Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter
zurück
FRIESEKE ZIEHT UM
Der seit Jahren immer mal wieder ins Gespräch gebrachte Plan ei-
nes Verkaufs des FRIESEKE-Firmengeländes ist jetzt beschossene
Sache.
Die Bereiche Strahlungsmeßtechnik (SM) und Radiometrie (RM) sol-
len dann irgendwo im Raum Nürnberg/Erlangen/Forchheim neu ange-
siedelt werden. Lediglich der Bereich Hydraulik (HR) bleibt even-
tuell auf dem alten Gelände in Halle 20, falls sich dies bei den
Verkaufsverhandlungen und in Anbetracht der Angebote für neue
Firmenstandorte als günstige Option ergibt. Ansonsten zieht er
auch um. Keinen besonderen Wert legt die Firmenleitung jedenfalls
darauf, daß unbedingt alle 3 Bereiche oder auch nur RM und SM
wieder zusammen auf einem Gelände untergebracht werden. Das ist
die Beschlußlage.
Der Betriebsrat kommt seither nicht mehr zur Ruhe. Er hat gleich
eine ganze Latte von Gesprächen auf die Tagesordnung gesetzt mit
verantwortlichen Menschen, vom Erlanger Oberbürgermeister über
die Schweinfurter Geschäftsleitung bis zur IGM-Bezirksleitung. Er
hat versprochen, sich "mit seiner ganzen Kraft für die Belange
der Belegschaft" einzusetzen. Und er erblickt diese schnurstracks
darin, daß "die drei Erzeugnisbereiche auf einem Werksgelände in
Erlangen erhalten bleiben". Kurz, er tritt mit der Parole
'Dreigeteilt - niemals' gegen eine Zerstückelung des Betriebs in
seine längst selbständigen Teile an. Und er kommt sich überhaupt
nicht absonderlich dabei vor, den hohen Wert der alten Betriebs-
Einheit FRIESEKE zu beschwören und für sie offenbar so etwas zu
befürchten wie den alsbaldigen Tod, weil die Leiche doch schon
zersägt werde.
Der Firmenbeschluß
------------------
dagegen heißt einfach:
1. war das alte FRIESEKE-Grundstück ja schon immer nur zu einem
kleinen Teil genutzt durch Fabrikhallen, Verwaltungsgebäude usw.
Und jetzt, nach all den Rationalisierungen der letzten Jahre und
den sie begleitenden Umzügen im Werk, ist es erst recht viel zu
groß für die Standort-Bedürfnisse der FAG: Früher benutzte Hallen
stehen leer und auch das große Verwaltungsgebäude wird demnächst
überflüssig, wenn immer mehr Büros direkt den von ihnen verwalte-
ten Produktionsbereichen angegliedert werden, wie im Bereich HR
bereits teilweise durchgeführt.
2. will die Firma jetzt dieses viel zu große Grundstück, das in-
zwischen einen Wert von einigen 10 Millionen hat, als Kapital
flottmachen und einer ordentlichen Verzinsung zuführen. Schließ-
lich war es bisher nur im Umfang der Benutzung durch Mietzahlun-
gen von FRIESEKE an die Muttergesellschaft verzinst, ein zwar mit
der Steigerung der Grundstückspreise wachsender Wert, aber eben
doch ein festgelegter, nicht ohne weiteres verfügbarer und einem
laufend gewinnträchtigen Umgang entzogener Wert.
3. stehen damit die Neuansiedlungen der 3 Erzeugnisbereiche auf
der Tagesordnung, irgendwo im Raum Nürnberg/Erlangen/Forchheim.
Und zwar, ohne daß es irgendeine Notwendigkeit dafür gäbe, daß
sie unbedingt wieder zusammen auf einem gemeinsamen Firmengelände
untergebracht werden müßten: Sie sind ja längst kalkulatorisch
und organisatorisch gegeneinander selbständige Unternehmensberei-
che. Und ihre noch vorhandenen gemeinsamen Abteilungen, von der
Lagerverwaltung über die Personalverwaltung bis zur Betriebsmit-
telkonstruktion werden ja gerade sowieso aufgelöst und den jewei-
ligen Produktionsbereichen spezifisch zugeordnet. Dann kann na-
türlich wirklich der eine Bereich in Erlangen bleiben, ein ande-
rer z. B. nach Fürth und ein dritter nach Forchheim umziehen.
Warum denn nicht?
Der Betriebsrat
---------------
hält das, wie gesagt, offenbar für eine der katastrophalsten Ent-
scheidungen der FAG, die er sich überhaupt denken kann. Es fragt
sich bloß: Warum eigentlich? Muß wirklich ein Hydraulikarbeiter
so ungeheuren Wert darauf legen, daß die Radiometrie maximal 300
Meter von ihm entfernt ihren Standort hat? Und umgekehrt natür-
lich auch? Wo doch die Produktionen wirklich nichts miteinander
zu tun haben!
Sicher, die meisten oder vielleicht alle FRIESEKE-Arbeiter werden
in Zukunft nicht mehr nach Bruck fahren. Das Kapital beschließt,
wo sie anzutreten haben. Sie dürfen ihren Arbeitsplätzen hinter-
herfahren, woandershin als bisher. Und ob die neuen Standorte
verkehrsgünstiger für die Beschäftigten liegen oder nicht, ist
sicher das Allerletzte, von dem die FAG die Auswahl ihrer neuen
Fabrikstandorte abhängig machen wird. Nur: Das ist für den Be-
triebsrat bei seinem empörten Einspruch doch überhaupt nicht das
Kriterium! Er ist für etwas ganz anderes, eben für die Einheit
eines sowieso aus drei selbständigen Bereichen bestehenden Be-
triebs! Als hätte ausgerechnet von der irgendjemand irgendetwas!
Jede ernsthafte Antwort auf die Frage - Ja, was verliert denn der
FRIESEKE-Beschäftigte, wenn es die alte Betriebs-Einheit nicht
mehr gibt? Was steht denn da für ihn zu befürchten? - macht sich
sofort lächerlich:
- Ist wirklich der Bau von 3 neuen Fabriken der Auftakt dazu, daß
eine geschlossen wird, oder daß gleich alle drei geschlossen wer-
den?
- Stehen womöglich aufgrund der T e i l u n g in 3 Fabriken Ar-
beitsplätze auf dem Spiel? Wenn tatsächlich, dann doch sicher
aufgrund des Aufbaus von gleich ganz funkelnagelneuen, durchra-
tionalisierten Fabrikhallen - was ja schließlich nicht anders
wäre, wenn alle "auf einem Werksgelände in Erlangen" blieben.
Nichts als Unsinn!
Nur, auf irgendeine dieser schwachsinnigen Befürchtungen wollte
der Betriebsrat sich ja sowieso nicht festlegen. Was ihn treibt,
ist der bodenlose Verdacht, wenn etwas anders wird, ist das si-
cher der Anfang vom Ende.
Er weiß wie jedermann: Wenn das Kapital sich Neuerungen einfallen
läßt, dann sicher nicht wegen der Arbeiter und f ü r s i e.
Bloß, einen Hinweis darauf, daß dann doch offenbar ganz prinzipi-
ell das Verhältnis von Kapital und Lohnarbeit kein harmonisches
sein kann, will er dem nie entnehmen. Im Gegenteil, er macht sich
unbedingt stark für den Zustand, wie er bisher war. Bloß weil das
Kapital eine Neuerung einführt, soll glatt alles prima, positiv
und der Verteidigung wert sein, was es bisher gab - wie gesagt,
n u r w e i l e s v e r ä n d e r t w i r d.
Ganz grundsätzlich und ohne jede Beurteilung der tatsächlich
stattfindenden Veränderung denkt so jemand: Irgendwie ist man
doch bisher zurechtgekommen. Gefragt worden ist man da auch nie,
ob es einem genau so recht ist, aber die Ansprüche, des Kapitals
erfüllen - das konnte man. So lobt der Betriebsrat den bisherigen
Zustand - wie ein echt seinen Herrn dafür, daß er nicht nur ar-
beiten, sondern auch noch leben darf!
Daß d a s jetzt in Frage steht, widerlegt das Kapital freilich
allemal sehr schnell und sehr praktisch: Irgendwie nachzukommen
ist natürlich den neuen Ansprüchen auch. Schon gar, wenn sie in
nichts anderem bestehen als einem neuen Weg zur Arbeit - einem
längeren vielleicht und für manche auch einem kürzeren als bis-
her.
zurück