Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


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       Hallo "Kollegen",
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       Euer dreifach  eingerollter Axelrittberger  in Sachen Samstagsar-
       beit ist calgary-reif: Da kriegt Ihr  m a l  was mit, nämlich daß
       der neue  Tarifvertrag Daimler nichts verbietet, aber so ziemlich
       alles erlaubt;  da ist  es Eurer Aufmerksamkeit nicht einmal ent-
       gangen, daß  die IG  Metall den  Tarifvertrag unterschrieben hat;
       und da  mußtet Ihr  drittens schließlich  selbst feststellen, daß
       diese Absegnung  nicht in einem Anfall geistiger Umnachtung, son-
       dern sehr  selbstbewußt geschehen  war. All das habt Ihr also ge-
       merkt und in Eurem Info zusammengetragen. Und dann fällt  E u c h
       - die  Euch die  Gewerkschaft bekanntlich  vor einigen Jahren aus
       ihren Diensten  "entlassen" hat  - nichts anderes ein, als in dem
       ganzen Zeug  nach Anhaltspunkten  dafür zu suchen, daß die IG Me-
       tall doch nicht so schlimm ist, wie es ihre Taten belegen
       - Da haltet  Ihr fest, daß  "d a s  P a p i e r  g e d u l d i g"
       (Info 148)  sei. Ihr  meint das  beschriebene Papier  von  Tarif-
       verträgen,  dem  man  mit  einigen  Interpretationskunststückchen
       einen besseren Anstrich verpassen könnte. Meint Ihr.
       Das ist  lustig! Ihr  meint also  allen Ernstes, der Tarifvertrag
       sei  für   die  IG   Metall  gerade  eine  Chance,  das  noch  zu
       v e r h i n d e r n,  was sie selbst mit ihm  a b g e s e g n e t
       hat. Eure  Botschaft Nummer  eins heißt: Die IG Metall ist besser
       als ihre Tarifverträge!
       - Dann konstatiert  ihr zufrieden,  daß die  IG Metall in der Ta-
       rifrunde angeblich  Steinkühlers Vorschlag  vom  "Solidarbeitrag"
       der Beschäftigten  zum Abbau  von Arbeitslosigkeit nicht mehr zur
       Sprache gebracht  hätte. Gemeint  war von  Steinkühler die Strei-
       chung von Überstundenzuschlägen. (vgl. Info 151)
       Das ist  interessant! Immer  soll das,  was der gewählte  C h e f
       des ganzen  Vereins sagt, am  w e n i g s t e n  darüber Auskunft
       geben, was der Verein  w i l l.  Die zweite Botschaft heißt also:
       Die Gewerkschaft ist besser als ihre Führer!
       - Dann ist  es Euch  nicht zu blöd, einen IGM-Referentenleitfaden
       dafür als Beleg anzuführen, daß Euer Anliegen eines arbeitsfreien
       Samstag bei  der IG  Metall gut aufgehoben ist. Könnt Ihr eigent-
       lich nicht lesen, was Ihr selbst (in Info 151) zitiert:
       
       "Politische Zielsetzung:  Status quo  erhalten. Das  heißt, Sams-
       tagsarbeit ist immer Überzeit mit Freizeitausgleich."?
       
       Daß  die   gewerkschaftliche    "Z i e l setzung"  der  Samstags-
       R e g e l arbeitszeit eine  Absage erteilt,  könnt Ihr doch nicht
       ernsthaft als Absage an  S a m s  t a g s a r b e i t  mißverste-
       hen. Oder heißt Eure Botschaft drei vielleicht konsequent:  D i e
       I G   M e t a l l    i s t    i m m e r    s o    g u t,    w i e
       u n s e r e  E i n b i l d u n g e n  ü b e r  s i e!
       Wir werden  irgendwie den Verdacht nicht los, daß Eure großspurig
       verkündete Parole   "S a m s t a g s,   n e i n!"    ungefähr  so
       gelesen werden  soll: "Samstags,  ja; aber nur als Überarbeit mit
       Freizeitausgleich..." Und  damit hättet Ihr es wirklich verdient,
       daß die  Gewerkschaft Euer  Anliegen honoriert und Euch wieder in
       ihren Schoß  aufnimmt. Euer  Anliegen scheint  uns so  zu lauten:
       'Wie schaffen  wir es,  daß die Leute bloß keinen schlechten Ein-
       druck von ihrer Gewerkschaft bekommen.' Ihr Putzteufelchen am Ge-
       werkschaftsimage!

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