Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


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       Zum Kampf gegen die Entlassungen 3
       
       Letzte Woche wurde bei der KANIS ein wenig gestreikt.
       

WOGEGEN?

Die Streikresolution gibt Auskunft: "360 Entlassungen und die Verlagerung der Dampfturbinen sind be- reits beschlossene Sache. Dagegen wehren wir uns." Wogegen genau bitte? Gegen die 360 Entlassungen oder dagegen, daß sie bereits beschlossene Sache sind? Der Unterschied wirkt mini- mal und haarspalterisch; es ist aber ganz und gar nicht dasselbe, ob man das eine oder das andere meint. Wer sich gegen die 360 Entlassungen wehrt, sagt: Ihr entlaßt uns nicht, sonst... Er wird dann seine Druckmittel abschätzen müssen und die AEG mit ihrem Restinteresse, an der Arbeit bei KANIS dazu erpressen, ihre Profitrechnung zu korrigieren. Wer sich aber dagegen zur Wehr setzt, daß die Entlassungen n i c h t m e h r z u r D i s k u s s i o n s t e h e n, sondern b e s c h l o s s e n e S a c h e sind, der ist schon dabei den Abgesang auf seinen Protest zu singen. Er hat längst anerkannt, daß der Profit über seinen Lebensunterhalt entschei- det. Er klammert sich an die Vorstellung, bei genügend gutem Wil- len und entsprechender Suche müßten sich doch Beschäftigungsmög- lichkeiten finden lassen, bei denen Arbeiter von ihrer profitli- chen Nutzung leben Könnten. So gedacht geht die Gegenwehr in eine ganz andere Richtung: Man wehrt sich dagegen, daß der Versuch, die Dampfturbinen in Nürnberg zu halten, v o r s c h n e l l a u f g e g e b e n w u r d e. Gefordert wird, daß weiter nach M ö g l i c h k e i t e n d e r R e t t u n g gesucht werde. Wer sich immerzu und unbelehrbar an die Vorstellung klammert, die Entlassungen wären vielleicht doch nicht n ö t i g gewesen, weigert sich einfach zur Kenntnis zu nehmen, daß es gar nicht darum geht, ob sie n ö t i g s i n d o d e r n i c h t. Er weiß nämlich sehr gut, w o f ü r d i e E n t l a s s u n g e n n ü t z l i c h sind, möchte, aber auf gar keinen Fall glauben, daß es in unserer Wirtschaft auch mir darum geht. Gerade jetzt, wo die andere Seite der KANIS-Belegschaft unmißverständlich deut- lich macht, daß es kein R e c h t a u f B e s c h ä f t i- g u n g gibt, und daß die Sicherung des Lebensunterhalts der Arbeiter kein ökonomisches Ziel der Marktwirtschaft ist, versucht diese Belegschaft sich immerzu auf ein derartiges Recht zu berufen. Wofür wurde gestreikt? ---------------------- Hans Patzelt: "Der Sprecher der Geschäftsleitung, Herr Keinath soll nach Nürnberg kommen und Rede und Antwort stehen." Wozu soll das gut sein? Glaubt Ihr wirklich, Herr Keinath könnte Euch nicht in die Augen schauen und würde bei persönlicher Gegen- überstellung das Unrecht seiner Entlassungspläne einsehen? Meint Ihr, wenn Keinath seine Rechnungen offen vertreten müßte, dann könnte er sie nicht vertreten? Daß ihr so ehrenwert über die so- zialen Aufgaben des Unternehmers denkt, wird Euch der Herr Keinath hoch anrechnen, daß e r vor diesem Glauben ans Unter- nehmertum als treuloser Lump erscheint, wird ihm dabei wenig aus- machen - schließlich hängt er nicht von Euch ab, sondern Ihr von ihm. Und was wäre, wenn Euer Herbeizitieren der Geschäftsleitung von Erfolg gekrönt würde. Wenn der oberste Mann der KANIS Euch ganz persönlich mit furchtbar viel Bedauern und Verantwortungsgetue versichern würde, daß sich Eure Entlassungen nun einmal für die KANIS rechnen; was wäre dann? Ihr würdet's ihm einfach nicht glauben. Ihr würdet Euch vom Oberkapitalisten doch nicht Euren Glauben an die Vereinbarkeit von Profit und Lohn ausreden lassen. Deshalb würdet Ihr ihn auspfeifen und Eure nie endende Enttäu- schung über die soziale Verantwortungslosigkeit der Kapitalisten einmal an ihm auslassen. Hinterher hätte er etwas verloren, woran sowieso nur Ihr geglaubt habt: den sozialen Ruf des Unternehmer- tums! Arbeitgeber oder rücksichtsloser Profiteur - keine Alternative -------------------------------------------------------------- Der Streik, der den KANIS-Chef zur Rede stellen will, tut so, als hätte Herr Keinath wunder was für einen Ruf zu verlieren und als müßte es ihm furchtbar darauf ankommen. Ihr verlangt, er solle sich als f ü r s o r g e n d e r A r b e i t g e b e r beneh- men, - die Rolle, in der Ihr die Kapitalisten mögt, und nicht als h e r z l o s e r P r o f i t m a c h e r. Als ob Ihr nicht wüßtet, warum der Mann überhaupt A r b e i t gibt, wegen des Profits natürlich - und wegen des Profits hört er manchmal mit dem Arbeitgeben auch wieder auf. Um Euren Lebensunterhalt war es er Firma auch darum nicht gegangen, als sie Lohn zahlte für Ar- beit, die sie brauchen konnte. Tut jetzt nicht so, als könnte man über Euer Interesse nicht hinweggehen. Man kann! Und wenn Ihr es nicht unterbindet, dann wird man es auch. zurück