Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter
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DIE DYNAMIT NOBEL AG ORGANISIERT SICH NEU
Die FELDMÜHLE NOBEL AG hat zum Jahresende 1987 den Chemikalien-
und Kunststoffbereich der Dynamit Nobel an die Hüls AG verkauft.
Das Unternehmen hat sich ausgerechnet, daß durch diese Transak-
tion eine größere Kapitalmasse sowohl für den ausgelagerten Che-
miebereich als auch für den bei Dynamit verbleibenden Sprengmit-
tel und Formteilebereich mobilisiert werden kann.
"Die Entscheidung für die Aufteilung fiel in der festen Überzeu-
gung, daß die vielen mit nur geringem Verbundvorteil nebeneinan-
der stehenden Geschäftsaktivitäten der jetzigen Dynamit Nobel
sich auf Dauer immer schwerer tun werden im Wettbewerb mit zu im-
mer größeren Einheiten tendierenden Unternehmen, wie dies in der
Chemie seit langem zu beobachten ist. In der Wehrtechnik wird uns
der Zufluß an Eigenkapital ebenfalls zugute kommen, um die in Zu-
kunft noch stärker von uns geforderten Entwicklungs- und Investi-
tionsvorleistungen zu erbringen." (Vorstandsvorsitzender Dr.
Grosch).
Die Macht des Kapitals...
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das über die Produktionsmittel und die frei verfügbare Arbeits-
kraft einer ganzen eigentumslosen Klasse verfügt, wächst nämlich
mit seiner eigenen Größe. Und dafür verkauft ein Betrieb schon
mal einen Teil seiner Produktion an einen anderen Kapitalisten,
der durch den Kauf sein produktiv wirkendes Kapital vergrößert.
Selber kriegt man dafür Geld, das in die verbleibende Produktion
- der Wehrtechnik und der Produktion von Formteilen - investiert
wird.
Zufließendes Geldkapital bringt die Produktion auf Vordermann.
Alle Abteilungen haben den Auftrag, sich alle nur erdenklichen
Rationalisierungen auszudenken - an Geld hierzu fehlt es ja
nicht. Und daß in diesem Bereich bereits bisher flotte Gewinne
eingefahren wurden - 7,7% Umsatzsteigerung letztes Jahr -,
spricht ja erst recht für Rationalisierungen, die den Boom im Rü-
stungsgeschäft weiter kräftig ausnutzen.
...und seine soziale Ader
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Beim Geldbeschaffen und Hinundherschieben von Produktionsberei-
chen haben die Kapitalisten nun wirklich etwas anderes im Sinn
als den Lebensunterhalt ihrer lieben Mitarbeiter. Trotzdem ver-
säumt keiner in einem modernen Arbeiterparadies wie der BRD den
Hinweis, daß er dabei auch an sein soziales Gewissen und das Wohl
der Arbeiter gedacht habe. Wieder Dr. Grosch:
"In diesen positiven Zukunftsperspektiven liegt auch die nach
heutigen Ermessen größte Sicherheit für die Arbeitsplätze be-
gründet."
So wollen sie es aufgefaßt haben, die Herren Kapitalisten: Sie
werfen ihr ganzes Kapital in einen Produktionsbereich, nicht nur
um diesen einfach zu vergrößern, sondern um jeden Arbeitsplatz
durch neue Maschinerie und optimierte Arbeitsabläufe kostengün-
stiger zu gestalten. Sie sorgen wieder einmal dafür, daß die Ge-
winne von Dynamit Nobel steigen, weil die bezahlten Löhne relativ
zu den gemachten Umsätzen sinken. Sie stellen jeden Lohn und jede
Leistung in Frage, wenn sich Investionen zur Verbilligung der Ar-
beit lohnen. Und dann sollen die Arbeiter das für die Sicherheit
ihrer Einkommensquelle halten nur weil ohne Gewinne gleich gar
keine Arbeiter bezahlt werden.
Eine sichere Einkommensquelle soll es nur mit einem tollen
schlagkräftigen Kapital geben. Aber auch flotte Gewinne bedeuten
für die Arbeiter noch lange nicht irgendeine Art Sicherheit:
"Das heißt nicht, daß es für immer und alle Zeiten und für jeden
einzelnen eine Arbeitsplatzgarantie geben kann. Ich kann Ihnen
aber versichern, daß aus den Gründen, die allein in der Teilung
der jetzigen Dynamit Nobel AG liegen, keiner seinen Arbeitsplatz
verlieren wird."
Eine ziemlich billige Zusicherung: allein deshalb, weil jemand
anderes jetzt den kapitalistischen Eigentumstitel besitzt, wird
keiner entlassen! Deshalb ja eh nicht. Und aus den ganz alltägli-
chen kapitalistischen Gepflogenheiten in der Fabrik soll keiner
irgendein Versprechen ableiten. Das kann man dem Mann getrost
glauben.
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