Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK ALLGEMEIN - Erfolgsrezepte einer Nation


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       Alle Welt  meint, man  verdient, was  man verdient,  wegen seiner
       Leistung. Das ist falsch.
       
       Warum verdient wer wieviel?
       

DER MANAGER

Manager, entsprechend der Größe des Betriebs, den sie leiten, sind Empfänger von Spitzengehältern. Das geht hin bis zu Herren wie Eberhard von Kuenheim oder Edzard Reuter, bei denen die Frage nach dem Einkommen gar nicht mehr gestellt wird, so nebensächlich und damit selbstverständlich ist dessen Höhe. Was ein Manager dafür können muß? Ein paar Kenntnisse in Buchfüh- rung und Produktionsplanung, Einblick in die verschiedenen Geschäftsabteilungen, Sachkenntnis im Dienst am Geld - das wird er wohl draufhaben müssen. Aber seinen Arbeitsplatz sichert er damit nicht. Auch Skrupellosigkeit, einen Schuß Schein von Ehrlichkeit, Dynamik und Durchsetzungsfähigkeit, die Tugend, mit dem Geschäft angeben zu können, mag er mitbringen. Bezahlt wird er dafür nicht. Ein Manager hat seinen Job, wenn er, und bekommt sein Geld dafür, daß er Erfolg hat. Das heißt, sein spezieller Beruf besteht darin, sich mit seiner Firma gegen die Konkurren- ten, die auf dasselbe aus sind, durchzusetzen. In diesem Konkurrenzkampf muß der Manager Könner sein: Billiger einkaufen als die anderen; beim Verkaufen Marktanteile erobern; die Stückkosten senken, also die Arbeit produktiver machen, den Arbeiter ordentlich ausbeuten eben; günstige Kredite an Land zie- hen und die Kreditwürdigkeit der Konkurrenz in Verruf bringen; durch Schmiergeldeinsatz Aufträge ergattern; Absprachen treffen und brechen; alle Chancen zur Spekulation ausnutzen und den Kon- kurrenten beim Spekulieren reinreiten; und als Universalmittel dafür: die nötigen Leute, die bei alledem mitzuspielen haben, kennen, einseifen und erpressen. Aber das alles ist keine Garantie für den Erfolg. Immer wieder stellt sich heraus, daß die Anwendung haargenau der gleichen Me- thoden und fiesen Charakterstärken mal Erfolg bringt, mal an den Gegenzügen der Konkurrenten scheitert. Ein Manager weiß allemal erst hinterher, ob er ein guter oder ein "Miß"-Manager ist. Hat er Mißerfolg, so darf ihm jeder haltlose Spekulation, verfehlte Unternehmenspolitik, Einstellungen und Entlassungen der falschen Leute und am falschen Ort, unsolide Kreditaufnahme, verkehrte Ge- schäftsfreunde, übertriebenen Aufwand, kurz: alles und genau das als Mißgriff ankreiden, was bis dahin den Ruf als geschickten, wagemutigen, kenntnisreichen usw. Geschäftsmann ausgemacht hat. Das Berufsrisiko dieses eigentümlichen Dienstes an der Mensch- heit, der darin besteht, Konkurrenten auszubooten, kann schon mal zu einem Herzinfarkt oder gar zum Selbstmord führen. Doch wegen der "Managerkrankheit" ist es bisher noch zu keiner Knappheit am Angebot solcher Arbeitskräfte gekommen. Tondokument anhören Veranstaltung Datum: 15.07.1988, Ort: München Dozent: Karl Held, Dauer: 1:44:51 Veranstalter: unbekannt Thema: Wer verdient warum wie viel? Über die Einkommen in der bürgerlichen Gesellschaft und ihre Quellen - Einschließlich einer Kritik der einschlägigen Gerech- tigkeitsvorstellungen zurück