Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK ALLGEMEIN - Erfolgsrezepte einer Nation


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WIRTSCHAFTSPOLITIK IN VORKRIEGSZEITEN

Wenn man unseren P o l i t i k e r n und ihren Dolmetschern, den J o u r n a l i s t e n glauben würde, dann hätte sich auf dem Felde der Wirtschaftspolitik das eine geändert: ungeahnte, ganz neuartige "Schwierigkeiten" und Sachzwänge seien da aufgetaucht und durch sie verantwortlich zu bewältigen. Die Konjunkturpolitik befände sich demzufolge in einer Finanz k l e m m e und der Wehretat sei eine gänzlich "unbestimmbare Größe", weswegen der Haushalt '81 "Lücken" aufweise, die sie zu stopfen haben. Ja, vor allem s p a r e n müßten sie, die Herren Politiker. Wenn man unseren G e w e r k s c h a f t l e r n glauben würde, dann stünden Wirtschaft und Staat entgegen allem Augenschein eine "tiefe Krise" bevor - gleichzeitig halten sie die Gesetze der Marktwirtschaft für "eherner" denn je (so eine lokale IG-Metall- Größe). Notabene: Die U n t e r n e h m e r sind (wie immer) in aller Zufriedenheit "unzufrieden", aber auch "verhalten optimi- stisch". Und wenn man unseren W i s s e n s c h a f t l e r n, den in diesem Metier zuständigen Ökonomen, glauben würde, dann hat sich die Wirtschaftspolitik darin verändert, daß sie den al- ten Wirkungsketten gehorche, bloß genau andersherum - und schon sind sie mit einer brandaktuellen "LAFFER-Kurve "bei der Hand und einer "supply side economics". Daß man das alles g l a u b e n sollte, dafür spricht aller- dings nichts; die tagtäglich zu begutachtenden neuen Resultate nationaler Wirtschaftspolitik geben dazu ja auch nicht den ge- ringsten Anlaß: 1. Da wird ein ums andere Mal eine "Finanzierungslücke" bei der Bundeswehr entdeckt und schon ist wieder eine Milliarde locker gemacht. Die oft strapazierte Sorge um die "Belastbarkeit" von Wirtschaft und Gesellschaft steht da nicht zur Debatte und von "Sparen" kann bei diesem nationalen Anliegen beschleunigter Staatsverschuldung schon gleich gar nicht die Rede sein: Staats- zweck Nr. 1 ist die Aufrüstung der Nation und da sind sie nicht kleinlich, unsere Politiker. 2. Während den Tornados und den Panzern laufend die Unterhosen und Socken ausgehen, wenn nicht..., wird dementiert, daß bei uns die Senkung der Sozialausgaben zwecks Erhöhung des Wehretats des- wegen gemacht würde, weil uns das die A m e r i k a n e r an- schaffen. Nein, das machen die deutschen Politiker schon von s e l b e r und ganz freiwillig. Die "Beseitigung sozialer An- sprüche" ist der Titel der neuen Arbeitsmarkt- und Sozialpro- gramme, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Denn wozu ist die Sozialpolitik da: "für die Zustimmung der Bürger, und die ist wichtig für die Verteidigungswürdigkeit und -bereitschaft unseres Staates" (Mischnick). Und für diesen Zweck kommt es eben auf den Nutzen derer, die nicht bloß die Sozialpo- litik finanzieren, noch weniger an als je zuvor. 3. "Sehr viel Arbeit, wenig Lohn, für die Stärke der Nation" hieß es auf einem der Transparente, die sich gegen die Feier der na- tionalen Arbeitskraft am 1. Mai richteten. Daß dies den Beitrag des DGB zum Gelingen deutscher Vorkriegswirtschaft korrekt zusam- menfaßt, hätte den Teilnehmern und Fernsehzuschauern gerade an der Duisburger Feierrede ihres obersten Führers auffallen können: "Konzentration aller Kräfte" sei erfordert und "Einbußen aller" stünden auf dem Programm. Mit ALLEN meinte er ja - streng ideolo- gisch - nicht bloß die Sorte Menschheit, die er auf dem Markt- platz antraf, sondern auch Unternehmer, Banken... 4. Und das einen Tag nach der Rückkunft von den Saudis! Wo es da doch augenscheinlich darum ging, das Terrain bei einem fest ein- geplanten Mitglied des "strategischen Konsenses" des Westens zu sondieren und dabei klarzustellen, daß die Indienstnahme des freien Unternehmertums für das nationale Anliegen noch allemal ein lohnendes Angebot für dieses darstellt. 5. Daß es zu Zeiten, wo die Finanzierung der Rüstungsoffensive die Steigerung der Inflationsraten einkalkuliert, ganz b e s o n d e r s auf die Konkurrenzfähigkeit der eigenen Wirt- schaft ankommt, läßt eine Unmenge von Sündenböcken außerhalb des Landes entstehen: wenn Hoesch und Krupp rationalisieren und die Politiker die deutsche Stahlbasis subventionieren, dann sind die Holländer und die auswärtige Subventionitis schuld - dann ist gar, in Erinnerung an die Nachkriegszeit, von Demontage die Rede; und wenn die Wirtschaftspolitiker sich um die Aushandlung natio- naler Sonderkonditionen z.B. gegenüber Japan bemühen, dann ist die komplementäre Bemühung anderswo ein typischer Fall von natio- nalistischer Verfehlung des freien Welthandels! Das alles wird auf dem Teach-In zur Sprache kommen und dabei so- gar die Hochzinspolitik der Bundesbank erklärt, die eine der my- steriösesten Sachen auf der Welt sein soll. zurück