Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK ALLGEMEIN - Erfolgsrezepte einer Nation


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       Das Neueste von der Lohnfront:
       

BENZINPREISE STEIGEN - ES DARF GESCHIMPFT WERDEN!

Die Ölgesellschaften erhöhen derzeit am laufenden Band die Ben- zinpreise. An guten Gründen dafür, warum die Preiserhöhung un- bedingt sein muß, fehlt es ihnen nie: E r s t e n s fehlt es zur Zeit an Öl, weil in der Nordsee eine Förderplattform explodiert ist, vor Alaska ein Tanker die Falschen mit Öl versorgt hat und außerdem deswegen in Alaska die Förderung eingestellt werden mußte. Das ist eben der freie Markt: Weniger Öl = höhere Benzinpreise! Z w e i t e n s aber hat uns Petrus einen warmen Winter - die Autos brauchten wegen Schnee und Glätte nicht zu pausieren - und deswegen den Ölgesellschaften eine gestiegene Nachfrage nach Benzin beschert. Das ist schon wieder der freie Markt: Größere Nachfrage = höhere Benzinpreise! D r i t t e n s schließlich gibt es einen "weltweiten Ölüber- schuß" und ständig Meldungen über neu entdeckte Ölreserven. Auf diesen Ölüberschuß haben sich alle Ölproduzenten eingestellt und weniger gefördert. Und schon haben wir ein drittes "Gesetz" der freien Marktwirtschaft: Zuviel Öl = höhere Benzinpreise! Und was macht jetzt König Kunde? Der beschwert sich öffentlich und lauthals - und bekommt von allen Seiten recht. Der Wirt- schaftsminister, selbst am Benzinpreis seit Jahresanfang mit zu- sätzlichen 14 Pfennigen dabei, findet jetzt auf einmal die Klagen des kleinen Mannes "berechtigt". Und auch das Kartellamt rümpft öffentlich die Nase - natürlich nicht, ohne hinzuzufügen, daß es hier leider nichts machen könne, weil "der Nachweis mißbräuchlich überhöhter Preise" äußerst schwer sei. In der Tat - was heißt denn hier "mißbräuchlich"? Seit wann ist denn das Schröpfen der "Verbraucher" zum Zwecke eines ordentli- chen Unternehmensgewinns ein "Mißbrauch"? Dafür ist doch deren "Kaufkraft" da - schließlich können sie mit ihrem Geld gar nichts anderes machen als es zu v e r b r a u c h e n. Und deshalb müssen sie auch wohl oder übel die Preise samt Gewinn zahlen, die die Hersteller verlangen, wenn sie nicht ohne Auto oder Waschma- schine auskommen wollen. Wieso sollen die Ölmultis da anders ver- fahren als etwa VW, Bremerland oder Horten? Welche Anstandsregel der freien Marktwirtschaft haben die Ölgesellschaften mit ihren Preiserhöhungen denn verletzt, daß sich jetzt jeder über sie aufregt - Gewinne müssen doch schließlich sein, oder? Bei den Benzinpreisen dürfen die geehrten Konsumenten die Sache einmal ganz anders sehen als bei den Preisen, die sie sonst so zahlen müssen. Bei den Preiserhöhungen der Ölfirmen soll es sich um ein ganz und gar unstatthaftes Preis d i k t a t handeln, um eine aus keinerlei ökonomischer N o t w e n d i g k e i t, son- dern aus b l o ß e m I n t e r e s s e am Gewinnescheffeln geborene Übervorteilung des Verbrauchers. Der hat nämlich hierzu- lande angeblich ein Recht darauf, daß Kapitalisten anständig k o n k u r r i e r e n, wodurch dann Preise rauskommen, mit denen König Kunde zufrieden sein kann. Daran stimmt von hinten bis vorne nichts. Was sind denn die ökonomischen "Notwendigkeiten", mit denen etwa ein VW-Konzern hö- here Preise "begründet" anderes als das schiere I n t e r e s s e a m G e w i n n? Da ist von "Kostendruck" die Rede, vom "Dollarkurs", von Steuererhöhungen oder auch mal von den Rohstoffpreisen, die schuld daran sein sollen, daß der geehrte Produzent nun einmal gar nicht anders kann als seinen Kunden mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Diese "Gründe" sind allerdings um keinen Deut plausibler als die der Ölmultis von Ölknappheit bis Ölschwemme. Sie heißen ja auch bloß: weil ich, VW (oder Horten), mir meinen Gewinn sichern will, kommt es überhaupt nicht in Frage, daß höhere Kosten zu Lasten des Gewinns gehen. Deshalb werden sie auf die Verkaufspreise draufgehauen. Und inso- fern VW die Preise m a c h t, bleibt den Käufern sowieso nichts anderes übrig, als sie eben zu bezahlen. Etwas anderes sagen die Ölmultis mit ihren blöden Begründungen auch nicht! Und was die K o n k u r r e n z angeht: daß die für "verbraucherfreundliche Preise" sorgen würde, gehört ja wohl auch ins Reich der ökonomischen Lügenmärchen. Das glaubt ja wohl im Ernst keiner: weil man sich als Otto Normalverbraucher zwischen VW-Polo und Fiat e n t s c h e i d e n darf, und deren Preise nicht bis aufs Pfennigtüpfelchen d i e s e l b e n sind - des- wegen könnte sich jetzt auch jeder, der gerne ein Auto hätte, eins kaufen? Insofern ist das ganze öffentliche Getue um die Benzinpreise eine einzige Heuchelei, mit der die bestallten Hüter der freien Markt- wirtschaft bloß die Lüge von der eigentlich hierzulande herrschenden Konsumentensouveränität publikumswirksam unterstrei- chen wollen. Dafür gibt man dann auch mal der unzufriedenen Volksstimme Recht. Aber das darf natürlich keinesfalls sein: daß die geschröpften "Kunden" mal mit dem Preis für ihre A r b e i t genauso verfahren und von ihren Herren Käufern den E r s a t z g e s t i e g e n e r K o s t e n verlangen. Das wäre ja glatt ein Angriff auf die freie Marktwirtschaft! zurück