Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


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       Zum Streik bei SKF
       

"WAS WIR EUCH WEGNEHMEN, FÜLLT UNSERE KASSEN" (Eure Geschäftsleitung "DANN EINIGEN WIR UNS HOFFENTLICH IN DER MITTE"

Die Geschäftsleitung der SKF hat beschlossen, daß ihre Ansprüche an die Produktion von Wälzlagern ab sofort eine rigorose Lohnsen- kung verlangen - die Streichung sämtlicher außertariflicher Zula- gen - und eine Verlängerung der Betriebszeit mit neuen Schicht- plänen. Wenn "Überkapazitäten auf dem Wälzlagermarkt weltweit auf unsere Verkaufspreise drücken" und die "Währungsveränderungen" der letzten Monate auch noch das Ihre dazu beitragen, "die SKF- GmbH in ernste Ertragsschwierigkeiten" zu bringen, dann ist eines das Allerletzte, was für eine Firma in Frage kommt: eine Schmäle- rung ihrer Profite. Sie rüstet sich vielmehr zum Preiskampf, in- dem sie sich das Geld dort holen will, wo sie meint, daß es zu finden ist. Bei den "hohen Personalkosten". Daß für ihre Gewinne der bisher übliche Lebensunterhalt der Arbeiter zur Disposition zu stehen hat, ist für SKF eine ausgemachte Sache. Das verdient nur eine Antwort: NEIN. Die Geschäftsleitung der SKF hat keinen Zweifel gelassen, worum es geht: Ihr I n t e r e s s e steht gegen das der Arbeiter. Das verhehlt sie nicht. Sie hat beschlossen, ohne Wenn und Aber zum A r g u m e n t zu machen, daß Abstriche an ihren Gewinnen für sie nicht in Frage kommen. Ihr Interesse ist doch wohl Grund genug! Und was für die Arbeiter dabei "zumutbar" ist, bestimmt doch wohl immer noch sie! DM 150,- netto weniger im Monat - na und? Sicher, "das ist nicht populär", aber haben die SKF-ler dann nicht immer noch mehr "als der Durchschnitt der Industriebeschäftigten in der Region"? Oder - warum nicht gleich? - als die Tagelöhner in Bra- silien? Die Unverschämtheit solcher "Argumente" und Vergleiche ergänzt sie noch um ein bestätigendes Dementi der allergröbsten Art: Wir drohen überhaupt nicht mit Entlassungen, "wir wollen al- len noch zumutbare Opfer abverlangen, anstatt wenigen das große Opfer der Verlustes der Arbeitsplätzes auf(zu)erlegen". Wer hier die Maßstäbe setzt, was gilt, was zumutbar ist, was sich von selbst versteht, wer hier die Macht hat das sind wir, die Ge- schäftsleitung. Haltet Euch dran! Mit solchen Sprüchen begleitet sie ihren praktizierten Aufruf zum Klassenkampf. Der Betriebsrat, ---------------- der sich an die Spitze des seit fast einer Woche andauernden Streiks gesetzt hat, antwortet auf die praktischen und verbalen Unverschämtheiten des Kapitals im Stile einer Schlichters. Er or- ganisiert die Demonstrationen, die laufenden Betriebsversammlun- gen in den Kantinen und den Streik insgesamt - und beklagt auf Seiten der Geschäftsleitung mangelnde Kompromißbereitschaft, als wäre hier der Sache nach ein "für beide Seiten akzeptabler Kom- promiß" überhaupt möglich. Wohl nach dem Motto: Mit nur einer Watschn bin ich gut bedient, wenn ein anderer mir droht, mir links und rechts eine reinzuhauen. Soll ein Kompromiß vielleicht so aussehen, daß die außertariflichen Zulagen nur nach und nach, nicht aber auf einen Schlag weggestrichen werden? Oder so, daß sie nicht komplett wegfallen? An irgend so etwas muß der Be- triebsratsvorsitzende LANG doch gedacht haben, als er am Samstag sagte: "Irgendwie müssen wir doch zu einem Ergebnis kommen", Ver- diente am Ende irgendeine Lohnkürzung wirklich diesen Ehrentitel "Ausgleich", bloß weil sie ursprünglich als noch drastischere an- gekündigt war? Ununterbrochen führen IG Metall-Betriebsräte und Vertrauensleute Verhandlungen mit der Geschäftsleitung. Für sie gibt es offenbar furchtbar viel zu reden, weil die Geschäftsleitung so viel will und sie solch mit ihr vereinbaren wollen. Wieso eigentlich? Für den Satz: "Das kommt alles überhaupt nicht in Frage" braucht man doch nicht mehrere Stunden und das täglich! Eines ist eben klar: Das unbedingte Nein des Betriebsrats zu den Absichten der Ge- schäftsleitung ist sofort Schnee von gestern, wenn sie die Abso- lutheit aufgibt, mit der sie bisher zu keiner Verhandlung bereit ist. Den bisherigen Lohn und die bisherige Arbeitszeitregelung hat der Betriebsrat also längst zur Disposition gestellt. zurück