Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter
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Beim Streit um die Samstags-Arbeit geht es n i c h t um den
freien Samstag!
ACHT THESEN UND EIN NACHWORT
1.
Das arbeitsfreie Wochenende ist eine N o t w e n d i g k e i t
für Leute, die regelmäßig ihre 5 Tage Daimler-Qualitätsarbeit
hinter sich bringen. Nicht mehr und nicht weniger!
2.
Wer auf ein arbeitsfreies Wochenende Wert legt, der sollte sich
allerdings n i c h t auf T a r i f v e r t r ä g e berufen.
Die hindern nämlich Daimler-Benz nicht an Samstagsarbeit, sondern
regeln, wie das Werk an sie herankommt - über Sonderschichten,
Überstunden oder als Normalarbeitszeit.
3.
Das wissen die Daimler-Manager sehr genau. Deswegen sind sie mit
dem jüngsten Tarifvertrag zur Wochenarbeitszeitverkürzung auch
recht zufrieden Die "tariflichen Bedingungen (für Samstagsarbeit
nach dem neuen Tarifvertrag) werden seitens der Werksleitung voll
akzeptiert." (Info für Führungskräfte) Kein Wunder, enthalten
diese "Bedingungen" doch sogar die Möglichkeit, Überstunden-
zuschläge einzusparen!
4.
Der Gewerkschaft ist der Inhalt des Tarifvertrages auch nicht
ganz unbekannt. Immerhin hat sie ihn ja ausgehandelt. Sie hat
auch gegen Samstagsarbeit nichts einzuwenden, solange sie diese
als Sieg im Kampf gegen die "Gefahr der sich
a u s b r e i t e n d e n R e g e l-Samstagsarbeit" ausgeben
kann. Ihr neuester Sieg im letzten Tarifvertrag lautet: Nur
a u s n a h m s w e i s e darf der Samstag zur R e g e l-Ar-
beitszeit werden.
5.
Auf solche bescheuerten Siege, die Daimler jede gewünschte Stunde
Samstagsarbeit garantieren, legt die IG Metall großen Wert. Sie
kämpft nämlich an einer ganz a n d e r e n F r o n t. Die
heißt B e s c h ä f t i g u n g s p o l i t i k. Sie möchte un-
bedingt den Eindruck erwecken, daß ihre Funktionäre nachts nicht
mehr schlafen können, weil 2-3 Millionen Leute daran gehindert
werden, sich für Unternehmerprofit krummzulegen. So ein guter
E i n d r u c k verschafft jedoch weder einem Arbeitslosen ein
Einkommen und schon gar keinem Daimler-Arbeiter ein arbeitsfreies
Wochenende.
6.
Wer also auf den freien Samstag setzt, sollte n i c h t a u f
d i e G e w e r k s c h a f t s e t z e n. Die hat längst für
sich beschlossen, daß nur der noch meckern darf, der k e i n e
Arbeit hat. Was ja auf diejenigen, die z u v i e l davon haben,
nicht zutrifft; weswegen sie nicht meckern, sondern dankbar dafür
sein sollen, daß sie überhaupt Arbeit haben. Wenn die IG Metall
trotzdem vorhandenen Ärger über Samstagsarbeit aufgreift oder gar
schürt, dann also gerade n i c h t, um diesen Beschwerden
r e c h t, sondern ihnen den I n h a l t zu geben, der der
Gewerkschaft paßt. Und der heißt: Daimler-Benz solle doch, bitte
schön, bei der Umsetzung des Tarifvertrages daran denken, daß die
IG Metall sich fürchterlich um Arbeitsplätze verdient machen
möchte. Und mit dieser gewerkschaftlichen V e r d r e h u n g
der Beschwerde der Leute über die Wochenendarbeit läßt sich letz-
tendlich sogar g e g e n die Beschwerde losgehen: Wo nämlich am
Samstag bei Daimler "betriebliche Erfordernisse" (Tarifvertrag)
erledigt werden, da werden doch gerade m i t Samstagsarbeit und
mit gestrichenen Zuschlägen massenhaft Arbeitsplätze gerettet! So
lautet denn schließlich die gewerkschaftliche Logik.
7.
Der Streit bei Daimler um die Samstagsarbeit ist also ein Streit,
bei dem das Interesse von Leuten an einem freien Wochenende
k e i n e R o l l e spielt. Das Werk pocht strikt auf die Buch-
staben des Tarifvertrages. Das ist der IG Metall peinlich, und
sie klagt bei den Unternehmern etwas Rücksichtnahme auf ihre
Glaubwürdigkeit als Vertreterin von A r b e i t e r interessen
ein. Was wiederum Daimler-Benz gar nicht einsieht: Das Unterneh-
men ist froh, endlich einmal klarstellen zu können, daß Tarifver-
träge allein das Kapitalinteresse zu bedienen haben.
8.
Was rauskommt, sind erstens die normalen Überstunden am Wo-
chenende, wie gehabt. Zweitens gelegentliche Sonderschichten,
wenn es nötig ist. Wie gehabt! Drittens sind da jene ca. 200
Leute, die "ausnahmsweise regelmäßig" am Samstag antreten sollen.
Über die Art und Weise wie ihre Samstagsarbeit b e z e i c h-
n e t werden soll, gibt es noch ein bißchen Streit.
Übrigens hat Kollege Franz Steinkühler in der neuesten Nummer von
"metall" den Streit bei Daimler längst überrundet. Seine Parole
lautet: "S o n n t a g s nie!"
Ziemlich blöd für die IG Metall, daß die Woche nur sieben Tage
hat!
N a c h w o r t an die Leute, die kürzlich vor dem Gebäude der
Werksleitung gegen die Samstagsarbeitspläne von Daimler-Benz
protestiert haben: Meint Ihr eigentlich allen Ernstes, daß eine
Gewerkschaft, die Euch ein freies Wochenende garantieren wollte,
einen Tarifvertrag abzeichnet und verteidigt, der Samstagsarbeit
in fast jeder Form z u l ä ß t? Glaubt Ihr denn, die IG Metall
würde Euer I n t e r e s s e b e d i e n e n, nur weil sie
Eure B e s c h w e r d e n über Samstagsarbeit gut
g e b r a u c h e n kann? Man sollte mal auseinanderhalten, was
man selbst w i l l, und was die IG Metall aus so einem Protest
m a c h t. Andernfalls macht man sich zum nützlichen Idioten für
die Duftnoten gewerkschaftlicher Glaubwürdigkeitsprobleme.
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