Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


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       Zum Kampf gegen die Entlassungen bei AEG-Kanis 1
       
       Bei AEG-Kanis  sollen bestimmte Teile der Fertigung kostensparend
       am Standort  Essen zusammengelegt und von Nürnberg abgezogen wer-
       den. Der  hiesige Standort  wird verkleinert,  selbstverständlich
       werden dafür  eine ganze  Menge Leute auf die Straße gesetzt. Das
       paßt manchem nicht. Zu Recht!
       Aus diesem Unmut formieren Betriebsrat und IG-Metall einen Kampf,
       von dem  wir, nicht  sehen, wie  er den KANIS-Leuten, die um ihre
       Erwerbsquelle bangen,  irgendwie nützen könnte. Der falsche Kampf
       besiegelt die Entlassungen, sonst nichts. Heute soll eine
       

DEMONSTRATION ZUM NÜRNBERGER OBERBÜRGERMEISTER

stattfinden. Was wird sich davon versprochen? Freilich, Ihr sucht Starke Bündnispartner, ---------------------- die in Eurer Sache etwas für Euch tun sollen. 1. Diese Suche ist Dokument Eurer Ohnmacht. Wenn Ihr Euch darum kümmert, daß Andere, Stärkere Eure Sache richten, dann wißt Ihr irgendwie, daß Ihr die Erhaltung Eurer Arbeits- und Verdienst- plätze nicht in der Hand habt; ja, daß Ihr selber im Grund nichts dafür tun könnt. Das kann auch gar nicht anders sein, denn wer davon leben will, daß Kapitaleigner von seiner Arbeit reicher werden, der kann das Benutztwerden niemals erzwingen. Wenn man nichts dagegen hat, daß die Bereicherung der Kapitaleigner die V o r-bedingung seiner Lebensunterhalts ist, der kann niemals diejenigen, denen die Benutzung der Arbeiter schmecken muß, zu ihrem Glück zwingen; - zumal diese Herren selbst immer noch am besten wissen, was ihr Glück ist. Die Firma k a p u t t s t r e i k e n, u m b e s c h ä f t i g t z u w e r d e n, das ist ja tatsächlich keinem bei der KANIS einge- fallen. Warum seht Ihr die Sache nicht einmal umgekehrt: Wenn Ihr be- merkt, daß auch Eure Macht, alles kurz und klein zu schlagen, wenn Ihr nur wollt, nicht dazu reicht, Euch eine Erwerbsquelle zu sichern, vielleicht versucht Ihr es an der falschen Front, viel- leicht verteidigt Ihr die ungeeignete Erwerbsquelle und spielt beim falschen Wirtschaftssystem mit, in dem Ihr keine Chance ha- ben könnt. 2. Daß Ihr überhaupt Bündnispartner s u c h e n müßt, beweist das Gesagt noch einmal: Von vornherein habt Ihr eben keine! Euer Wunsch nach einer gesicherten Lebensgrundlage ist f ü r k e i n e I n s t a n z d e r R e p u b l i k automatisch e i n A r g u m e n t einzuschreiten und Eure drohende Armut zu verhindern. B l o ß w e g e n E u r e r N o t meint kein Schwein, daß die Geschäftspolitik der AEG nicht in Ordnung ginge. Arbeiter sind eben Mittel fremden Reichtums in der kapitalisti- schen BRD und wenn sich diese Mittel einmal nicht für diesen Reichtum lohnend einsetzen lassen, dann stören nur noch s i e, und niemanden stört i h r E l e n d. 3. Eure Suche nach mächtigen Bündnispartnern verweist Euch - kon- sequent und ironisch zugleich - auf alle Machthaber im Land; auf all die Leute, die Euch die Lage, in der Ihr um den Lebensunter- halt bangen müßt, bescheren, die diese Lage managen oder immerzu verantworten wollen. Vor der KANIS-Geschäftsleitung, über den AEG-Vorstand bis zum großen Arbeiterfreund Franz Joseph Strauß und der Nürnberger Kommunalverwaltung kommen alle Verantwortli- chen an Eurer beschissenen Lage als mögliche Nothelfer daher, die ohnmächtigen und bedrohten Arbeitern Gutes tun könnten. Tut aber keiner! Irgendwie wissen auch das die Organisatoren der Demon- stration, wenn sie dem frischgebackenen Nürnberger OB nicht ein- fach m i t E u r e m I n t e r e s s e kommen wollen, sondern m i t s e i n e m I n t e r e s s e a n E u c h. Hilf uns Schönlein, Du willst doch unser Geld! ---------------------------------------------- Klar, will die Stadt Euer Bestes - Euer Geld! Und um das Steuer- aufkommen soll es schade, sein, wenn Ihr in die Armut absinkt und am Ende, statt Steuern zu bringen die Stadt noch gutes Geld als Sozialhilfeempfänger kostet? Auch bei der Stadt werdet Ihr als Bereicherungsmittel geführt! Und die soll Euch helfen, wenn Eure Sprecher Sorgen um die Verarmung - nicht von Euch - sondern der Stadt und die Verödung der Nürnberger Industriestruktur vortra- gen? Partner Schönlein versteht diese Sorgen gut - darum kümmert er sich ganz, von selbst und ganz ohne Demonstration in seinem eige- nen Interesse. Nur, ist das ganz und gar nicht dasselbe wie das der KANIS-Belegschaft an gesichertem Lebensunterhalt: Freilich bedauert er den Steuerausfall, wenn die KANIS teilweise stillge- legt wird, auch der Lohnsteueranteil daran reut ihn und noch mehr die jämmerlichen Pfennige, die er verarmten Arbeitern als Sozial- hilfe aus dem Stadtsäckel zahlen muß. Andererseits aber weiß er, daß n u r p r o f i t a b l e A r b e i t s p l ä t z e S t e u e r n b r i n g e n. Dafür, daß sich KANIS-Ar- beitsplätze in Nürnberg für die AEG lohnen, kann er schon etwas tun, er kann nämlich in den Subventionswettlauf mit Essen ein- steigen und der AEG gleich durch geschenktes Geld die Profite si- chern. Dafür aber muß er genau das opfern, was er von den Ar- beitsplätzen will! Und wie lange sich das für den Stadtkämmerer rentiert, hat dieser bestimmt schon ausgerechnet. Was fordern die Demonstraten von Schönlein: ------------------------------------------- "Tu' was Du willst!" oder "Tu, was wir wollen!"? ------------------------------------------------ Ihr habt Euch bei dieser Demonstration nicht wirklich entschie- den, was Ihr wollt: Dafür, daß die Stadt auf ihre Kasse achtet, braucht Ihr nicht demonstrieren. Das macht die schon von sich aus. Weil das Eure Arbeitsplätze nicht sichert, geht Ihr fordernd vors Rathaus. Dort aber tut Ihr so, als wäre es das ureigenste Interesse der Stadt, weshalb Ihr Euch ihrer als Bündnispartner versichern könnt, und als brauchtet Ihr sie zu gar nichts zwin- gen, was die Stadt nicht von selber will. Das geht nicht auf! Entweder Ihr braucht gar nicht demonstrieren, oder das demon- strieren taugt nichts für Euer Problem. Entscheidet Euch! Wenn Ihr Euer Interesse an gesichertem Lebensunterhalt zum gültigen im Land machen wollt, dann müßt Ihr erst einmal das Interesse an Eu- rer Ausnutzung durch Kapital und Staat und Kommune entmachten. Leichter wird es leider keinem gemacht. Entscheidet Euch! zurück