Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter
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Neuorganisation bei TA
EIN ANSCHLAG AUF ARBEITERINTERESSEN?
TA gliedert den TA-Vertrieb aus der Gesamtfirma aus. Der Be-
triebsrat stimmt ein Katastrophengeschrei an: "Die Zerschlagung
der TA beginnt. Was wird der Vertrieb neben (oder statt) eigenen
Produkten dann verkaufen?". "Was wird die TA ohne Vertrieb dann
sein?"
Die Betriebsräte tun ja gerade so, als sei ein eigener Vertrieb
die schönste Existenzgarantie des kapitalistischen Geschäfts und
ginge es bei diesem Geschäft um die - absurde - konservative
Idylle, daß ein Unternehmer mit lauter s e l b s t g e-
m a c h t e n P r o d u k t e n über einen s e l b s t o r-
g a n i s i e r t e n, e i g e n e n H a n d e l sich eine
e i g e n e K u n d s c h a f t hält und diese mit a l l e m
b e d i e n t, was sie braucht. Da gäbe es nicht viel Fabriken,
wenn das ihr Zweck und das Fehlen eines eigenen Vertriebsnetzes
ihr Ende wäre. Bei dem Geschäft aber geht es um Profit; und da
ist manchmal ein eigener Vertrieb günstig, manchmal ist er eine
Fessel.
Der Geschäftsleitung geht es bei der Neuorganisation von Verkauf
und Produktion weder um die Zerschlagung von TA noch um die Er-
haltung der Firma als Gesamtheit, noch um die Erhaltung von jedem
Firmenteil. Es geht wie immer um die Optimierung des Profits, und
das geht diesmal so:
Die Trennung von Produktion und Vertrieb: Eine neue Kalkulation
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Der TA-Vertrieb mit seinem festen Kundenstamm, mit seinem Spezi-
algeschäft in Sachen Bürorationalisierung und mit der dazugehöri-
gen Wartung der verkauften Anlagen ist ein lohnendes Geschäft für
sich. In seiner Funktions- und Leistungsfähigkeit wird dieses Ge-
schäft beschränkt durch sein dienendes Verhältnis zur Produktion
von TA. Der TA Vertrieb verkauft weniger Geräte, als er könnte
und verliert Kunden, deren Büros er vollständig ausrüsten könnte,
weil und solange er verpflichtet ist, nur die Produktpalette, die
die TA-Produktion zustandebringt, zu verkaufen, und das nur zu
TA-Preisen. Mit der Befreiung des TA-Vertriebs aus seiner Ver-
pflichtung für TA-eigene Produkte will die Geschäftsleitung eine
rentablere Nutzung des bestehenden Vertriebsnetzes erreichen.
Grundlage dieser Kalkulation ist ebenso die Vervielfältigung der
Geräte in der Bürotechnologie, wie die Tendenz zu immer größerer
Spezialisierung der einzelnen Produzenten. Nur die allergrößten
der Branche - IBM - können so große Stückzahlen produzieren und
verkaufen, daß sie alles aus einem Hause anbieten und den exklu-
siven Vertrieb nur ihrer Waren nutzen können. TA kann das nicht.
Der selbständige Vertrieb soll sich nun, befreit von der Be-
schränkung auf TA-Produkte, wie ein normales Handelskapital nur
um seinen- Profit kümmern und besser um ihn kümmern können.
Umgekehrt befreit die Trennung von Produktion und Vertrieb die
Herren in der Chefetage auch beim Kalkulieren mit der Produktion:
Jetzt muß die Produktion nicht mehr um jeden Preis ein - irgend-
wie - vollständiges Sortiment von Bürocomputern herstellen, weil
ein TA-Vertrieb TA-Vertrieb nur sein kann, wenn er auch alles Ge-
fragte anbietet. Freier läßt sich nun das vorhandene produktive
Kapital auf seine Profitabilität hin abschätzen, jede Abteilung
für sich kann gemessen, leichter geschlossen oder für neue Ge-
schäfte genutzt werden, je nachdem. Von einer Spezialisierung ist
schon die Rede: Mit hochproduktiven Automaten zur Bestückung von
Leiterplatten sollen große Stückzahlen fast ohne Lohnkosten pro-
duziert und an konkurrierende Computerhersteller verkauft werden.
So will TA zum Gewinner in der Konkurrenz der Computerhersteller
werden, indem die anderen auf z.B. diesem Feld aus dem Markt ver-
drängt werden.
Der Betriebsrat sieht das Ende von TA nahe
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Er ist wild entschlossen, bei schlechterdings jeder Maßnahme der
Geschäftspolitik eine arbeiterfreundliche und eine arbeiterfeind-
liche Variante zu unterscheiden - völlig gleichgültig, ob das,
was da gerade beschlossen wird, überhaupt etwas mit der Lage der
Belegschaft zu tun hat. Er prüft - in diesem Fall die Trennung
von Produktion und Vertrieb am Maßstab, ob dies eine Maßnahme
f ü r B e s c h ä f t i g u n g sei oder eine gegen Beschäftig-
tung. Tatsächlich geht es beim Geschäft nie um Beschäftigung,
diese stellt sich immer hinterher genau so ein, wie sie vom Ge-
schäft und für es gebraucht wird. Aber, damit der Arbeiter auch
etwas gilt im Land, kann man ja s o t u n a l s o b. Als ob
er immer vorkäme, als ob alles für ihn oder gegen ihn unternommen
würde. So fangen Arbeitervertreter an, sich für alles zu interes-
sieren und einzusetzen.
Diesmal also verteidigt man die Einheit der Firma gegen die Kal-
kulationen der Chefs. Man tut so als sei die, Fabrik, wie sie
war, die Lebensgrundlage der Mannschaft, bloß weil die Profitma-
cherei immer gerade so viele Leute benutzt und bezahlt hat, wie
sie gerade brauchen konnte. Diese konservative Bescheidenheit
möchte, daß es so weitergeht:
Dafür sollen die Arbeiter Fans einer bestimmten Gliederung des
Kapitals werden:
"Eine TA mit allen Funktionen... wir sind überzeugt, daß eine
vollständige TA sehr wohl lebensfähig ist".
Als ob die alte vollständige TA nicht in den letzten Jahren die
halbe Mannschaft entlassen hätte. Und als ob nicht der Betriebs-
rat selbst für die Erhaltung seiner feinen Lebensgrundlage
"Gesamt-TA" den eigenartigen Preis zahlen will, schon wieder ei-
nigen TAlern die Lebensgrundlage zu entziehen:
"Sicherlich werden dabei immer wieder Umstrukturierungen notwen-
dig sein". Außer der Erhaltung der Erhaltung der Einheit von TA
fordert er ganz konsequent gleich noch einen "Beschäftigungsplan
damit solche Maßnahmen nicht auf den Rücken der Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer ausgetragen werden".
Die TA ist ja eine feine Lebensgrundlage für alle; so eine feine
Einrichtung lohnt die Verteidigung durch die Belegschaft! Weil
sie so eine feine Lebensgrundlage ist, gibt die Belegschaft ihre
Ansprüche an Lebensunterhalt auf und geht!
Alles das hat der Betriebsrat auf- und ins Gespräch gebracht,
ohne daß überhaupt Entlassungen von der Firma angekündigt oder
ins Auge gefaßt würden. Bloß weil er alle Geschäftsmaßnahmen für
bedeutungsvoll und wichtig für die Arbeiter nehmen will, liest er
die Arbeiter betreffende Konsequenzen in jede Maßnahme hinein.
Kaum sind sie hineingelesen, erklärt er auch schon seine Bereit-
schaft, Entlassungen zuzustimmen und fordert dazu einen Beschäf-
tigungsplan. Der hat keinen anderen Inhalt, als daß Firma ver-
sprechen soll, daß sie an die Zukunft der Produktion bei TA
glaubt und an die Beschäftigung.
Dafür werden die Konsequenzen der Umstrukturierung gerne getragen
- vom Betriebsrat wenigstens.
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