Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter
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BETRIEBLICHES LIMIT FÜR ÜBERSTUNDEN -
DAMIT JEDE ARBEITSSTUNDE MEHR LEISTUNG BRINGT
Der Geschäftsleitung von LDW sind mal wieder die Überstunden ein
Stein des Anstoßes. Das ist schon mehr als komisch. Denn schließ-
lich ist es der Betrieb, der sich die Freiheit herausnimmt, über
die gesamte Zeit der Arbeiter als Arbeitszeit zu verfügen und sie
immer dann zur Arbeit abzukommandieren, wenn es ihm paßt.
Überstunden: Ein Mittel des Kapitals...
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Zur Zeit müssen jedoch alle Überstunden erstens vom Meister vor-
her beantragt werden und zweitens gibt es so etwas wie eine Ober-
grenze von 40 Überstunden pro Mann und Monat. Woran sich ablesen
läßt, daß der Betrieb keineswegs etwas gegen Überstunden hat.
Ganz locker ist damit eine beträchtliche Verlängerung des Ar-
beitstages der Arbeiter als betriebliche Verfügungsmasse ein-
geplant. Die betriebliche Produktionsplanung rechnet schlicht und
einfach in Arbeitstunden, in denen vorausberechnet ist, wieviel
Leistung die Arbeiter in jeder Stunde zu bringen haben. So liegt
die L o h n k o s t pro Auftrag schon f e s t, b e v o r die
Arbeiter auch nur einen Handschlag getan haben. Den Unterschied
zwischen Normalarbeitstag und Überstunden kennt die betriebliche
Produktionsplanung dabei überhaupt nicht. Der Betrieb ruft genau
die Anzahl Arbeitsstunden ab, die sich aus seinen
Geschäftsgelegenheiten ergibt. Ob normal oder Überstunde ist für
ihn b l o ß eine R e c h e n g r ö ß e für die Bezahlung. Dem
Tarifvertrag entnimmt er, was ihn die Freiheit zur Verlängerung
des Arbeitstages an Zuschlägen kostet.
Wo der Betrieb so einfach in Arbeitsstunden rechnet und die Ar-
beiter als Leistungsablieferungsautomaten kalkuliert, sind es die
Meister, die seine Planung praktisch wahrmachen. Immer die Ter-
mine im Auge, ziemlich unbeeindruckt davon, daß hin und wieder
Arbeiter mal fehlen, Werkstücke bzw. Material nicht rechtzeitig
da sind, wenn sie gebraucht werden, schieben sie die Arbeiter hin
und her, nötigen ihnen manche Intensivierung der Arbeit auf und
ordnen Überstunden an. Termine verpflichten!
...das lohnender gestaltet werden soll...
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Wenn die Meister nun jede Überstunde extra im voraus beantragen
müssen, gibt die Betriebleitung mit dieser Vorschrift ein gewis-
ses Mißtrauen gegen die Meister zu Protokoll. Es wird gerade so
getan, a l s o b die Meister bei der Anordnung von Überstunden
lauter R ü c k s i c h t n a h m e n auf die Arbeiter walten
ließen. Als ob sie großzügigerweise den Arbeitern Gelegenheiten
zum Geldverdienen einräumen, wenn sie sie ihre Freizeit im Be-
trieb verbringen lassen. An diese Lüge glauben doch höchstens die
Arbeiter. Der Betrieb tut auf einmal so, als könnte er die Me-
thode der Vereinnahmung der Arbeiter nicht von ihrem betriebs-
dienlichen Zweck unterscheiden. Das ist andererseits aber auch
ganz praktisch. Jede Überstunde wird noch einmal daraufhin über-
prüft, ob sie für den Haupt- und Oberzweck, den Profit, auch un-
bedingt notwendig ist. Kritisch wird die Betriebleitung auch
schon einmal gegenüber ihren Meistern, die sich auf ihre Tour ge-
nauso an gewisse Techniken der Leistungsabpressung gewöhnt haben
wie ihre Untergebenen. Bei jeder Überstunde wird nachgeschaut, ob
sie in der Produktionsplanung auch vorgesehen war. Wenn für den
jeweiligen Auftrag ein paar Überstunden mehr als vorgesehen an-
fallen, sagt der Betrieb nicht einfach, daß er sich eben verrech-
net hat und korrigiert seine Planung. Vielmehr wirft er kritisch
die Frage auf, ob sich die zusätzlichen Arbeitsstunden nicht ver-
meiden lassen. Abweichungen von der Arbeitszeit, die er für einen
Auftrag kalkuliert hat, kann der Betrieb nämlich nicht leiden.
Jede zusätzliche Arbeitsminute kostet schließlich Lohn, das
schmälert den Profit und darf nicht sein.
Demgegenüber stellt sich die Betriebsleitung auf den Standpunkt,
daß dem Betrieb ein ausgiebiger auszureizendes K o r r e k-
t u r m i t t e l zur Verfügung steht, das ihn k e i n e n
P f e n n i g k o s t e t: mit einer Intensivierung ihrer
Arbeit sollen die Arbeiter dafür geradestehen, daß ungeachtet der
Unregelmäßigkeiten und Abweichungen, von denen jedermann weiß,
daß sie zur Durchführung des Produktionsplanes dazugehören, die
Aufträge mit der kalkulierten Lohnkost abgewickelt werden. Wenn
Überstunden als "zu viele" eingestuft werden, lautet das
betriebliche Programm also, die Aufträge mit w e n i g e r
b e z a h l t e n Arbeitsstunden zu erledigen. Den Arbeitern
soll in j e d e Arbeitsstunde m e h r Arbeit gepackt werden,
das senkt den Lohn im Verhältnis zur Leistung und steigert so den
Gewinn - ist also genau das richtige.
...durch einen Härtetest auf die Arbeiter
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Die Arbeiter werden also einem Test unterzogen, was aus ihnen
herauszuholen geht. Der Versuch wird am lebendigen Objekt durch-
geführt, aber da es sich um Arbeiter handelt, sind Einwände des
Tierschutzvereins nicht zu erwarten. Die Gewerkschaft wiederum
ist kein Verein, der den Schutz der Arbeiter vor der vermehrten
Beanspruchung durch den Betrieb im Sinn hat. Und weil die Arbei-
ter als willige Versuchskaninchen eingeplant sind, streiten sich
einzig die verschiedenen Betriebsinstanzen über die Frage, wann
der Test erfolgreich abgeschlossen ist. Findige Meister führen
sich zwischendrin mal so auf als wären sie gewerkschaftliche Ver-
trauensleute und fordern ein paar Neueinstellungen vom Betrieb,
damit die Überstunden nicht überhand nehmen. Und bekommen als
Antwort, daß dies keine Alternative ist, weil der Betrieb am Lohn
sparen will. So wird aus der Intensivierung der Arbeit ein be-
triebliches Dauerprogramm: Lohnsenkung am laufenden Band!
Die von der Betriebleitung festgelegte Obergrenze von 40 Über-
stunden pro Mann und Monat heißt nun nicht, daß LDW womöglich um
des Prinzips willen auch nur einen Liefertermin nicht einhalten
würde. Wenn sich ein Geschäft mit einem besonders eiligen Re-
paraturauftrag machen läßt, ist auf jede Obergrenze gepfiffen.
Die Arbeiter werden zu mehr als 40 Überstunden abkommandiert -
ohne daß sie ihren Lohn dafür abrechnen dürfen. Die Überstunden
werden auf den nächsten Monat "übertragen"; wenn sie ihren Lohn
kassieren wollen, dann liegt es ganz an ihnen, ob sie die
"vorgearbeiteten" Überstunden irgendwie übrig haben. Und das ist
sehr fraglich, weil der Betrieb die Arbeiter ja auch im kommenden
Monat längst mit etlichen Überstunden verplant hat. So dürfen sie
die Anstrengung unternehmen, sich das Geld für l ä n g s t
g e l e i s t e t e Arbeit ein z w e i t e s M a l zu verdie-
nen, indem sie das Pensum in weniger als den vorgesehenen Stunden
erledigen. Inwieweit das gelingt, ist eine äußerst unsichere An-
gelegenheit; daß sie das einiges kosten wird, steht auf jeden
Fall schon fest.
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