
für nimmt VW Kredit auf, macht also S c h u l d e n. Die sich
lohnen, weil mit automatischen Lackierstraßen usw. etliche Löhne
überflüssig gemacht und die verbleibenden Lohnzahlungen effekti-
ver für den Gewinn genutzt werden. Das "Sparkonzept" von VW ist
also kein Notprogramm; vermehrte Gewinne sollen gemacht werden
auf Kosten der Arbeiter und Angestellten.
"Sparen für Arbeitsplätze - der Betriebsrat macht mit"
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Wie, hat der auch Geld? Das nicht. Das Scherflein, das er beizu-
tragen hat, besteht im Mitkommando über die Arbeiter. Mit eigenen
Konzepten wartet er auf, wie das Geschäft von VW zu verbessern
geht - im Interesse einer "l a n g f r i s t i g e n Sicherung
der Beschäftigung". K u r z f r i s t i g sieht das natürlich
anders aus. Selbstverständlich trägt er "unvermeidliche Perso-
nalanpassungen" mit.
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