Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


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       Auch ein Beitrag zum Thema Urlaub
       

FERIENARBEIT BEI VW

Weil die "Nachfrage gut" ist und die "Marktchancen" ausgezeichnet stehen, gilt für die Volkswagen AG, daß mehr Automobile als bis- her zu produzieren sind, um so die günstige Marktlage auszunutzen und ein paar Extra-Gewinne hereinzuholen. Das ist unternehmerisch gesehen logisch und muß sein. Es braucht nur noch die Durchfüh- rung. Die geht. Zwar klagt die Unternehmerschaft ab und an über zu kurze Arbeits- zeiten in der Bundesrepublik und über zu starre Arbeitszeitrege- lungen, aber offensichtlich scheitert daran keine Firmenkalkula- tion. In mehreren Samstagsschichten sind bisher schon 14.000 Polo- und Golf-Modelle zusätzlich produziert worden bei VW. Das ist ohne Probleme über die Bühne gegangen: Keine Gewerkschaft, kein Betriebsrat und auch keiner von denen, die samstags antreten müssen, hat sich quergestellt. So flexibel ist VW ------------------ Aber es geht noch mehr. VW ist auf die Idee gekommen, daß die traditionellen Werksferien des Konzerns diesen Sommer überhaupt nicht in die günstige Marktlandschaft passen. Deshalb beschließt der Vorstand Anfang Juni - also einen Monat vor der Haupturlaubs- zeit -, daß der Werksurlaub auch noch zum Autobauen genutzt wer- den kann. VW erklärt den Werksurlaub zu einer "Kapazitätsreserve" und ordnet die Nutzung dieser Reserve an. Die Werksleitungen le- gen einfach fest, daß im Urlaub 4.500 zusätzliche Wagen gebaut werden - selbstverständlich neben den üblichen "Werksurlaubs- arbeiten". Ein paar Anweisungen, ein paar Telefonate, und die Sache ist geritzt. Es finden sich die 13.000 Mitarbeiter, die die Firma für die "Urlaubsschicht" eingeplant hat. Damit das Mehr an Autos auch herauskommt, werden für eine kurze Frist zusätzlich 1.000 bis 2.000 Studenten, Werksstudenten und andere Hilfskräfte eingestellt. So frei kann der Betrieb kalkulieren und die Produktion und die Arbeitszeiten der Arbeitskräfte planen und einrichten. Wenn die Auftragslage es verlangt, wird auch am Samstag voll gearbeitet - sonst eben nicht. Wenn mehr Autos her sollen, weil der Verkauf glänzend läuft, wird die bisherige Firmenplanung "Werksurlaub" zu einem Teil gestrichen. Dabei soll der errechnete Vorteil, weshalb VW sonst die Belegschaft auf einen Schlag in den Urlaub schickt, nicht wegfallen: Der kollektive Urlaub ist nämlich dafür gedacht, daß sonst im Jahr ohne nennenswerte Ausfälle und Einschränkungen voll durchgearbeitet werden kann und die Produktion auch nicht durch notwendige Wartungs-, Reparatur- und Umstellungsarbeiten gestört wird. Die fanden bisher und finden auch jetzt im Werksur- laub statt. Keine Frage ist auch, daß die spätere Abwesenheit der 13.000, die ja irgendwann bis März 1989 auch ihren Urlaub nehmen müssen, dann nicht zum Produktionsrückgang führen darf - wenn der Autoboom anhält. Wenn aber das Geschäft schlechter laufen sollte im Herbst und Winter, wird die Firma so frei sein, sich eine pas- sende Regelung auszudenken. In noch einer Hinsicht kann offensichtlich der Konzern frei kal- kulieren: Die Firma verläßt sich darauf, daß die Belegschaft im- mer genau dem nachkommt, was sie anordnet. Und so flexibel sind die Mitarbeiter ------------------------------------ 13.000 Arbeiter folgen dem Ansinnen der Firma, daß es diesmal in den Werksferien auch eine Menge Arbeit geben soll. Stand für die Anfang Juni noch nicht fest, was sie im Urlaub machen wollten? Hätten die alle lieber sowieso zu einer anderen Zeit ihren Urlaub genommen? Selbst wenn, der Werksurlaub war aber doch vom Betrieb vorgeschrieben. Oder was sonst hat die 13.000 bewogen anzutreten, wie die Firma es beschlossen hat? Eben, eine Kalkulation hat auf Seiten der Mitarbeiter und in ih- rem Interesse gar nicht stattgefunden. Kalkulieren tut allein der Betrieb, der die Arbeitermannschaft arbeiten läßt, wann, wo und wie es ihm in seinen geschäftstüchtigen Kram paßt. Sonst würden die Arbeiter und Angestellten bei VW nicht wie auf Kommando ge- horchen, wenn der Betrieb ruft. Nein, eine ernsthafte Prüfung, ob das denn was taugt, was VW da beschließt, hat nicht stattgefun- den. Nicht einmal die Überlegung, ob einem das gerade paßt, was der Konzern da verlangt. Daran, daß da vielleicht was rauszuholen wäre, wenn VW unbedingt Arbeit im Urlaub braucht, hat sowieso niemand gedacht. So kann das Unternehmen natürlich schalten und walten, wie es zu seinem Nutzen will. Und VW kann dann noch behaupten, seine Maß- nahmen seien auch im Interesse der Mitarbeiter. Man sieht's ja: VW plant die Benutzung seiner Arbeitermannschaft recht flexibel - und die Belegschaft richtet sich drauf ein. Schon wieder ein Punkt für die freie Marktwirtschaft und ihre ach so schöne Privatinitiative! *** Deutschlands Arbeitnehmer sind urlaubsreif: Sie bestimmen völlig selbständig, wohin sie fahren und was sie sich sonst noch alles im Urlaub leisten können. Diese Freiheit genießen sie, daß es nur so kracht. Und auch sonst lassen sie sich nichts vormachen: Sie nehmen sich ihren Urlaub immer dann, wenn die Firma ihn ge- nehmigt. *** Hallo, Dingolfinger BMW-Arbeiter! War es nicht letztes Jahr so, daß einige Tausend von Euch im Be- triebsurlaub gearbeitet haben, um BMW beim glänzend laufenden Verkauf der 5er-Serie zu unterstützen? Und warum fahrt Ihr dieses Jahr alle in Urlaub? BMW braucht in diesem Sommer keine zusätzlichen 5er. Ach so! zurück