Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


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       Der Zwang der Konkurrenz im Wälzlagergeschäft
       

...SKF RATIONALISIERT, WEIL FAG RATIONALISIERT, WEIL SKF...

Die Mitteilungen aus den Schweinfurter Kugellagerwerken sind ziemlich gleichlautend: 1. gehen die Geschäfte schlecht, 2. ist daran die (internationale) Konkurrenz schuld und 3. zwingt die - die Konkurrenz nämlich - einen zu umfangreichen Umstrukturie- rungs- und Investitionsprogrammen mit einigen Unannehmlichkeiten für die Belegschaft: ein paar tausend Entlassungen in den näch- sten Jahren, Verbilligung der verbleibenden Belegschaft durch Lohnkürzungen und neue Lohnsysteme, weitere "Flexibilisierung der Arbeitszeiten". Wollen die Herren Höglund und Co ihren Arbeitern eigentlich mit- teilen, daß die kapitalistische Produktionsweise ein einziger Zwang gegen diejenigen ist, die damit ihren Lebensunterhalt ver- dienen müssen? Daß die Produktion von Wälzlagern oder was auch immer keineswegs dazu da ist, diejenigen, die sie produzieren, einigermaßen zu ernähren? Daß Entlassungen und möglichst sparsa- mer Umgang mit dem Lohn eine schlichte Notwendigkeit dieser Pro- duktionsweise, die Existenzunsicherheit der Arbeiter deren blei- bende Geschäftsgrundlage ist? Wollen sie nicht - es sind ja schließlich keine Kommunisten. Sie wollen vielmehr sagen, daß eigentlich nicht sie, die FAG, SKF etc. ihre Leute entlassen und ihren Lohn senken, sondern die an- deren, nämlich SKF, FAG etc. Ein einziger Zwang für die Kapitalisten ist das Kugellagerge- schäft. Ihnen bleibt nie etwas anderes übrig, als auf die Machen- schaften der jeweils anderen zu reagieren - fragt sich bloß, wer da eigentlich agiert. Die FAG muß rationalisieren, weil die SKF rationalisiert. Die SKF muß rationalisieren, weil ihr die FAG mit ihren billigen, weil durchrationalisierten Produkten den Markt streitig macht. Das macht nur deshalb einen Sinn, weil sie beide d a s s e l b e wollen. Weil die Produktion von Wälzlagern für beide Mittel fürs Geschäft ist, es ihnen darauf ankommt, einen möglichst hohen Gewinn beim Verkauf ihrer Kugellager zu erzielen, ist eine Senkung der Kosten - und nur als die kommt der Lebensun- terhalt der Arbeiter in der Kalkulation der Kapitalisten vor - immer und für beide angesagt. Wahr an dem Gerede vom Zwang ist daher nur soviel: die Verbilli- gung der eigenen Mannschaft garantiert den Erfolg - die Steige- rung des Gewinns - keineswegs, weil nämlich die anderen genau den gleichen Zweck haben und ihre Kosten senken. Deshalb ist jede Senkung der eigenen Kosten, jede Steigerung der Produktivität auch eine Kampfansage nicht nur an die eigene Belegschaft, son- dern auch an den Nachbarn in Schweinfurt. Die Kosten müssen ge- senkt werden, weil man billiger anbieten will als der Konkurrent. Das Mittel dafür ist die Steigerung der Produktivität durch neue Maschinerie und Neuorganisation der Produktion, die sich aber bloß lohnen, wenn größere Stückzahlen abgesetzt werden. Weil also jeder wegen seines Gewinns ziemlich rücksichtslos gegen den Bedarf an Kugellagern produziert, kommt es schon mal vor, daß "der Markt" diese Anstrengungen nicht genügend oder überhaupt nicht mehr honoriert. Die Geschäfte gehen dann schlecht, weil es jedem auf nichts anderes ankommt als auf das Geschäft. Was aber keinen Kapitalisten verzagen läßt: wo der Markt nicht mehr her- gibt, heißt das noch lange nicht, daß er auch für ihn nicht mehr hergeben muß: ein Offensivprogranun ist angesagt, um der Konkur- renz Marktanteile abzujagen und dadurch das eigene Unternehmen wieder "in die Gewinnzone" zu bringen. Also: "Lohn sparen, inve- stieren, umorganisieren". zurück