Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter
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Viele Betriebe zahlen Nachschlag:
WARUM ZAHLT DAIMLER-BENZ EIGENTLICH KEINEN NACHSCHLAG?
Dumme Frage! Daimler-Benz zahlt deswegen keinen Nachschlag,
- weil das Unternehmen sein Geld bereits für andere guten Taten
ausgegeben hat und man dieses Geld für den Einkauf von MBB doch
nicht zweimal ausgeben kann;
- weil die Nachfrage nach dem 190er zurückgeht und deshalb weni-
ger Geld reinkommt;
- weil die Nachfrage nach dem Kombi und dem Sportwagen ständig
steigt und jeder Pfennig da angelegt werden muß;
- weil Daimler-Arbeiter sowieso mit Sonderzahlungen an den Gewin-
nen beteiligt waren - früher mal;
- weil Daimler-Arbeiter außerdem damit schon hinreichend belohnt
sind, daß sie überhaupt für den "guten Stern" arbeiten dürfen;
- weil sich schließlich das Unternehmen viel zu gut mit der Ge-
werkschaft versteht, die etwas gegen die Nachschläge hat;
- weil die Daimler-Arbeiter keinen Nachschlag brauchen; sie fah-
ren doch demnächst Sonderschichten;
- weil sie deswegen sowieso nicht wissen, wann sie das Geld aus-
geben sollen und
- weil Daimler-Beschäftigte sich außerdem nichts schenken lassen.
So ein Nachschlag ist also unmöglich, unnötig, überflüssig und
schon fast eine Beleidigung - für Daimler-Arbeiter.
PS.: Es geht übrigens das Gerücht, Daimler hätte vor, die Spen-
dier u n t e r hosen anzuziehen und 100 DM (!!!) zu zahlen.
***
IG-Metall-Umfrage in Bremer Metallbetrieben:
Arbeiter sind doch tatsächlich für ein freies Wochenende!
Auch die Bremer Arbeiter sind an der Umfrage der IG Metall zum
freien Wochenende nicht vorbeigekommen. Die Daimler-Arbeiter
durften sich zwischen zwei Sonderschichten gegen den "Sonnabend
als Regelarbeitszeit" aussprechen. Und Werftarbeiter, die sich am
Sonntag zu Reparaturarbeiten auf der Werft einfinden, konnten
sich zum "Erhalt des freien Wochenendes" bekennen. Nur die Klöck-
neraner waren wegen Befangenheit - sie arbeiten bekanntlich zur
"Schonung der Hochöfen" in Kontischicht - von der Umfrage ausge-
schlossen. Sonst haben alle der IG Metall den Gefallen getan und
alle Fragen richtig beantwortet:
- 97,5% sind für die alte 5-Tage-Woche
- 97,2% für das freie Wochenende
- 97,3% gegen den Sonnabend als Regelarbeitstag und
- 97,5% dafür, daß die IG Metall das freie Wochenende sichern
soll.
Das letzte Ergebnis freut die Gewerkschaft.
Bremer Arbeiter stärken ihrer Gewerkschaft den Rücken, damit in
Zukunft bei der Arbeitszeit alles so bleibt wie es ist. Der
"Sieg" in der kommenden Tarifrunde steht damit fest: Das Wo-
chenende wird nicht in die Regelarbeitszeit einbezogen, sondern
steht wie gehabt "nur" dann zur Verfügung, wenn die Betriebe es
brauchen.
Die "Erhaltung des freien Wochenendes" hat nämlich mit der Ar-
beit, die in Bremer Betrieben am Wochenende anfällt, gar nichts
zu tun. Denn bei der Wochenendarbeit kommt es bekanntlich nicht
auf die A r b e i t an, sondern darauf, unter welcher
B e z e i c h n u n g sie läuft. Läuft sie n i c h t unter der
Bezeichnung R e g e l a r b e i t s z e i t, dann ist für die
IG Metall alles in Ordnung.
Abhängig macht die Gewerkschaft vom Resultat der Befragung ohne-
hin nichts. Sie will nur drauf d e u t e n können, daß die
Arbeiter "h i n t e r i h r s t e h e n". Mehr nicht. Gefragt
sind die Metaller - als S t i m m v i e h. Bei Arbeitern, die
sich gebauchpinselt fühlen, wenn man sie ü b e r h a u p t
m a l f r a g t, kann sich die IG Metall sicher sein, daß ihr
weder unbequeme Fragen gestellt werden, noch daß man ihr mal
kräftig auf die Füße tritt. Daß den Metallern nach 10 Jahren
Lohnzurückhaltung und 5 Jahren Kampf für Flexi-Modelle mal der
Kragen platzt, schließt die IG Metall aus.
PS: Die nächste Umfrage der IG Metall ist übrigens schon in Vor-
bereitung. Sie befaßt sich mit den Folgen von Sonder- und Konti-
Schichten und geht über das Thema:"Sterben Metallarbeiter frü-
her?"
Empfehlung der MAZ: Schnell ankreuzen, bevor es zu spät ist!
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