Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


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       Zeitverträge bei Daimler-Benz:
       

EINSTELLUNG - KÜNDIGUNG INBEGRIFFEN

Bei Daimler-Benz werden seit geraumer Zeit Neueinstellungen grundsätzlich nur mit befristeten 6-Monatsverträgen ohne Übernahmegarantie vorgenommen. Die Werksleitung bedient sich hier einer von Blüm und Co. bereitgestellten rechtlichen Regelung, die nur V o r t e i l e besitzen soll - natürlich in erster Linie für die Zeitverträgler selbst. Ohne diese Regelung, sagt Nobby Blüm, würden die Zeitverträgler weiterhin arbeitslos sein. Denn welcher Betrieb stellt nur für A u f t r a g s s p i t z e n Leute ein, die er später nur über langwierige Kündigungen wieder loswerden kann? Da läßt er dann lieber seine Stammbelegschaft Überstunden oder Sonderschichten schieben. Weshalb diese natür- lich auch durch die Zeitverträge glänzend bedient ist: Gäbe es diese Verträge nicht, müßte sie mehr arbeiten. So der Minister. Auf diesen Schwindel -------------------- fällt natürlich kein bundesdeutscher Betrieb rein. Daimler-Benz schon gleich nicht. Und die Praxis, die bei Daimler-Benz im Um- gang mit den Zeitverträgen eingerissen ist, sieht fast so aus, als wollte das Werk damit noch einmal extra die Propagandalügen von Blüm blamieren. Der Zeitvertrag... ------------------ Für sich genommen ist der Zeitvertrag schon eine ziemliche Schweinerei. Zu einem "Vorteil" wird er nur dann, wenn man sich auf den Standpunkt stellt, daß eine Einstellung sowieso n i c h t dafür zu taugen hat, dem Arbeiter ein Einkommen zu s i c h e r n. Wenn der Zeitvertrag den Unternehmern die Mög- lichkeit gibt, in den Arbeitsvertrag gleich die Kündigung mit aufzunehmen, dann taugt dieses Arbeitsverhältnis - e r s t e n s - dazu, dem Unternehmen die U m s t ä n d l i c h k e i t des normalen Kündigungszinnobers zu ersparen. Vor Kündigung selbst schützt bekanntlich auch kein u n befristeter Vertrag. Wenn also der Zeitverträgler mit dem Vertrag zugleich seine eigene Kündigung mit unterschreibt, dann richtet er sich damit auf seine s i c h e r e A r b e i t s l o s i g k e i t nach Ablauf von 6 Monaten wieder ein. Keine Frage, daß die Unterschrift unter so einen Vertrag ein dau- erhaftes Einkommen gar nicht erst in Erwägung ziehen darf. Um- gekehrt hat der Zeitverträgler zu kalkulieren: Vielleicht, muß er denken, nimmt mich der Betrieb ja etwas länger. Vielleicht bin ich, wenn Daimler mich vertragsgemäß entläßt, besser vermittel- bar. Vielleicht, vielleicht...! So lebt die Unterschrift unter den Zeitvertrag oft von lauter Hoffnungen, die einen fürchterli- chen Haken haben: Die Hoffnung auf dauerhafte Sicherung eines ei- nigermaßen ordentlichen Einkommens soll ausgerechnet durch ein Arbeitsverhältnis geweckt werden, welches diese Hoffnung wider- legt. Denn nicht nur die D a u e r der, sondern auch die E n t l o h n u n g für die Arbeit setzt ganz andere Maßstäbe: Klar ist nämlich für jeden Betrieb, daß jemand, der n e u ein- gestellt wird, sich erst einmal zu bewähren hat und folglich we- niger verdient. So beträgt denn der E i n s t i e g s l o h n bei Daimler 17 AWs, der auch den Zeitverträglern gezahlt wird, obwohl bei ihnen von Bewährung keine Rede sein kann. Da überdies - immer mit dem saublöden Argument von der geringen Beschäfti- gungsdauer, die das Werk gar nicht verlängern will - einige S o n d e r l e i s t u n g e n für Zeitverträgler entfallen, besteht der z w e i t e schöne Vorteil dieses Arbeitsver- hältnisses für den Betrieb darin, daß er die Arbeit dieser Leute b i l l i g e r bekommt als die seiner Stammbelegschaft. ...und was Daimler-Benz daraus macht. ------------------------------------- Das alles hat Daimler-Benz auf den glorreichen Einfall gebracht, die Zeitverträge nicht nur als Instrument zur Abdeckung von Auf- tragsspitzen ohne Festeinstellung, sondern als D a u e r e i n- r i c h t u n g unabhängig von den Nachfragekonjunkturen einzusetzen. Die Rechnung ist ziemlich einfach: Wenn das Werk sich in seiner Belegschaft regelmäßig einen bestimmten Prozentsatz von Zeitverträglern hält, dann senken diese dadurch die g e s a m t e n L o h n k o s t e n, daß i h n e n weniger Lohn gezahlt wird und einige i h r e r Lohnnebenkosten entfallen. Praktisch! So ist Daimler-Benz auf die Idee gekommen, Neueinstellungen n u r noch über Zeitverträge zu regeln: Nach 6 Monaten geht's zurück in die Arbeitslosigkeit, Nachschub findet sich auf dem Arbeitsmarkt genug. Und die Sorge, daß Leute nicht vom e r s t e n T a g a n Daimler-Qualitätsarbeit leisten könnten, hat das Werk offensicht- lich nicht. Wenn sich nämlich die Zeitverträgler erst langwierig einarbeiten müßten, würde das Werk sie gar nicht einstellen: Was sollte der Unfug, einen Menschen wieder zu entlassen, gerade wenn er für Daimler nützlich zu werden beginnt. Auf diese Weise wird also nicht, wie Blüm posaunt, die Stammbelegschaft um Zeitver- trägler ergänzt. Umgekehrt: die Zeitverträgler sind als ein Abzug von der Stammbelegschaft vorgesehen. Aber auch die andere Lüge, Zeitverträgler würden eine E n t l a s t u n g der S t a m m b e l e g s c h a f t dar- stellen, widerlegt Daimler-Benz in der Praxis eindrucksvoll. Na- türlich entfallen zum einen weder Überstunden noch Sonder- schichten. Bekanntlich soll sogar für einige der Samstag zum Re- gelarbeitstag werden. Aber darüber hinaus ist bei Daimler noch etwas anderes eingerissen. Die Arbeit an den Bändern oder in den Boxen ist wie ein e i n z i g e r T e s t a u f d i e L e i s t u n g s f ä h i g k e i t d e r B e l e g s c h a f t organisiert. Das belegen nicht nur die regelmäßigen Veränderungen der V o r g a b e z e i t e n - jüngst gerade die erhebliche Anhebung in den Boxen -, sondern das zeigt auch das sich durch- setzende R o t a t i o n s v e r f a h r e n an den Bändern. Jeder soll und kann jeden Arbeitsplatz ausfüllen, wechselt nach irgendeinem blöden Rhythmus den Arbeitsplatz und sorgt dadurch, daß jetzt ihm die Arbeit 'leichter' wird, dafür, daß insgesamt mehr Arbeit pro Zeit von der Gruppe verlangt wird. Das Resultat ist bekannt: L e u t e w e r d e n a b g e z o g e n! Da ist es natürlich ungemein praktisch, wenn man einen Teil in der Belegschaft hat, bei dem das Loswerden kein Problem ist. W i e v i e l jeweils wieder eingestellt werden, wenn die 6 Mo- nate vorbei sind, das hängt eben von dem Ergebnis des Testes auf die Leistungsfähigkeit der Gesamtmannschaft ab! Von wegen die Zeitverträge wären nur für den Boom da! Zur e i n f a c h e- r e n A b w i c k l u n g der Konsequenzen dieses Dauer- Leistungstests, der sich Daimler-Qualitätsarbeit schimpft, eignen sie sich ebenfalls prächtig: Wenn durch Verdichtung der Leistung Leute überflüssig werden, läßt sich ohne Trara, betriebsrätliches Brimborium, ohne Abfindung oder gar den Gang vors Arbeitsgericht die relative Ausdünnung der Belegschaft durchziehen. Man hat ja die Zeitverträgler! zurück