Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK ALLGEMEIN - Erfolgsrezepte einer Nation
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Kostengünstiger Umgang mit giftigem Altöl bei der Ruhrkohle AG:
DIE ALLTÄGLICHE DIOXIN-VERGIFTUNG - KEIN GRUND ZUR AUFREGUNG!
Über die hausgemachte, in den Zechen dieses Landes regelmäßig an-
fallende Dioxin-Vergiftung erfährt man in der Öffentlichkeit
hierzulande nur beiläufig - so durch jene Meldung vor einigen Wo-
chen, die das Recycling Altöl in Verruf brachte: Zweitraffinate
enthalten PCB, einen Stoff, der bei seiner Erhitzung Dioxin frei-
setzt, das nicht erst seit Seveso als hochgiftig bekannt ist.
Eine Meldung übrigens, die hauptsächlich die Altölfirmen ein we-
nig in Aufregung versetzte, weil sie um ihren Profit fürchteten,
den sie, aus dem Verkauf giftiger Industrieabfälle an den Ver-
braucher ziehen.
Einer der Erzeuger des giftigen Altöls ist die RAG, die frei und
offen bestätigt, unter das bei ihr anfallende normale Altöl jenes
synthetische, PCB-haltige zu mischen. Warum? Weil sie auf diese
Weise einiges an Kapital spart, denn normales Altöl wird kosten-
los abtransportiert, die Entsorgung PCB-haltigen Abfalles hinge-
gen kostet 1500 DM pro Tonne. Der Kohle-Gigant entsorgt sich von
lästigen Kosten, indem er das giftige Zeugs auf das andere Altöl
verteilt. Wenig Aufhebens machte auch ein Bericht, der zeigte,
daß dieses Unternehmen noch einen anderen Weg kennt, die vernutz-
ten synthetischen Öle billig loszuwerden: Alte stillgelegte Ze-
chen bieten genug Raum, kleine oder auch größere Sondermülldepo-
nien einzurichten. Da finden sich hinter dicken Betonbrandschutz-
mauern Tonnen dieses giftigen Abfalls säuberlich gestapelt und
hübsch verstaut so spart man sich die kostspielige Vernichtung in
teuren Spezialöfen. Daß diese Tonnen still vor sich hinrosten,
also irgenwann auslaufen werden, und auch geologische Verwerfun-
gen des Berges dafür sorgen, daß dieses Gift gar nicht sicher
verstaut ist, ist keine Frage. Schon gar keine, die sich die RAG
stellt: Wozu hat sie stillgelegte Stollen, wenn nicht um ihren
Dreck kostengünstig loszuwerden!
Und auf den Gebrauch synthetischer Öle in der Produktion will die
RAG schon gleich gar nicht verzichten, bloß weil es für die Ge-
sundheit derer, die damit arbeiten müssen, gefährlich ist. Auch
die Verwendung dieser Öle ist eben ein Kostenproblem und nicht
wie die RAG und andere Unternehmen glauben machen wollen - eine
technische Notwendigkeit für den Betrieb hydraulischer Anlagen
und Kühlaggregate. Alternative Stoffe, die nicht giftig sind, ha-
ben einen höheren Preis. Und das ist es, was zählt!
Ebenso fällt ganz selbstverständlich einiges an Gesundheitsschä-
den für die dort lebende Bevölkerung an, gelangt doch untertage
ein Teil dieses giftigen Zeugs tagtäglich ins Erdreich und damit
auch ins Grundwasser - da platzen Schläuche, gibt's hier und dort
eine undichte Stelle. Und was die gesetzlichen Regelungen be-
trifft, so stehen diese der alltäglichen Vergiftungspraxis kei-
nesfalls im Wege: So ist die Produktion PCB-haltiger Öle in der
BRD verboten, ihr Import und Gebrauch erlaubt; d.h. der Staat er-
achtet die Verwendung dieser Öle z.B. durch die RAG für notwendig
- notwendig für das Geschäft mit der Kohle. Die Schädigung der
Gesundheit der Bergleute und anderer nimmt er in Kauf. Auch die
von der Ruhrkohle praktizierte Vermischung des Alt-Öls mit dem
giftigen Stoff ist bis zu einem gewissen Grade zulässig. Dafür
hat der Staat einen Grenzwert eingerichtet, der nichts anderes
als ein zulässiger Wert erlaubter Vergiftung ist, anerkannt als
Geschäftsmittel des Kapitals. Unzumutbar ist es, die Verwendung
eines solchen Stoffes zu verbieten - unzumutbar für das Wachstum
des Kapitals und der Wirtschaft der BRD.
Dies ist eben der Schutz, den der Staat seinen Bürgern ver-
spricht, zum Wohle der Wirtschaft muß ein bißchen Dioxin-Vergif-
tung schon drin sein (das sogenannte "Restrisiko") - diese Zumu-
tung darf z.B. die RAG von ihren Bergleuten verlangen und ver-
langt der Staat von seinen Bürgern.
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