Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


       zurück

       Bremer Datenservice-Firmen in Verruf
       

EIN ÖFFENTLICHER "SKANDAL"

Zwei Bremer Firmen, die "Hansa Datenservice GmbH" und die "Bremer Büro- und Datenservice GmbH" sind ins Gerede gekommen, und zwar mit heutzutage ganz unmodern gewordenen Vorwürfen gegenüber ka- pitalistischen Geschäftemachern: Von "unglaublichen Arbeitsbedin- gungen", "Hungerlöhnen", "Sozialdumping mitten in der Bun- desrepublik", gar von "Ausbeutung" war die Rede - alles säuber- lich dokumentiert und nachzulesen im "Weser-Kurier". Was ist da los? Erstmal nicht mehr und nicht weniger, als daß die beiden Firmen für ganz honorige Bremer Großbetriebe wie Daimler-Benz z.B. oder auch staatliche Institutionen wie die Stadtwerke Datenerfassungs- und Datenverarbeitungsaufträge übernommen und damit ihr Geschäft gemacht haben; eine durchaus gelungene 'Privatinitiative', die getreu dem geschäftsdienlichen Motto: 'je geringer die Kosten, desto größer der Schnitt, der als Überschuß in die Firmenkasse zurückfließt', die nötigen EDV-Geräte samt dem dazugehörigen Be- dienungspersonal auf engstem Raum zusammengepfercht und letzteres mit "Gehältern unter dem Sozialhilfesatz", also Stundenlöhnen so um die 4 DM, bei 40 Wochenstunden und jeder Menge unbezahlter Überstunden abgespeist hat. Und natürlich haben die ge- schäftstüchtigen Firmen keine müde Mark für irgendwelche Sozialversicherungsleistungen rausgerückt, die Leute eben einfach 'schwarz' beschäftigt. Für die Deutsche Angestelltengewerkschaft --------------------------------- ein 'Skandal erster Güte' und - gerade wegen der Verletzung so anerkannter Titel wie R e c h t und M o r a l - hochgeeignet, ans Licht der Öffentlichkeit gebracht zu werden. Da darf sich so richtig öffentlich empört werden über Zustände wie im 'Frühkapitalismus' - und die DAG-Gewerkschafter stehen da wie die Herren mit der weißen Weste, die vor lauter m o r a l i- s c h e r E m p ö r u n g doch glatt ihre M i t z u s t ä n- d i g k e i t für solch skandalöse Zustände unterschlagen. Was haben denn die beiden Bremer Datenservice-Firmen für das Flo- rieren ihres Geschäfts so zielstrebig ausgenutzt - wenn nicht den Tatbestand, daß 'der Arbeitsmarkt' offenbar jede Menge Leute be- herbergt, die Stundenlöhne von 4 DM als ein einziges A n g e b o t, ihren Lebensunterhalt aufzubessern oder überhaupt zu gewährleisten, b e t r a c h t e n m ü s s e n! Und so ein Zustand der N o t und der E r p r e ß b a r k e i t von Leu- ten zu jeder Sorte Beschäftigung ist ja keineswegs vom Himmel ge- fallen, sondern hat ganz viel mit typisch gewerkschaftlicher 'Fürsorge' zu tun: Was z w i n g t denn Frauen, für einen "Hungerlohn" das Fami- lieneinkommen aufzubessern, damit es zum Leben reicht - wenn nicht der bescheidene T a r i f l o h n des Ehemannes! Wer sorgt denn mit so schöner Regelmäßigkeit dafür, daß, kaum daß einer arbeitslos wird, er nicht mehr weiß, wovon er die Miete be- zahlen soll - wenn nicht die T a r i f l ö h n e, mit denen die Gewerkschaften ihre Mitglieder seit Jahrzehnten beglücken! Und wenn der Staat dann mit ebenso schöner Regelmäßigkeit Kürzungen am Arbeitslosengeld vornimmt - hat die Gewerkschaft noch stets ganz viel Verständnis für die Nöte - nein, nicht der Arbeitslo- sen! - sondern der sozialstaatlichen Kassen gezeigt. Schließlich: Wer ist denn mitverantwortlich für das Zustandekom- men von 3 Mio Arbeitslosen, aus denen sich die Kapitalisten zu ihren Bedingungen so locker bedienen können - wenn nicht die Ge- werkschaft mit ihrer kämpferischen Devise: Keine Entlassung ohne ihre Zustimmung; m i t ihrer Zustimmung aber j e d e, die das Kapital will! Und sich dann hinstellen und, ohne rot zu werden, die e r p r e s s e r i s c h e W i r k u n g solcher von ihr mithergestellten Zustände öffentlichkeitswirksam beklagen! Das ist DAG-Politik! zurück