Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK BETRIEBE - Vom Umgang mit dem Arbeiter
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OBILER WANDERARBEITER
In Dingolfing herrscht Aufregung: BMW sortiert sich die Beleg-
schaft nach Postleitzahlen, denn man wird vor die Alternative ge-
stellt, entweder im Werk Regensburg zu arbeiten oder möglicher-
weise seinen Job zu verlieren. Gerüchte sprechen davon, daß BMW
3000 Arbeiter in Dingolfing entlassen will.
Sicher jedoch ist, daß BMW derzeit in Regensburg eine zweite
Schicht aufbaut, für die zusätzliche Arbeitskräfte gebraucht wer-
den. Da trifft es sich für den Betrieb ausgezeichnet, daß er in
Dingolfing zur Zeit einen Überschuß davon hat, mit dem er frei
disponieren kann. Und das tut er auch: Er schiebt die BMW-Arbei-
ter umher, wie es in seine Kalkulation paßt. Wenn in Regensburg
Arbeitskräfte gebraucht werden, die im Werk Dingolfing zur Verfü-
gung stehen, dann haben die Betroffenen flexibel genug zu sein
und das Werk zu wechseln.
Denn BMW ist ein bayerischer Betrieb. Wer für ihn arbeitet, darf
sich nicht einfach auf den Standpunkt stellen, daß er einen Ar-
beitsvertrag für ein bestimmtes Werk in Bayern hat. Seit einiger
Zeit sorgt der Betrieb auch vor: Die Arbeitsverträge, die er un-
terschreiben läßt, gelten nicht für einen Standort, sondern für
alle Werke. Ob das einem Arbeiter paßt, ob er, aus welchen Grün-
den auch immer, lieber im alten Werk weiterarbeiten will, zählt
dabei nicht.
Um so großzügiger von dem Betrieb, daß er im vorliegenden Fall
gleich doppelt Rücksicht auf die Arbeiter nimmt, die er zum Wech-
sel von Dingolfing nach Regensburg "bewegt". Erstens brauchen sie
nicht einmal umzuziehen, sondern bloß in den anderen Bus einzu-
steigen, der sie aus den verschiedenen bayerischen Landesteilen
statt nach Niederbayern in die Oberpfalz bringt. Und zweitens
braucht sich keiner vor dem Regensburger Arbeitszeitmodell zu
fürchten, der bisher in Dingolfing seine normale Arbeitswoche
plus die eine oder andere Über- und Sonderschicht runtergerissen
hat. BMW hat nämlich beschlossen, die 4 mal 9 Stunden-Woche ein-
schließlich Samstag demnächst auch in Dingolfing einzuführen.
Laut IG Metall ist der Dingolfinger Betriebsrat zwar "noch stand-
fest". Aber wie man seine Pappenheimer kennt, wird die betriebs-
rätliche Standfestigkeit in dem Maße wackeliger, wie BMW auf der
neuen Arbeitszeit besteht.
Wer sich also demnächst in der zweiten Schicht in Regensburg wie-
derfindet, braucht sich nicht zu beklagen. Es war eben schon im-
mer eine besondere Ehre, für einen so anspruchsvollen Betrieb wie
BMW zu arbeiten. Und manchmal soll es sich sogar lohnen: Jeder
BMW-ler kriegt zum 75. Geburtstag seines Betriebs streng nach
Adam Riese 7,5% des letzten Monatseinkommens und 75 Mark pro
Abeitsjahr bei BMW geschenkt. Macht glatt einen runden Tausender,
vorausgesetzt, man hat das Privileg, für BMW arbeiten zu dürfen,
10 Jahre lang ausgehalten.
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