Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


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       Wofür neue Arbeitszeiten bei Daimler gut sind:
       

"DANN BLUBBERT BEI UNS DAS GELD"

Der Sachverhalt --------------- Der neue Sportwagen ist ein echter Verkaufsschlager. Die Auf- tragsbücher sind voll und Daimler Benz macht ein Bombengeschäft. Das macht die Vorstandsetage zufrieden. Eines allerdings stimmt sie nachdenklich: sind lange Lieferzeiten nicht auch ein Indiz dafür, daß aus der starken Nachfrage nicht schneller mehr Gewinn gemacht werden kann? Gefragt, getan. Wo es die Produktion doch hergibt! Für Daimler Benz ist es nämlich überhaupt keine Frage, daß er- folgreiche Geschäfte neue Maßstäbe für den Gewinn setzen und diese mit schöner Regelmäßigkeit neue Maßstäbe für die Ausnutzung der Arbeit nach sich ziehen. Ganz selbstverständlich geht Daimler Benz davon aus, daß der Betrieb mit dem H i n s t e l l e n der Produktionsanlagen auch schon ein R e c h t auf jede beliebige Ausnutzung des Maschinenparks und damit auf jede beliebige Ar- beitsorganisation hat. Schließlich hat Daimler Benz sie nur des- wegen eingekauft, damit sie als Mittel zur Einsaugung von Ar- beitskraft fungieren. Denn das investierte Kapital ist für Daim- ler nur ein Vorschuß, der in Gestalt der erzielten Preise der verkauften Sportwagen wieder zurückfließen soll, mit einem Gewinn dazu. Und je ausgiebiger die Produktionsmittel genutzt werden, je mehr Sportwagen in kürzerer Zeit auf dem Markt landen, desto schneller kriegt der Betrieb seine vermehrte Geldsumme zurück. Von dieser geschäftsmäßigen Berechnung aus erscheint Daimler Benz jede Minute, in der seine Produktionsanlagen ungenutzt herumste- hen, wie ein einziger Anschlag auf seinen rastlosen Ge- winnanspruch. Für die beschlossene Verlängerung der Maschi- nenlaufzeiten werden derzeit gültige Arbeitszeiten, mit denen der Betrieb seinen Arbeitern bislang das Verhältnis von Arbeitszeit und Freizeit diktiert hat, zu einem störenden Umstand und deshalb lässig über Bord geworfen. Die Arbeitszeit ist für Daimler nichts als eine b e t r i e b l i c h e R e c h e n g r ö ß e, die sich dem Gewinninteresse verdankt und jetzt eben den neuen Geschäftsgelegenheiten a n g e p a ß t g e h ö r t. Dafür hat der Betrieb auch gleich vier verschiedene "Ar- beitszeitmodelle" auf Lager. Die Steigerung der Sportwagenproduk- tion kann er sich als 3-Schicht-System, als neunstündiges 2- Schichtsystem, als Samstagsarbeit oder "Durchfahren" der Pausen vorstellen. Soviel steht also von vornherein fest: mit der Lage, Dauer und Intensität des Arbeitstages sowie der Länge der Ar- beitswoche kalkuliert nur einer - der Betrieb. Die Arbeiter sind nichts anderes als das A n h ä n g s e l der Maschinen, und wenn der Betrieb die Maschinenlaufzeiten ausdehnen will, haben die Arbeiter fraglos zur Verfügung zu stehen. Das nennt sich dann "bessere Kapazitätsauslastung" der Maschinen und damit auch der Arbeiter. Deren Leistungsakku hat immer voll zu sein und der Be- trieb entnimmt sich immer soviel an Arbeitskraft, wie er gerade braucht. Wenn Niefer verkündet: "wir wollen unseren Kunden Lie- ferzeiten bis weit über die Mitte dieses Jahrzehnts nicht zumu- ten", ist schon alles entschieden: dann werden eben den Arbeitern andere Arbeitszeiten zugemutet - ob verlängert, gestückelt oder anders geschichtet. Seine öffentliche Ankündigung ----------------------------- Daimler Benz läßt es sich nicht nehmen, in aller Öffentlichkeit seiner freudigen Erwartung Ausdruck zu verleihen, daß mit einer Steigerung der Sportwagenproduktion "bei uns das Geld blubbert". Der Betrieb verdient sich also dumm und dusselig. Was will man mehr. Daß die Arbeiter sich am Sportwagen eine goldene Nase ver- dienen sollen, hat man nicht gehört. Ist auch nicht vorgesehen. Sie sind anders verplant; sie haben von ihrer freien Zeit mehr im Betrieb zu verbringen. Das ist für einen Niefer nur recht und billig: "Ich sähe es gern, wenn die Bremer nach den gewaltigen Investi- tionen von Mercedes in diesen Standort jetzt den Automobilbauern in der Kapazitätsfrage entgegenkämen." Ja, wenn das so ist. Das ganze Werk - eine einzige Dienstleistung an "uns Bremern". Da wird sich die Belegschaft von Mercedes als Mitglied dieser Gemeinschaft doch nicht lumpen lassen und ihr Scherflein zu diesem schönen Gemeinschaftswerk beitragen! Und die Schreiberlinge vom "Weser-Kurier" zollen Daimler Benz aus freien Stücken die ö f f e n t l i c h e A n e r k e n n u n g, die das Geschäftsinteresse hierzulande nun einmal verdient. Sie singen vierspaltig das Loblied auf den guten Stern von Sebalds- brück, der den Landespolitikern mit seiner Standortentscheidung "eine große Last von den Schultern genommen hat", also die Steuereinnahmen hat kräftig sprudeln lassen. Bremen lebt also gut von Mercedes. Die arbeitenden Bremer sind auf schnöden Mammon be- kanntlich nicht scharf, bekommen deswegen auch Höheres. Sie hat Daimler mit "sozialer Stabilität" versorgt, weil dieser Menschen- schlag garantiert einen Aufstand gemacht hätte, wenn er nicht einen von den 10.000 schnuckeligen Arbeitsplätzen von montags bis samstags hätte ausfüllen dürfen. In sorgenvoller Pose wähnt der "Weser-Kurier" Daimler Benz mit seiner Sportwagenproduktion "in der Klemme", rechnet bei den an- gekündigten neuen Arbeitszeiten "mit großen Widerständen" und hört aus Niefer einen verzweifelten "Appell an die Ver- antwortlichen" heraus. Nur damit es von Klaus Wedemeier, Richard Helken, Willi Lemke und Franz Löhner wie aus einem Bremer Munde zurückschallt: Jawoll, wir wollen endlich flexible Arbeitszeiten! Seine betriebsrätliche Abwicklung --------------------------------- Der Betriebsrat nimmt derweil seine Verantwortung längst voll wahr. Daß der zusätzliche Arbeitszeitbedarf für die Ausweitung des Daimlergeschäfts voll in Ordnung geht, ist eh klar. Und der Betrieb war so freundlich, mindestens vier Varianten von "Arbeitszeitmodellen" in die Diskussion zu werfen. Der Betriebs- rat ist also gefragt und "Mitwirkung" bei Geschäftsentscheidungen ist nunmal seine vornehmste Aufgabe. Voll und ganz im Interesse der Arbeitnehmer, versteht sich. Wie zu hören ist, hat er den Vorschlag unterbreitet, 12 Samstagsschichten zu fahren und den restlichen Arbeitszeitbedarf über die Verlängerung des Ar- beitstages abzuwickeln. 12 Samstagsschichten und keine mehr. Denn ab 13 wäre für den Betriebsrat der Samstag Regelarbeitstag und das trifft bekanntlich auf entschiedenen gewerkschaftlichen Wi- derstand. So aber bekommt die Belegschaft die Gelegenheit, mit 12 Samstagsschichten etwas für den Erhalt des freien Wochenendes zu tun. Und die 9-Std-Schicht wird auch nur dann angesetzt, wenn sie nötig ist. Also nicht immer, weshalb auch der Normalarbeitstag gerettet ist. Ein genialer Lösungsvorschlag: demnächst gehört Pappi mal häufiger und länger dem Betrieb und darüber wacht und lacht die gewerkschaftliche Sonne der 35-Std-Woche. zurück