Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter
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WESERPORT GEGEN OSTERPORT
Zwei Standorte für den Erzumschlag der Hütte stehen zur Debatte.
Der eine - Weserport in Bremerhaven - funktioniert seit 25 Jahren
auf die altbewährte Weise. Ein Tümpel, in den 80.000 Tonnen
Schiffe reinpassen, ein paar Kräne und Förderbänder, ein Haufen
Schienen mit Bundesbahnwagons und 120 Arbeitern, die in Dreck und
Lärm mit den entsprechenden Zulagen für die günstige Entladung
sorgen. Zur vollsten Zufriedenheit von Klöckner, bislang.
Den zweiten - Osterort in Bremen - gibt es noch gar nicht. Er
soll neu geschaffen werden. Osterort will sich Klöckner ganz neu
vorstellen, und zwar so, daß er im Vergleich mit Weserport unge-
heuer gut dasteht. Ein bißchen baggern, eine 300 m lange Kaje,
ein paar kleinere Schiffe, die sich selbst entladen und rein in
den Ofen.
Damit ist die Debatte um zwei Standorte schon rum, bevor sie be-
gonnen hat: Weserport ist damit für unrentabel erklärt. "Wir ge-
hen schon jetzt von der Rentabilität des Kajenbaus aus." (Dir.
Ziegenbalg im Weser-Kurier)
Kostenpunkt: zwischen 20 und 50 Millionen.
Abfallprodukt: 60 Arbeitsplätze in Bremerhaven werden überflüs-
sig.
Daß die 300 m lange Kaje die 60 Arbeitsplätze überflüssig macht -
wie der Weser-Kurier zu berichten wußte - stimmt natürlich nicht.
Eine Kaje, und auch wenn sie noch so lang ist, kann bekanntlich
keine Kündigungen unterschreiben, geschweige so einen Quatsch
verzapfen. Wenn sie aber einmal als Teil der Kalkulation eines
Betriebes mit seinen Transportkosten steht, dann entfällt der Le-
bensunterhalt von 60 Leuten quasi 'automatisch'..
Natürlich können Schiffe von 40.000 Tonnen Tragfähigkeit genauso-
wenig Leute entlassen, wie 80.000 Tonnen-Schiffe im Weserport
einen Arbeiter ernährt haben. Wenn sich aber für den Betrieb
rechnet, kleinere Schiffe bis direkt vor der Hütte einzusetzen,
statt größere in Bremerhaven umzuladen, dann entfällt der Lohn
der dort Beschäftigten allemal.
Natürlich hat die Senkung der Rohstoffpreise in Skandinavien
überhaupt nichts mit den Lebenmitteln von Arbeitern zu tun; die
sind nicht mehr oder weniger nötig, ob die Rohstoffpreise hoch
oder tief stehen. Befindet aber ein Betrieb wie Klöckner, daß
nordeuropäisches Erz günstiger ist als australisches oder süd-
afrikanisches, dann haben einige Arbeiter sich darauf einzustel-
len, daß sie kein geregeltes Einkommen mehr haben werden.
Das gilt hierzulande als höchst rationell und effektiv. Mit allem
und jedem wird in dieser Gesellschaft kalkuliert in der Sicher-
heit, daß es eben auf den Unterhalt ihrer Mitglieder sowieso
nicht ankommt, sondern allein auf die Gewinnkalkulationen ihrer
Unternehmer.
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