Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK AUSSENHANDEL - Made in Germany gegen den Rest
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Deutsche Wirtschaftsausstellung in Japan
"MADE IN GERMANY" BESUCHT DIE "GELBE GEFAHR"
Unter dem Titel "Made in Germany - gestern - heute - morgen" fin-
det in Tokio vom 24.4. bis zum 6.5. eine "wirtschaftliche Lei-
stungsschau" statt, die als "die bisher aufwendigste Selbstdar-
stellung der BRD in einem anderen Industrieland" vorgestellt
wird.
150 Millionen Mark sind Regierung und Kapital der BRD diese De-
monstration weltweiter Exporttüchtigkeit beim Erzkonkurrenten
wert. Der soll ja nach landläufiger Meinung kein Stück guter
deutscher Wertarbeit ins Land lassen und mit seinen Billigproduk-
ten den deutschen Markt überschwemmen und mit solchem Eigennutz
die Prinzipien des profitträchtigen Welthandels mit Füßen treten.
Dennoch wurden die Ausstellungsstücke nicht heimlich ins Land der
gelben Gefahr geschmuggelt, sondern in einem Staatsakt von der
anwesenden gesamten Regierungsmannschaft Japans willkommen gehei-
ßen. Der wurde vor der Kulisse bodenständiger deutscher Fachwerk-
häuser - alles an Spitzenprodukten deutscher Kultur um die Ohren
gehauen, was dafür zählt, von den Märschen des Luftwaffenmusik-
korps bis zur Bach-Kantate: "Singet dem Herrn ein neues Lied".
Und alles, was Schlitzaugen von deutscher Weltgeltung träumen
lassen soll, wurde aufgeboten: Bier, Volkstrachten und der erste
Deutsche im Weltall, Ulf Merbold. Nicht zu vergessen: der deut-
sche Wirtschaftsminister, vier Ministerpräsidenten und die ge-
samte Creme der bundesdeutschen Unternehmerschaft.
Hier suchte eben nicht deutsches Geschäft verschämt Einlaß beim
"gelben Koloß", sondern der erfolgreiche Konkurrent fordert von
Japan das Bekenntnis ein, daß dessen wirtschaftliche Zukunft
nicht ohne oder gar gegen "Made in Germany" geht. Von wegen: Ja-
panische Niedriglöhne und skrupellose Geschäftspraktiken machen
die deutsche Wirtschaft kaputt - einhellig weiß die deutsche
Presse jetzt zu berichten, daß Nippon um die Anerkennung deut-
scher Konkurrenzfähigkeit nicht herumkommt: dies die Botschaft
der Wirtschaftsschau. Wenn da die "Frankfurter Rundschau" noch
einmal die alte Tour anstimmt von der gelben Gefahr, der wir
nichts entgegenzusetzen haben, dann ist das ein lächerlicher Ein-
zelgang:
"Ob in diesem Umfeld der 'Michel' mit seinem Imponierversuch Ein-
druck schinden kann, ist sehr die Frage. Zweifel drängten sich
bereits auf, als der Thyssen-Konzern unlängst zu einer Vorschau
seiner Exponate einlud und neben Videofilmen als nahezu einziges
konkretes Schaustück eine Nockenwelle aus Edelstahl präsen-
tierte".
Warum sollte Thyssen auch etwas anderes tun? Die "Edel"produkte
dieses Konzerns werden in Japan ja nicht als Schaustücke bewun-
dert, sondern profitlich ver- und gekauft. Kein deutsches Großun-
ternehmen versäumte es, zur Handelsausstellung ein Grußwort in
eigener Sache zu melden. Deren Botschaft ging nach dem immerglei-
chen Motto, mit dem sich der Igel im Märchen beim Hasen meldet:
"Ick bin allhier". Kooperationen mit allen japanischen Großkon-
zernen wie zwischen Nissan und VW, Geschäfts- und Finanzbeteili-
gungen bei allen lohnenden Sparten fernöstlichen Geschäftslebens
und überhaupt nur ein Bedenken: Geht die "Exportoffensive nach
Fernost" auch zügig genug voran?
Deshalb erschöpft sich das offizielle Treffen der befreundeten
Politiker und der Geschäftsfreunde beider Nationen auch nicht in
Wünschen danach, "daß das breite Angebot der deutschen Industrie
auf dem japanischen Markt ebenso selbstverständlich wird wie das
japanische Angebot auf dem deutschen Markt" (Rodenstock, BDI). Wo
von der Verbesserung der Handelsbeziehungen die Rede war, wurden
Drohungen laut - und dies sehr einseitig.
"Lambsdorffs Forderungen an Japan" und "Wirtschaftsminister er-
teilt in Tokio deutschen Importhürden eine Absage" lauteten die
Überschriften der bundesdeutschen Presse, die unisono ein Han-
delsdefizit von 9 Milliarden DM gegenüber Japan für einen uner-
träglichen Skandal hält, auch und gerade wenn die gekauften japa-
nischen Produkte die Geschäfte bundesdeutschen Kapitals beflügelt
haben.
Weg mit jedem "protektionistischen" Hindernis, mit dem Japan dem
unwiderstehlichen Aufschwung deutscher Geschäfte Steine in den
Weg zu legen versucht dafür ab und an notwendige Beschränkungen
für japanische Autos und Videos, die den deutschen Markt ruinie-
ren! Keine Alleingänge Japans - das hält die Weltwirtschaftsord-
nung nicht aus und vor allem nicht die Verantwortung, die die BRD
für dieses Gebilde trägt.
"Wir appellieren an die japanische Industrie, weitere japanische
Exportoffensiven zu bremsen, da sie längerfristig nur neuen Scha-
den und neue Spannungen stiften könnten... Wir verpassen die
Chancen zu einem stabilen weltwirtschaftlichen Wachstum..., wenn
jedes Land seine industriellen Anstrengungen allein auf eigene
Faust versucht, was zwangsläufig noch mehr Protektionismus vor-
programmiert". (Wolff u. Amerongen)
Der so begrüßte Gastgeber verstand dies richtig: "Der japanische
Wirtschaftsminister verspricht, den japanischen Markt weiter zu
öffnen". "Die japanische Wirtschaft gestand ausdrücklich ein, daß
ihre ständig wachsenden Überschüsse im Handel mit Europa und den
USA "unerwünschte Belastungen" verursachen, die durch die weitere
Öffnung des japanischen Importmarktes und die Beseitigung von
Handelshemmnissen abgebaut werden müßten" (Süddeutsche Zeitung
21.4.). Gleichzeitig beschloß die japanische Regierung ein "Paket
zur Öffnung des einheimischen Marktes für Einfuhren", um
"handelspolitische Differenzen mit den USA und der EG abzubauen".
Während so unmißverständlich klargestellt wurde, welche Ansprüche
bundesdeutsches Kapital und bundesdeutscher Staat an den
"Wirtschaftsgiganten" Japan stellen und stellen dürfen, brauchen
diejenigen, die mit ihrer Arbeit die Mittel dafür bereitstellen
und deshalb nichts davon haben, auf ihre bisherigen Vorstellungen
nicht zu verzichten. Der ideelle Lohn dafür, daß ihre Arbeit sich
für sie nicht auszahlt, wird ihnen weiterhin reichlich gespendet:
"35-Stunden - da freuen sich die Japaner" (Werbespruch der Unter-
nehmer zur jetzigen Tarifrunde); "die japanische Wirtschaft würde
im Interesse der eigenen Wettbewerbschancen eine Arbeitszeitver-
kürzung in der BRD sicherlich begrüßen" (Lambsdorff in Tokio).
Und daß der nationale Stolz das Unterpfand dafür ist, sich als
deutscher Arbeiter im Namen der Konkurrenzfähigkeit deutscher
Wirtschaft eine Lohnsenkung nach der anderen gefallen zu lassen,
weiß die "Bild"-Zeitung wie üblich dadurch zu bebildern, daß sie
einen der für "uns" so verderblichen Schlitzaugen das Geheimnis
japanischen Wirtschaftserfolgs ausplaudern läßt: "Wir machen al-
les mit dem, was wir von den Deutschen gelernt haben: mit Diszi-
plin und Fleiß. Doch in Deutschland scheinen diese Tugenden heute
häufig zu fehlen."
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