Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK AUTOINDUSTRIE - Von Daimler bis VW


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       "Wartburg-Opel-Planungs-GmbH" gegründet:
       

OPEL GEHT NACH DRÜBEN

Die BRD-Wirtschaft sieht in der DDR große Chancen. Z. B. die, die sich jetzt in den einstmals "Volkseigenen Betrieben" auftun. Ei- ner davon steht in Eisenach und hat bisher Wartburgs hergestellt. Bestellungen liegen noch bis Mitte 1991 vor - aber sie stammen aus der Zeit "vorher". Und das ist jetzt ihr Pferdefuß - wo nach der neuen Rechnungsweise der Marktwirtschaft mit den alten Wart- burgs kein Geschäft mehr zu machen ist. Seitdem ist die Rede vom "unvermeidlichen Ende der Wartburg-Produktion", was rein deswegen unvermeidlich ist, weil dort das Kapital Einzug hält. Jetzt brau- chen die bisherigen Kombinatsleiter von AWE (Automobilwerke Ei- senach) De-Mark und haben keine. Woher nehmen und nicht stehlen? Da tritt Opel auf den Plan. Dieser Konzern hat nämlich welche. Er ist Privateigentümer an Produktionsmitteln und als solcher Herr über Maschinen, Arbeitskräfte und sonstigen Produktionskram. So daß es kein Geheimnis ist, woher Opel seine DMs hat, die jetzt nach drüben drängen. Opel nutzt die einmalige Gelegenheit, mit 1 Mrd. DM im Rucksack rüberzumachen und sich die vorhandenen Pro- duktionsmaterialien samt eingespielter Belegschaft unter den Na- gel zu reißen. Ab da wird bei AWE alles ganz anders. Die kapitalistische Umkrempelung eines Kombinats ------------------------------------------------ Bisher soll ja bei Wartburgs alles irgendwie "schrottreif" gewe- sen sein, gewissermaßen mit Hammer und Zirkel zusammengebastelt. Wegwerfen will Opel allerdings die Wartburgs nicht, wenn sie erst einmal deren Eigentümer ist. In der Fabrik steht - so sieht's auf jeden Fall die Planungs-GmbH - durchaus jede Menge brauchbares Material herum, wenn, ja wenn man es nur dem neuen, dem richtigen Verwendungszweck zuführt: dem Gewinnemachen. Hat man sich erst einmal dort breitgemacht, muß dann alles, von den Produkti- onsmitteln bis zu den Arbeitskräften, als Kapital taugen, also einen Überschuß abwerfen, so wie überall sonst im Konzern eben auch. S o wird über Nacht aus "Schrott" eine Edelmühle für den Profit. S o: das heißt dadurch, daß dort erstmalig ein ordent- liches marktwirtschaftliches Ausbeutungsniveau in den Werkshallen Einzug hält. Opel stellt klar, was der Betrieb unter einer effektiven Produk- tion versteht. Die dafür notwendigen Investitionen verlangen eine Belegschaft, die auf den neuen Produktionsablauf stromlinienför- mig zugeschnitten ist: "Planvorstellungen: Dreifache Stückzahl durch eine halbierte Belegschaft". Planwirtschaft à la Opel läßt ab sofort nur noch das Kriterium lohnende Leistung zu, und da ha- ben ein paar bisherige realsozialistische Gepflogenheiten einfach keinen Bestand mehr: Eine echte marktwirtschaftliche Stückkostenrechnung geht nämlich so: An den Arbeitskräften wird ein Verhältnis aufgemacht zwischen Aufwand - in Form von Lohn - und Ertrag. Maximale Produktivität schließt selbstverständlich maximale Verausgabung von Arbeitslei- stung ein. Mit der alten Art zu arbeiten, damit ist es ein für allemal vorbei: E r s t e n s hat die Arbeitskraft kontinuierlich hochgesteckte Leistungsvorgaben zu erfüllen. Z w e i t e n s ist es von großem Vorteil für Opel, daß die Bundesregierung dem Betrieb mit der 1 : 1-Lohnumstellung ein extrem niedriges Lohnniveau beschert hat. D r i t t e n s sorgt der neue Maßstab - Beschäftigung muß rentabel sein, sonst findet sie erst gar nicht statt - dafür, daß die Belegschaft gehörig dezimiert wird. V i e r t e n s ist "Produktivität" ganz sicher keine Frage von "veralteten" oder "modernsten" Produktionsanlagen: Opel will mit den Vorgaben 1.-3. bereits demnächst aus den "veralteten" Anlagen 10.000 Vectras (Schrott wahrscheinlich) rausschlagen und später ein neues Werk dazubauen. Ach ja, zur perfekten Liquidierung der bisherigen "Mißwirtschaft" gehört auch das Wegstreichen von Sachen, die gar keine lohnenden Kosten sind, sondern nur der Belegschaft zugute gekommen sind: "die Gesundheits- und Sozialfonds des Kombinats", also ein Gut- teil des bisherigen Reallohns, gehören "abgespeckt". Fette Beute. zurück