Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter


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       Bosch verlegt Warmwassergeräte-Herstellung nach Portugal
       

KLARSTELLUNGEN ZUM LOHN AUS BERUFENEM MUNDE

"Die abstrakte Standortdiskussion hat bei Bosch plötzlich einen konkreten Haltepunkt gefunden. Das Werk in Neckartenzlingen in der Nähe von Stuttgart soll geschlossen werden. Es handelt sich um alte Werksanlagen, dort werden Gaswarmwassergeräte herge- stellt, die sind zwar "perfektionistisch", aber zu teuer. Die Produktion soll von einem Lizenznehmer in Portugal fortgesetzt werden. Es zeigt sich, daß vergleichsweise einfache Geräte hier- zulande nicht mehr wirtschaftlich hergestellt werden können, bei Arbeitskosten von 32,67 DM je Stunde hier und 5,32 DM in Portu- gal." (Frnkfurter allgemeine Zeitung vom 8.7.1988) Unglaubwürdig ------------- ist das ganze Gerede um die Konkurrenzfähigkeit des I n d u s t r i e s t a n d o r t e s B R D: 1. Deshalb, weil es eine Diskussion ist. Standortentscheidungen nämlich werden in den Chefetagen der Großfirmen getroffen und nicht in den Spalten der Zeitungen. Während alle deutschen Multis hier bleiben, klagen sie in der Öffentlichkeit über den viel zu teueren Standort BRD. Die Debatte ist so auf ideologische Wirkung berechnet, daß die Unternehmerzeitung FAZ richtig froh ist, für diese sehr "abstrakte Standortdiskussion" wenigstens ein wirkli- ches Beispiel gefunden zu haben. 2. Unglaubwürdig ist die Diskussion zweitens, weil hier Kapitali- sten an einem der allerbesten Industriestandorte der Welt über dessen S c h l e c h t i g k e i t klagen. Warum sind sie denn alle nicht längst in Portugal oder gleich im Tschad, da Kosten die Löhne keine 5 DM sondern 50 Pfenige? Als ob der Profit nicht an der P r o d u k t i v i t ä t d e r A r b e i t also dem Verhältnis von Lohn und Wertschöpfung hinge, sondern an dem abso- luten Betrag. Dieses Verhältnis, die Ausbeutung der Arbeiter scheint hier übrigens lohnender zu sein als in den Ländern mit Hungerlöhnen. 3. Unglaubwürdig ist die Klage schließlich, weil sie die Löhne in der BRD und in Portugal an der DM vergleicht: So würden ja gar nicht die heimische Kaufkraft-Relation der Löhne, sondern die Re- lation der Währungen verglichen: Und da ist die DM sehr viel teu- rer als der portugisische Escudo. Und warum ist die DM so hart? Weil so viele gute Profite im Bereich ihrer Geltung, gemacht wer- den und Kapitalisten hier gerne investieren und nachfragen. ...aber deutlich ---------------- Die Klage über den "Standort BRD" ist eine Verlautbarung über die U n v e r s c h ä m t h e i t d e r A n s p r ü c h e, die deutsche Kapitalisten ihrem Arbeitsvolk gegenüber aufmachen. Sie lassen keine Täuschung darüber zu, wozu die Lohnarbeiter ein- zig gut ist. Wenn sie sagen, die bundesrepublikanische Benutzung von Arbeitern sei eigentlich ein viel zu heißes Pflaster für Ge- schäfte, auch wenn sie ("noch") gehen, dann plaudern sie ganz ohne Hemmung aus, daß - altmodisch hin oder her - die A u s b e u t u n g der Arbeiter ihr Beruf ist. Die im Verhält- nis zum bezahlten Lohn abgelieferte Arbeit muß die Differenz zwi- schen eingesetzten und erlösten Kosten erbringen. Dafür ist der Lohn da. Wenn er das für die Kapitalisten nicht leistet, dann hat der Lebensunterhalt der Arbeiter jedes Recht verloren. Zweitens ergänzen sie dieses "Sachgesetz": "Der Lohn muß sich nur für eine Seite lohnen" gleich noch um ein zweites: "Der Lohn ist schließlich zum internationalen Vergleichen da". Sie tun so, als müsse jeden Arbeiter glatt einleuchten, daß sein Lohn nur gezahlt wird, wenn er jeden Vergleich mit jedem Hungerlohn anderswo aus- hält. I h r e p u r e E r p r e s s u n g damit, daß sie die Löhne wirklich international vergleichen und jeden Lohnarbeiter in eine Konkurrenz zu allen Hungerleidern auf der Welt stellen, möchten sie den von ihren Entscheidenden Abhängigen wie ein Sach- gesetz präsentieren, gegen das doch niemand etwas einwenden könne. Tatsächlich verweisen sie auf nichts als ihre Gewalt auf den internationalen Vergleich der Löhne als Waffe gegen Ansprüche. Das soll als Sachgesetz einleuchten? zurück