Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK ALLGEMEIN - Erfolgsrezepte einer Nation


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       Doertmunder Hochschulzeitung Nr. 11, 30.11.1982
       

KONSUM FRISST INVESTITIONEN AUF

Bild ansehen Zuviel Konsum - zuwenig Investitionen Die Botschaft der Graphik ist eindeutig: Verzicht, Konsumbe- schränkung. Nur wie beweisen Wirtschaftsjournalisten die "Notwendigkeit, den Gürtel enger zu schnallen"? Die Dialektik ihrer Verzichtspropa- ganda besteht darin, als ihr Beweismittel das Dogma einzusetzen, "die Wirtschaft sei für die Verbraucher da". Die Leute hätten sich nicht an dieses Dogma gehalten und könnten sich deshalb in Zukunft weniger leisten: "Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt." Es wird also glatt behauptet, "der Konsum" sei eine Schranke für "die Investitionen". Wie aber soll das gehen, daß die "Verbraucher" die Produktion, die Anschaffung von Maschinen verhindern? Verfügen sie vielleicht darüber? Und: Viel "Konsum" setzt voraus, daß das Konsumierte produziert ist; dies wiederum, daß "Investitionen" für die Erzeu- gung der Güter gemacht sind, daß Maschinen und Gebäude als sach- liche Mittel der Produktion vorhanden sind. Nach der stofflichen Seite der Produktion hin ist der behauptete Zusammenhang purer Blödsinn. Wie soll man sich das denn überhaupt vorstellen, "daß wir über die Verhältnisse gelebt haben", daß "wir" mit "unserem Konsum" die "Investitionen" gestoppt haben? Haben "wir" Maschinen als Saccos angezogen? Haben "wir" die Pro- duktionsmittelhersteller mit "unserem Geldbeutel" gezwungen, statt Produktionsmittel Konsummittel herzustellen? Woher rührt diese eigenartige Gleichgültigkeit gegen den stofflichen Charak- ter der Produkte und Produktionsprozesse, die in der Vorstellung "Konsum beschränkt Investitionen" zum Vorschein kommt? Nationalökonomen fühlen sich durch das nationale "wir" berech- tigt, von den Gebrauchseigenschaften der produzierten Gegenstände abzusehen und von einem "Gesamtprodukt" zu sprechen, dieses gar zu berechnen. Bei dieser bloßen Rechengröße; angelangt ist es eine einfache Übung, Teile von ihr als einander beschränkend vor- zufahren. Ist die Gesamtgröße 1000, so muß doch klar sein, daß eine Erhöhung der Teilgröße 1 von 600 auf 700 nur in Frage kommt, wenn Teilgröße 2 von 400 auf 300 herabgesetzt wird. Beweiskraft soll dieses Argumentationsmuster der Wirtschaftsjour- nalisten durch den Verweis auf "die Wirtschaftslage", auf "die Arbeitslosen" gewinnen. Die Arbeitslosen sollen belegen, daß "zuwenig investiert wurde". Dies ist ein sehr eindringlicher Be- weis, wie Parteigänger "unserer Wirtschaft" gegen allen Augen- schein zu argumentieren pflegen: Sie fingieren mit einer Rechne- rei "zuwenige Investitionen" zu einem Zeitpunkt" zu dem die Un- ternehmer, welche über die Investitionen befinden, von ihrem Maß- stab Gewinn aus zu dem Urteil kommen, daß zuviel investiert wurde. Die Behauptung, "die vernachlässigten Investitioen " wirk- ten sich negativ " auf den Lebensstanard von morgen" aus, ist un- wahr und lächerlich. Wieviele Wohnungen ließen sich mit den unbe- nutzten Maschinen der pleite gegangenen Baufirmen herstellen, wieviele neue Kühlschränke zum Ersatz der alten ließen sich mit den stillgelegten Produktionsanlagen des AEG-Haushaltsgerätebe- reichs erzeugen? Es fehlt also nicht an den sachlichen Mitteln (übrigens auch nicht an den "personellen"), Konsumgegenstände herzustellen. Es ist munter "investiert" worden. Nur den Eignern der Produktions- mittel fehlt der Wille, sie einzusetzen. Ihr Gebrauch führt nicht zu dem Ergebnis, zu dem sie einzig und allein bereit sind, Kon- sumartikel in die Welt zu setzen: der Gewinn, die Vermehrung ihres Eigentums. Wo noch jeder Gegenstand, der konsumiert wird, produziert ist; wo die Investitionen am herrschenden Zweck der Produktion gemessen zuviel sind, da spricht volkswirtschaftlicher Sachverstand von "zuwenig Investitionen". Weil mit dem "nationalökonomischen Zusammenhang zwischen Investi- tionen und Konsum" die pure Zusammenhangslosigkeit ausgesprochen ist, sind die Benutzer dieses Gedankens auch so frei, Zusammen- hänge - Wirkungsketten - herzustellen, die als moralische Empfeh- lungen in die Zeit passen. Denn anders als aufgrund politischer Opportunität kommt man nicht auf die Wirkungskette "Weil viel in neue Anlagen und Produktionen gesteckt wurde, konnte die Wirtschaft kräftig wachsen, das wie- derum erlaubte steigenden Verbrauch und der regte zu weiteren In- vestitionen an." Mit ebensogutem Recht - wenngleich der gleiche Unsinn - könnte man die Wirkgungskette mit dem Konsum beginnen: "Weil viel in den Konsum gesteckt wurde, mußte viel investiert werden, die Wirt- schaft wuchs, der Konsum wurde gesteigert; das fachte wiederum die Investitionen an usf." zurück