Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter
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Gratifikationserhöhung bei Linde
ES GIBT WAS GESCHENKT!
Seit Jahren zahlen Unternehmer an ihre "lieben Mitarbeiter" au-
ßertariflich Jahresprämien und Erfolgsbeteiligungen. Jetzt, wo
bundesdeutsche Firmen immer mehr boomen, gibt es davon hie und da
mehr als erwartet. Die Firma Linde z.B. hat die Gratifikation
dieses Jahr aus freien Stücken um 10% heraufgesetzt. Das heißt im
Durchschnitt ca. 400 DM pro Mitarbeiter pro Jahr. Und? Was sagt
der Volksmund dazu, der immer behauptet: "Geschenkt wird einem
nichts im Leben!"?
Firmen treten immer wieder mal gönnerhaft auf, und zumal dann,
wenn sie dicke Gewinne eingefahren haben, ziehen sie sich gerne
die Spendierhosen an und geben ein Trinkgeld aus. Das ist die an-
erkennende Geste an die Belegschaft dafür, daß sich ihre Leistung
für den Betrieb lohnt. Die Firma drückt ihre Zufriedenheit damit
aus, daß das eingerichtete Lohn-Leistungs-Verhältnis: viel Lei-
stung für wenig Lohn, sich für sie ausgezahlt hat. Und diese Zu-
friedenheit läßt sich Linde ein paar Millionen kosten.
Wer mag, kann sich mit den 400 Mark extra das alte kapitalisti-
sche Märchen bestätigen lassen, daß sich der Erfolg des Betriebs
"irgendwie" auch für die Arbeiter lohnt.
Wie im Mittelalter: Der Herr (modern: der Arbeitgeber, der die
Gewinne einsteckt) tritt großzügig als Gönner auf. Und der Knecht
(modern: der Arbeitnehmer, der die Gewinne anschafft) darf dafür
dankbar sein.
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