Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


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FORTSCHRITT SIEGT ÜBER "ROTE HÖLLE" - ODER: WAS BEI DER STÜCKKOSTENSENKUNG SO ABFÄLLT

1. Bei LDW ist eine Sandstrahlanlage installiert worden, in der die Maschinengehäuse für die Dreherei vorbereitet werden. Die Sandstrahlanlage entfernt automatisch Dreck, Rost, Farbreste und dergleichen und beseitigt alle Unebenheiten auf der Metallober- fläche. Mit dieser Anlage wird ein großer Teil der Arbeiten erle- digt, die früher in der für Dreck, Lärm, Gestank und Metallstaub berüchtigten Putzerei mit Schleifmaschinen von Hand gemacht wor- den sind. Die Putzerei, auch "rote Hölle" genannt, ist geschlos- sen worden. 2. Natürlich hat LDW diese Investition nicht getätigt, um ein paar Arbeitern gesundheitsschädliche, widerliche und noch dazu schlechtbezahlte Arbeit zu ersparen. Die Anlage wird vielmehr zur Stückkostensenkung eingesetzt, sie erspart nämlich pro be- arbeitetem Stück den Lohn der Leute, deren Arbeit sie ersetzt. Die Arbeiter aus der Putzerei wurden umgesetzt, damit sie sich an anderer Stelle für den Profit nützlich machen können. Was da zu tun ist und welchen Lohn sie kriegen, erfahren sie dann schon. Falls zufällig Metallstaub und Dreck nicht mehr zu ihrem Arbeits- platz dazugehören, entfallen auch gleich die Zuschläge, mit denen der Betrieb bislang das Recht auf solche Zumutungen erworben hatte. 3. Früher kamen die fertig gedrehten Maschinengehäuse noch einmal in die Putzerei zum Entgraten, bevor sie in die Montage gingen. Dieser Arbeitsgang ist durch die neue Anlage nicht ersetzt, fällt also nach wie vor an. LDW hat dafür gesorgt, daß er als Kosten für Arbeit dennoch entfällt. Der Betrieb hat nämlich beschlossen, daß die Karusselldreher das Entgraten mitzuerledigen haben, für den gleichen Lohn, versteht sich, und ohne Änderung der Vorgabe- zeiten. Der Einsatz der Sandstrahlanlage ermöglicht so nicht nur die Schließung der Putzerei, sondern zugleich eine Änderung in der Arbeitsorganisation, durch die sie sich weiter bezahlt macht. Bei den Karusselldrehern benutzt der Betrieb jetzt nicht nur den er- höhten Wirkungsgrad ihrer Arbeit an NC-Maschinen, sondern spart zusätzlich die Kosten für die Arbeit, mit der die Gehäuse monta- gefähig gemacht werden. Wozu ist technischer Fortschritt da? Doch nicht zur Entlastung des Arbeiters! Damit auch klar ist, daß sich das so gehört, stellt sich der Be- trieb da neuerdings auf den Standpunkt, daß die Arbeit eines Karusselldrehers an einer NC-Maschine gar nicht durchgängig Ar- beit ist. E r dreht ja nicht, sondern die Maschine, heißt es. Die Zeit, während der die Maschine das Werkstück bearbeitet und der Arbeiter das nächste Einspannen und Einstellen abzuwarten hat, gilt für LDW als arbeitsfreie Zeit, ganz so, als würde der Arbeiter aus freien Stücken an der Maschine stehen und als könnte er ebensogut mal Kaffee trinken gehen. Daß der Arbeiter nichts zu tun hat, während die Maschine läuft, darf er natürlich nicht falsch verstehen. Im Falle von Störungen war es nicht die Ma- schine, die Ausschuß produziert hat. Da hat der Arbeiter seinen Job, auf die Maschine aufzupassen, vernachlässigt und wird verantwortlich gemacht. zurück