Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


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       Daimler nagelt Fabrikhallenfenster zu:
       

ERSPARNIS AN DEN ARBEITSBEDINGUNGEN AUF KOSTEN DER ARBEITER

Gegenüber der Halle, in der die Karossen grundiert werden, hat das Unternehmen eine Baustelle errichtet. Damit der entstehende Staub nicht in die Grundierungshalle reinkommt, sind die Fenster zugenagelt worden. Und das, "obwohl die Hallentemperatur dadurch unerträglich hoch für uns wird", hieß die Beschwerde von Arbei- tern. 1. Solange in der Luft, die nicht zum Aushalten ist, weiterhin wie gehabt gearbeitet wird, gibt es keinen Grund fürs Unterneh- men, sich um ein besseres Klima für die Arbeiter zu kümmern. Denn daß es die Arbeiter einiges kostet, unter solchen Umständen zu arbeiten, ist für Daimler zweckmäßig. Damit erspart sich das Un- ternehmen Geld für aufwendigere Maßnahmen als das Zunageln der Fenster. Es handelt sich um keine b e s o n d e r e Schikane gegenüber den Arbeitern. Die unerträglichen Arbeitsbedingungen sind die Wirkung der ganz normalen Kalkulation mit dem Kapital, das für die sachlichen Produktionsbedingungen aufzuwenden ist. Eine profitable Produktion einmal eingerichtet, schmälern Mehr- ausgaben für die sachlichen Produktionsbedingungen den produzier- ten Gewinn, Einsparungen vergrößern ihn. Es gibt also nichts auf Unternehmensseite, auf das die Arbeiter sich mit ihrer Beschwerde berufen könnten. Entweder sie entschließen sich, gegen Daimler durchzusetzen, unter welchen Umständen sie zu arbeiten bereit sind. Oder sie lassen sich ihren Unmut durch anderes Wetter, durch die Gewöhnung oder was auch immer 'kühlen'. 2. Der Bitte, den Fall in der MAZ zu veröffentlichen kommen wir hiermit nach. Damit ist für die Arbeiter in der Grundierungshalle nicht mehr und nicht weniger gewonnen als ein paar Überlegungen dazu, mit welcher Unternehmenskalkulation sie es zu tun haben und daß sie, wenn sie die "unerträglichen" Bedingungen nicht weiter ertragen wollen, dagegen vorgehen müssen. Tun müssen sie es schon selbst. Wer meint, durch die Veröffentlichung des Falls werde Daimler 'immerhin' an den Pranger gestellt, hat ein Anliegen, von dem wir gar nichts halten. Abgesehen davon, daß der skandalöse Tatbestand dann praktisch abgehakt ist, wenn er am Pranger landet - w o r a n Daimler sich blamieren soll, ist die Vorstellung eines anderen als des praktizierten Umgangs mit Arbeitern. Und die Bla- mage besteht darin, daß das Unternehmen diese Vorstellung n i c h t teilt. Wovor blamiert es sich dann: nur vor den Arbei- tern, die eigentlich etwas anderes vom Unternehmen erwartet hät- ten. Diese 'Blamage' ist nicht nur keine für Daimler, sie bleibt notwendig konsequenzenlos. zurück