Quelle: Archiv MG - BRD WIRTSCHAFTSPOLITIK ALLGEMEIN - Erfolgsrezepte einer Nation
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Die Deutsche Bundesbank
KREDIT AUF GEWALT
Die Bundesbank erzielt hin und wieder Gewinne, die nicht von
schlechten Eltern sind. Im Unterschied zu einer gewöhnlichen Bank
ist dies aber nicht der Ausweis ihres Erfolgs und auch gar nicht
ihr Zweck. Wie zur Unterstreichung dessen, hat sie die Pflicht,
diese Gewinne an den Bund abzuführen; dem sind sie zwar hochwill-
kommen, aber eingerichtet hat auch er sich seine Bank nicht fürs
Geldverdienen, um sozusagen hintenrum an zusätzliche Einnahmen zu
kommen. Im Gegenteil ist die Bundesbank gehalten, sich nicht
"gewinnorientiert" zu betätigen, was sich in manchen Phasen des
Wirtschaftswachstums in einer geradezu absichtlichen "Verluste"-
Macherei ausdrückt.
Die Aufgabe der Bundesbank ist anspruchsvoller. Sie ist als Bank
dafür verantwortlich, daß im gesamten Geldwesen "Ordnung" herr-
sche, kümmert sich also für alle anderen Banken um die sichere
Grundlage des Geschäfts.
Die Sorge um die "Ordnung" erstreckt sich laut Bundesbankgesetz
auf drei Bereiche:
"Der Gesetzgeber hat der Deutschen Bundesbank die Aufgabe über-
tragen, den Geldumlauf und die Kreditversorgung der Wirtschaft zu
regeln mit dem Ziel, die Währung zu sichern, und für die bankmä-
ßige Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Inland und mit dem Aus-
land zu sorgen (Paragr. 3)." (Die Deutsche Bundesbank. Geldpoli-
tische Aufgaben und Instrumente. Sonderdrucke der DB Nr. 7)
Die Bundesbank als Banknotenmonopolist: Kostbare Zettel ohne Wert
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Mit der Einrichtung der Bundesbank wurde eine hartnäckige Staats-
tradition zu den Akten gelegt: die Papierzettel seien durch
"wirklichen Wert" zu "decken":
"Die Ausgabe von Noten der Bank deutscher Länder (alliierter Vor-
läufer der Bundesbank, die erst 1957 mit dem BBankG endgültig als
souveräne Bank des Staates konstituiert wurde) und von Münzen war
ursprünglich an eine - allerdings nicht starr zu handhabende -
Grenze von 10 Mrd. DM gebunden. Eine Notendeckung war nicht mehr
vorgesehen. Die Deutsche Mark war somit von Anfang an eine reine
'Papierwährung'. Hinter dieser Regelung stand die inzwischen all-
gemein akzeptierte Erkenntnis, daß es für die Werterhaltung des
Geldes weder genügt noch erforderlich ist, die ausgegebenen Noten
durch Gold oder Devisen zu 'decken', sondern daß es letztlich auf
eine knappe Geldversorgung ankommt." (ebd.)
Die "inzwischen allgemein akzeptierte Erkenntnis" hat sehr lange
auf sich warten lassen. Schließlich galt seit den Anfängen des
Zentralbankwesens bis zum Ende des 2. Weltkrieges die - wie auch
immer modifizierte - Vorschrift, daß sich das Staatsgeld auf
einen w i r k l i c h e n Wert zurückführen lassen müsse. Die
Selbstverständlichkeit, mit der sich die Bundesbank über das
"weder genügt - noch erforderlich" ausläßt, tut grad so, als habe
es sich dabei um eine Jahrhundertdummheit gehandelt, über die sie
sich nun souverän hinwegsetze. Dabei hat die Bundesbank sich bloß
zu dem - ihren Aufgaben sehr angemessenen Standpunkt entschlos-
sen, die Frage nach dem Grund dafür, daß ihren Papierzetteln
Geldwert zukommt, sei ganz egal; nur die E r h a l t u n g die-
ses rätselhaften Werts sei einige Sorgen wert.
Das Rezept, das sie dafür gefunden haben will, zeichnet sich denn
auch durch alles andere als Klarheit aus. Wen versorgt die Bun-
desbank denn schon mit Geld? Die Geschäftsbanken, mit denen sie
Umgang pflegt, müssen sich die Notenbankzettel immerhin entleihen
und dafür Z i n s z a h l e n. Dann kriegen sie andererseits,
soviel sie wollen: Was heißt da schon "k n a p p"? Und wenn
schon: knapp im Verhältnis wozu? Wird da nicht doch wieder an
eine "Deckung" durch wirklichen Wert gedacht, von der die DM-Zet-
tel sich nicht allzu flott emanzipieren dürften? Und: Wer oder
was g e f ä h r d e t überhaupt laufend den Wert der deutschen
"Papierwährung", so daß deren "Werterhaltung" zur bundesbankamt-
lichen Daueraufgabe wird?
Was praktisch von der großartigen "Erkenntnis" der Bundesbank-
und Deutschmark-Gründer übrigbleibt, ist der gar nicht neuartige
s t a a t l i c h e B e s c h l u ß, den Banknoten der nationa-
len Zentralbank mit gesetzlicher Gewalt den Rang wirklichen
Geldes z u z u s c h r e i b e n - eine Staatsaktion, die den
Unterschied zwischen Zentralbanknoten und materiellem Geldwert
für alle praktischen Bedürfnisse des Publikums außer Kraft setzt
- ihn also durchaus kennt und als "eigentliche" ökonomische
Selbstverständlichkeit unterstellt:
"BANKNOTE,... Anweisung einer Notenbank auf sich s e l b s t;
sie stellt ein F o r d e r u n g s r e c h t des Überbringers
dar, wobei die Banknote e i n l ö s b a r o d e r u n e i n-
l ö s b a r sein kann. Rechtlich ist sie ein Inhaberpapier,
wirtschaftlich ein u n v e r z i n s l i c h e s K r e d i t-
p a p i e r. Ihre Einlösung kann gegen Metallgeld erfolgen (z.B
bei Goldwährung); dabei können Art und Ausmaß der
Deckungsvorschriften, die die Einlösbarkeit der Banknote in Me-
tall sicherstellen sollen, verschieden sein. Besteht keine Einlö-
sungspflicht (Zwangskurs), so besitzt die Banknote lediglich
w ä h r u n g s g e s e t z l i c h e Z a h l k r a f t, als
deren i d e e l l e V e r t r a u e n s g r u n d l a g e der
gesamte V o r r a t an Sachgütern in einer Wirtschaftseinheit
dient. Die Banknote ist aus dem G e l d a n w e i s u n g s-
g e s c h ä f t der Banken entstanden, indem Bescheinigungen an
Stelle des Edelmetalls zu Zahlungen benutzt oder über anderweitig
gesicherte Zahlungsversprechungen ausgestellt wurden. Späterhin
wurde die Ausgabe von Banknoten allein privilegierten
Staatsbanken (Notenbanken) vorbehalten, denen dadurch das
BANKNOTENMONOPOL gesichert war; ihre Banknoten hießen auch
Staatsnoten oder Staatspapiergeld." (Der große Brockhaus, Ausgabe
von 1952)
Das mit der "ideellen Vertrauensgrundlage" - inmitten der
höchsten Errungenschaften des kapitalistischen Materialismus -
kann man getrost als Schwindel abbuchen: Vom "Gütervorrat seiner
Wirtschaftseinheit" wird der Staat keinesfalls etwas herausrüc-
ken, wenn das Publikum sich mit 100- und 1000-Mark-Scheinen bei
der Bundesbank einfindet, noch nicht einmal ideell; und eine
"Deckung" durch Sachen, die der Staatsgewalt gehören - Panzer,
Aktenordner, Wasserstraßen... -, war nie versprochen. Trotzdem
ist diese Dummheit von einer ideellen materiellen Vertrauens-
grundlage sehr beliebt; mit ihrer Idee der "knappen Geldversor-
gung" huldigen ihr auch noch die aufgeklärten Bundesbank-Ideolo-
gen. Sie hilft nämlich immerhin über den kleinen Widerspruch hin-
weg, daß es sich bei den zu Geld ernannten Zetteln nach wie vor,
ihrer ökonomischen Natur nach, eingestandenermaßen um Kreditpa-
piere handelt: um schriftlich niedergelegte Zahlungs v e r-
p f l i c h t u n g e n bzw. -v e r s p r e c h e n, die als
solche logischerweise u n t e r s c h i e d e n sind von der
versprochenen bzw. als Pflicht übernommenen Z a h l u n g.
Wie Zahlungsversprechen zu Zahlung werden
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Nun hat es schon die private Geschäftswelt recht weit gebracht in
der Kunst, Zahlung durch Zahlungsversprechen nicht bloß aufzu-
schieben, sondern zu ersetzen. Handelswechsel werden von einem
Kaufmann zum andern weitergereicht und bewerkstelligen bis zu ih-
rer Fälligkeit etliche Eigentumswechsel von Waren; erst wenn der
erste Schuldner nicht zahlen kann, werden die "Indossanten" mit
dem Unterschied zwischen dem Zahlungsversprechen, das sie weiter-
gereicht haben, und der Zahlung, die damit erfolgt sein sollte,
konfrontiert; ansonsten hat sich das Zahlungsversprechen voll
kommen als Kaufmittel bewährt. "Bargeldlos" geht es erst recht
zu, wo G e s c h ä f t s b a n k e n den gesellschaftlichen
Zahlungsverkehr abwickeln.
Sie leihen sich beim Publikum jede frei verfügbare Summe guten
Geldes, nicht um das Gehortete wieder auszuleihen, sondern um mit
Verweis auf ihre gesammelten Schätze die Gesellschaft bei sich zu
verschulden, und zwar indem sie ihre Schuldner ihrerseits mit ei-
genen Zahlungsversprechen - und seien es nur die gutgeschriebenen
Ziffern auf einem Bankkonto - bedienen. B a n k s c h u l d e n
zirkulieren als Zahlungsmittel, bis sie als Geldforderung an die
Bank zurückgereicht - und von dieser mit eigenen Geldforderungen
verrechnet werden. Von ihren Schuldnern wollen die Banken hinge-
gen mit Geld bedient sein, das diese "auf dem Markt" redlich er-
worben haben. Das mag auch wieder die Gestalt kommerzieller oder
bankursprünglicher Schuldscheine haben. A l l e derartigen Zah-
lungsversprechen beziehen sich aber auf ein von ihnen unterschie-
denes wirkliches Geld als i h r M a ß; und die Schuld, die auf
ihnen notiert ist, bedeutet die Pflicht, bei Fälligkeit Wert in
dem angegebenen Maß beizubringen. Auf dieser Pflicht bestehen die
Banken ihren Schuldnern gegenüber ganz besonders dann, wenn diese
keine am Markt verdienten Geldforderungen abzuliefern haben: Das
vorhandene sachliche Eigentum wird nach seinem Geldwert geschätzt
und geht in das Eigentum des Gläubigers über.
Wenn die Banken untereinander ihre angesammelten Forderungen und
Verpflichtungen gegeneinander verrechnen und ausgleichen, kredi-
tieren sie einander ebenfalls. Auch das hat allerdings seine
Grenzen.
Wie Zahlungsversprechen aufhören, als Zahlung zu zirkulieren
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In ihrem Geschäftsverkehr untereinander achten Bankiers darauf,
daß sich nicht die Zahlungsversprechen anderer Banken in ihren
Tresoren häufen. Spätestens dann wollen sie nicht bloß immer neue
Schuldscheine ihrer Kollegen sehen, sondern die Zahlung der Geld-
beträge, auf die ihre Forderungen lauten. Z a h l u n g s-
f ä h i g k e i t wird zum Kriterium weiterer K r e d i t-
w ü r d i g k e i t.
Dabei stellt sich sogleich heraus, daß die "Bonität" einer Bank
weder auf ihrem Stammkapital noch entscheidend auf der Höhe ihrer
Einlagen - also ihrer eigenen Schulden - beruht, sondern auf dem
E r f o l g i h r e r S c h u l d n e r. Bleibt der aus, so
bleiben ihre Kredite unbedient; die "Hausbank" empfängt keine
redlich verdiente Zahlung - Geld oder Geldforderungen - mehr;
ihre Kundschaft kann nur noch durch Verlängerung und Ausweitung
ihrer Schulden geschäftlich weiterexistieren - oder sie macht
pleite und kann dann gar keine Zahlung mehr leisten. So oder so
gerät die Bank selbst dadurch in Schwierigkeiten. Denn auf einmal
muß sie für die Zahlungen geradestehen, die ihr schlechter
Schuldner mit ihrem Kredit, zu ihren Lasten getätigt hat. Vom
Gläubiger wird sie selbst zum Schuldner, der Geld beibringen oder
um Zahlungsaufschub nachsuchen, also Kredit in Anspruch nehmen
muß. Ob sie den noch bekommt, hängt von der Qualität ihrer ander-
weitigen zinstragenden Forderungen ans geschäftetreibende Publi-
kum ab. Läßt deren Sicherheit und pünktliche Bedienung gleich-
falls zu wünschen übrig, dann büßt der Kreditgeber selbst seine
Kreditwürdigkeit ein, gerade wo - und gerade weil er Kredit am
nötigsten braucht. Zahlungsversprechen werden ihr nicht mehr ab-
genommen; G e l d wird fällig, das die Bank nicht hat. So
bricht über dem Mangel an "Liquidität" das gesamte Kreditgebäude
der Bank zusammen: Sie macht bankrott - zum Schaden sowohl ihrer
Gläubiger, die ihre Geldforderungen zu Lasten und auf Rechnung
der gebrochenen Bank vergessen können, als auch ihrer Schuldner,
die mit dem Kredit ihrer Bank ihre eigene Zahlungsfähigkeit ein-
büßen.
Die Ersetzung von Zahlung durch Zahlungsversprechen geht also nur
so lange gut, wie das auf diese Weise in Schwung gebrachte Ge-
schäftsleben gelingt und mit seinem Erfolg für die "Bonität" des
Kredits einsteht, auf dem es beruht. Gerade dieser "Schwung": die
Erleichterung und Ausdehnung jeglicher Geschäftstätigkeit durch
den allgemeinen Gebrauch von Schuldscheinen als Zahlungsmittel,
sorgt jedoch dafür, daß es mit Notwendigkeit nicht bloß zu ver-
einzelten Mißerfolgen kommt, sondern zu Geschäftsstockungen all-
gemeiner Natur. Der Kredit macht die Geschäftswelt von den
Schranken des Marktes, der tatsächlichen Verwandlung ihrer Ge-
schäftsartikel in Geld, unabhängig, erlaubt allen Konkurrenten
eine Ausdehnung ihrer Profitmacherei über die gesellschaftliche
Zahlungsfähigkeit hinaus, auf die sie doch angewiesen bleibt.
Die Allgemeinheit des auf Zahlungsversprechen gegründeten Erfolgs
führt dazu, daß die keineswegs aufgehobenen Schranken der gesell-
schaftlichen Zahlungsfähigkeit sich als Krise des Geschäftsgangs
geltend machen: Ausbleibende Zahlung an einer Stelle entwertet
gleich eine ganze Kette von Zahlungsversprechen; damit steht die
weitere Kreditwürdigkeit einer ganzen Kette von Betroffenen in
Frage; deren Zahlungsunfähigkeit offenbart die Haltlosigkeit wei-
terer, scheinbar längst abgeschlossener Geschäfte; eine Pleite-
welle erschüttert den Kredit der Gläubiger. Der Bedarf an wirkli-
cher Zahlung, an Liquidität, nimmt in der gesamten Geschäftswelt
sprunghaft zu; aber Zahlung erfolgt ja schon längst nicht mehr in
dem vom Geschäftsumfang unterstellten Maß. So r e d u z i e r t
der Zusammenbruch der Kredite die Geschäftstätigkeit in katastro-
phenmäßiger Form auf das Maß der wirklichen Zahlungsfähigkeit,
die ihrerseits durch den Zusammenbruch vieler Geschäfte weit un-
ter ihren vorherigen Umfang reduziert ist... Leider gibt das al-
les nur eine gute Basis ab für die neuerliche Expansion des Ge-
schäftslehens, eingeleitet durch neue, wieder solide gewordene
Kreditgeschäfte.
Die Krise als Geldklemme und deren "Bewältigung" durch
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Zahlungsversprechen der höheren, gesetzlich geschützten Art
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Der periodisch wiederkehrende Zusammenbruch des wichtigsten Ge-
schäftsmittels seiner kapitalistischen Wirtschaft, des Kredits,
hat den modernen Staat nicht ungerührt gelassen. Immerhin führt
in diesen Situationen das von ihm geschätzte und geschützte Zah-
lungswesen wie von selbst immer wieder zu einer Sorte Schuldenma-
cherei, die er in seinem Wirtschaftsstrafrecht unter Betrug er-
faßt und kriminalisiert hat. Insbesondere stört sich sein feines
Empfinden für Recht und Schuld daran, daß Bankzusammenbrüche im-
merzu sein ganzes schönes System treffen, weil sie mit dem Glau-
ben an den Kredit die Wirtschaft insgesamt erschüttern.
Um wenigstens dagegen anzusteuern, haben die kapitalistischen
Staaten ihren Banken die Freiheit genommen, ihren Zahlungsver-
sprechen, mit denen sie ihre Schuldner kreditieren, die Form all-
gemein zirkulationsfähiger Zahlungsmittel: von B a n k n o t e n
zu geben. Das Recht zur Emission solcher Kreditzettel ist der na-
tionalen Zentralbank reserviert worden, damit die Geschäftsbanken
wenigstens nicht mehr durch skrupelloses Banknotendrucken eine
Liquidität vortäuschen können, die ihr tatsächlicher Geschäfts-
gang gar nicht mehr hergibt.
Für die Solidität ihrer Noten bieten die modernen Notenbanken ei-
nerseits allerlei ökonomische Garantien auf: den bei ihnen zen-
tralisierten gesellschaftlichen Schatz an wirklichem Geld von ei-
genem Wert - Edelmetall - sowie mannigfaltige Vorschriften über
die Qualität der Schuldscheine, die sie für die Herausgabe ihrer
Geldscheine verlangen. Bei aller Vorsicht in dieser Hinsicht ist
mit der Eröffnung eines besonderen G e l d m a r k t e s zwi-
schen Zentralbank und Geschäftsbanken - neben bzw. "über" deren
Kreditmarkt - die Verläßlichkeit der frei zirkulierenden Zentral-
banknoten prinzipiell natürlich doch in Frage gestellt; gerade
die restriktiven Vorschriften für die Banknotengeschäfte der Zen-
tralbanken bezeugen das. Genau das soll aber Sein. Der politische
Auftraggeber der Nationalbanken hat eine g e s e t z l i c h e
G a r a n t i e erlassen und die Zentralbanknoten zum uneinge-
schränkt gültigen Kauf- und Zahlungsmittel e r n a n n t. Die-
ses staatliche Machtwort macht das l o g i s c h u n d
ö k o n o m i s c h U n m ö g l i c h e zur p o l i t-
ö k o n o m i s c h e n R e a l i t ä t, erhebt nämlich die
Papiernote vom schriftlichen Zahlungsversprechen zum ge-
sellschaftlichen G e l d, das fortan, jenseits aller altertüm-
lichen Gewichtsmaße für Edelmetall, die bei der Namensgebung Pate
gestanden haben, als M a ß a l l e r W e r t e und als
"M a t e r i e" a l l e r G e l d v e r m ö g e n fungiert.
D a s Geld, auf das alle Zahlungs v e r s p r e c h e n sich
beziehen, ist durch einen gesetzlichen Gewaltakt unterschieden
und abgetrennt von der wirklichen Geldmaterie, die die National-
banken nach wie vor bei sich horten.
Mit dieser Ersetzung wirklichen Geldes durch eine künstlich ge-
schaffene, zentralbankursprüngliche Liquidität leistet der Staat
seiner besseren Gesellschaft einen nicht unbedeutenden Dienst.
In den Phasen des konjunkturellen Aufschwungs, in denen der Kre-
ditüberbau zur Zufriedenheit funktioniert und sich kein allgemei-
ner Zweifel an der Zuverlässigkeit kommerzieller oder von Banken
ausgegebener Zahlungsversprechen erhebt, bleibt den Banken das
Umherschicken materieller Schätze erspart, wenn sie ihre Forde-
rungen und Verpflichtungen gegeneinander - über die wechselsei-
tige Verrechnung hinaus - a u s g l e i c h e n, sowie in allen
Fällen, wo B a r g e l d verlangt ist, vor allem also für die
Abwicklung der "kleinen Zirkulation", des Geldverkehrs der
"kleinen Leute", die beim Bäcker anschreiben lassen, aber weder
mit Schecks zu zahlen noch bankfähige Wechsel zu begeben pflegen.
In diesen beiden Sphären, wo aus - gegensätzlichen - technischen
Gründen wirkliche Zahlung gefordert ist, treten Schuldscheine der
höheren Art ein, die auch noch hier den materiell vorhandenen
Geldwert durch papierene Noten ersetzen. Diese Ersparnis - an
Gold oder anderer Geldmaterie - fügt die Staatsbank mit ihrem No-
tenwesen der Freiheit der Geschäftsbanken hinzu, mit nichts als
Schulden Geld zu machen. Ihre papierenen Kunstwerke s i n d
fortan die Liquidität, die der gesellschaftliche Zahlungsverkehr
ganz nben und ganz unten braucht.
Deren Bedeutung ändert sich natürlich entscheidend, wenn die Ge-
schäftswelt es wieder einmal zu einem allgemeinen Platzen kommer-
zieller Zahlungsversprechen, zu Bankrotten und zu einem entspre-
chenden Anstieg des Bedarfs an Zahlung gebracht hat. Denn die
ökonomische Logik, nach der die allgemeine kreditfinanzierte Ex-
pansion des Geschäftslebens dessen krisenhafte Kontraktion her-
aufführt, ist ja keineswegs dadurch außer Kraft gesetzt, daß der
Staat die Kreditinstitute für die Beschaffung von Liquidität auf
einen soliden Handel mit seiner Zentralbank - gute Wechsel gegen
künstliches, gesetzlich privilegiertes Papiergeld - verpflichtet.
Im Gegenteil: Diese Pflicht ist für die Geschäftsbanken zualler-
erst einmal, gerade bei beginnender Krise, ein beachtliches
A n g e b o t, u n s o l i d e zu verfahren. Die sichere Grund-
lage des Kredits: der eigene materielle Wert der per Schuldschein
versprochenen Zahlung, ist durch die staatliche Notenpresse er-
setzt; Refinanzierungs v o r s c h r i f t e n haben die für das
Bankgeschäft nötige Liquidität in Form von
G o l d v o r r ä t e n abgelöst; der Kredit ist vollends von
der allemal arg beschränkten Masse wirklicher Geldmaterie emanzi-
piert. Der gesetzliche Zwang, diese Freiheit s e r i ö s zu
handhaben, mag manchen Betrug mit ungedeckten, durch keinen ab-
sehbaren Geschäftserfolg gesicherten Banknoten verhindern: Daß
Schulden von eben dieser schlechten Qualität zirkulieren und das
Geschäftsleben in Schwung bringen, bis die Krise einreißt, behin-
dert er nicht. Dieser Übergang, die sich notwendig einstellende
Unsolidität des blühenden Kreditgeschäfts, wird sogar noch über
den eigentlich fälligen Zusammenbruch hinaus verlängert, wenn
einmal die dann gefragte Z a h l u n g ihrerseits auf dem
staatlichen Geldmarkt wie K r e d i t, als leicht vermehrbarer
Artikel g e h a n d e l t wird.
Wo sonst ausbleibende Zahlung die Reduzierung des Kredits und des
darauf gegründeten Geschäfts erzwingen würde, wird nun die Zah-
lungsunfähigkeit und Kreditunwürdigkeit im Bankgewerbe zunächst
einmal zu einem S o n d e r g e s c h ä f t zwischen diesem Ge-
werbe und dem Bargeldlieferanten. Die Notenbank wird mit einem
Liquiditäts p r o b l e m konfrontiert, das sie mit ihrem Ge-
schäftsgebaren verschärfen oder hinauszögern kann - und am besten
überhaupt b e h e b e n sollte. Der Anspruch kommt in die Welt,
sie solle mit ihren Noten die Geschäftswelt aus der Krise her-
aus"kaufen".
Das ist einerseits kein Problem: Natürlich kann eine Zentralbank
den Geschäftsbanken sämtliche platzenden Wechsel und unbedienten
Schuldscheine abkaufen, so ihren Kreditsektor sanieren und unbe-
grenzt zahlungsfähig halten. Andererseits hilft keine Notenpresse
gegen die krisenhafte Reduzierung des Geschäftsumfangs auf das
Maß der gesellschaftlichen Zahlungsfähigkeit; noch so viele Pa-
pierzettel können das nicht verhindern. Was zentralbankamtliche
Liquiditätszufuhr in kritischen Situationen zustande bringt, ist
daher eine M o d i f i k a t i o n d e s K r i s e n g e-
s c h e h e n s: Bankzusammenbrüche können verhindert oder
wenigstens in dem Maße eingeschränkt werden, in dem die Notenbank
ihren Geldmarkt wie einen u n s e r i ö s e n K r e d i t an
die Bankenwelt handhabt, nämlich Banknoten wie verlorene Darlehen
ausgibt, die nie verzinst, bedient oder auf alle Fälle nicht
zurückerstattet werden.
Mit einer solchen "Verlustübernahme" benutzt die Zentralbank ihr
schönes Bargeld dann allerdings auch als bloße ungedeckte
K r e d i t zettel, die trotz allem eben doch k e i n G e l d
sind, sondern nur versprochene und gar nicht eingelöste Zahlung.
Die Idee der gesetzlich geschützten Banknote: die im umlaufenden
Papier buchstäblich dingfest gemachte I d e n t i t ä t von
Zahlungsversprechen und Zahlung, erweist sich als das, was sie
ökonomisch dann doch bloß ist, nämlich als ein
s c h w i n d e l h a f t e s I d e a l: Ihr Gebrauch wie ein
beliebig vermehrbarer K r e d i t e n t w e r t e t sie in ih-
rer Funktion als Geld.
Damit entwertet sich nun aber nicht der Kredit - und so die Kre-
ditwürdigkeit - irgendeiner Bank, sondern das privilegierte Kre-
ditzeichen, das wie G e l d als Maß und Materie aller wirkli-
chen Zahlung fungiert. Die krisenhafte Entwertung des Kredits
findet insoweit als Verschiebung des Preismaßstabs und
a l l g e m e i n e Entwertung sämtlicher Geldvermögen und -ein-
kommen statt. Die Zurückführung des Geschäftslebens auf das Maß
der gesellschaftlichen Zahlungsfähigkeit geschieht, soweit die
Staatsnotenbank sie auf ihre Kappe nimmt, als ein scheinbares
Aufblasen der Zahlungsfähigkeit, die auf alle Fälle zwei gar
nicht scheinbare Ergebnisse hat: Das Kreditgewerbe braucht seinen
zinsträchtigen Geschäftsgang nicht zu unterbrechen; und: Wer mit
Geld kein Geschäft macht, sondern davon leben muß, hat weniger
zum Leben.
Die Bundesbank nimmt - wie alle modernen Zentralbanken - die
schwankenden Liquiditätsbedürfnisse der Banken: ihre Zunahme
teils bei gelingendem, teils wegen stockendem Geschäftsgang, ihre
Abnahme teils infolge eines problemlos expandierenden, teils auf-
grund eines reduzierten Zahlungsverkehrs, als ihre Steuerungsauf-
gabe und ihr Problem wahr, über den Geldmarkt den Wirtschaftsver-
lauf krisenfrei zu gestalten. Schon diese Betrachtungsweise ver-
bürgt, daß ihr ziemlich unerklärlich bleibt, was sie da eigent-
lich "steuern" will - und zugleich, daß ihr das völlig egal ist.
Bundesbankamtlich betreute Staatsschulden beleben das
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Kreditgeschäft - und entwerten die gesetzlich geschützten
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Banknoten
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Ihre Funktionen als Notenbank verbinden moderne Nationalbanken
schöpferisch, und ohne im bedienten Liquiditätsbedarf eine anders
als praktisch und ideologisch begründete Unterscheidung zu tref-
fen, mit ihren Aufgaben als H a u s b a n k d e r S t a a t s-
g e w a l t.
Auch den Finanzminister "versorgt" die Bundesbank nicht einfach
mit Geld; sie räumt ihm nicht umstandslos Kreditguthaben ein, für
die sie ihre Zahlungsversprechen in dicken Bündeln herausrücken
würde. Sie betreut "bloß" die Anleihen, mit denen die Staatsge-
walt sich über die Geschäftsbanken beim Publikum gegen attrakti-
ven Zins und noch attraktivere Sicherheit Geld pumpt: Durch sie
bzw. unter ihrer Federführung werden Staatsanleihen in den Handel
gebracht, aber nicht auf ihre Rechnung, so als hätte sie diese
Anleihen schon übernommen, sondern "bloß" treuhänderisch, auf
Rechnung des Fiskus. Diesen Kunstgriff können Manager und Ideolo-
gen der deutschen Bundesbank gar nicht genug loben und preisen
als raffinierten Schachzug gegen staatlichen Geldhunger, den der
Einfall der Bundesbank-Gründer, diesem Staatsinstitut gesetzlich
volle Autonomie gegenüber der Regierung zu verordnen, ihnen zur
Aufgabe gemacht hätte.
Immerhin pflegen die Nationalbanken damit nun allerdings ein Ge-
schäft, das sie sonst, bei Privaten, gar nicht leiden können,
weil es dem Wirtschaftsverbrechen der Wechselreiterei verdächtig
nahe kommt. Bedient und abgelöst werden die Staatskredite nämlich
prinzipiell nicht durch am Markt erwirtschaftete Einkünfte - für
profitträchtige Geschäfte werden sie ja gar nicht angewandt -,
auch nicht durch die steuerlichen Zwangsabzüge von redlichem Ge-
winn oder vom Lebensunterhalt der Massen - dann bräuchte die
Staatsverschuldung ja gar nicht erst zum festen Posten im Staats-
haushalt zu werden -, sondern durch immer neue, immer größere
Staatsanleihen.
Mit seinen geliehenen Geldern mag der Staat noch so sehr die na-
tionale Reichtumsproduktion fördern und anheizen; einen Erlös,
der den Schulden als ihr positiver finanzieller Ertrag gegenüber-
gestellt werden und sie wirtschaftlich "rechtfertigen" könnte,
schafft er damit nicht. Er akkumuliert kein reichtumproduzieren-
des Vermögen mit Hilfe seiner Schulden, sondern er
v e r b r a u c h t Reichtum in großem Stil; dafür nimmt er den
Kreditmarkt seiner Geschäftsbanken in Anspruch.
Damit nimmt die Staatskasse niemandem etwas weg, schon gar keinem
konkurrierenden Kreditnehmer. Die "Ware", mit der die Banken han-
deln, ist alles andere als ein "knappes Gut", das immer wieder
erst einmal herangeschafft werden müßte und dann meistbietend
vergeben würde. Es gibt davon allemal so viel, wie gute Schuldner
brauchen; denn deren Zahlungsversprechen sind der gute Grund und
die Sicherheit für die Banken, das "Risiko" einzugehen und mit
eigenen Zahlungsversprechen dafür einzustehen - G e l d z u
s c h ö p f e n. Davon, "schöpft" der Staat "ab", wenn er Kre-
dite aufnimmt. Obwohl er aus dem Geld, das er sich leiht, nicht
mehr Geld macht, sondern es auf Nimmerwiedersehen verkonsumiert,
ist er ein erstklassiger Schuldner, weil seine souveräne Gewalt
für die ständige Erneuerung seines Kredits einsteht. Seine Zah-
lungsversprechen lassen sich daher ohne Restrisiko in Bankkredit
verwandeln; für das Schaffen von neuen bankursprünglichen Schuld-
scheinen, die wie Geld zirkulieren, bieten sie beste Sicherheit.
Sie strapazieren also nicht die Schaffenskraft der Kreditinsti-
tute, sondern steigern sie - und damit den "normalen" Liquidi-
tätsbedarf der Kreditinstitute.
Die Zentralbank sieht das ein und reagiert auf ihre Weise: Sie
läßt auch Staatsanleihen als Geschäftsartikel zwischen sich und
den Banken, also als Mittel der Liquiditätsbeschaffung zu. Die
Maßregeln und Umständlichkeiten, die z.B. die Bundesbank dabei
beachtet, folgen alle dem in seiner demonstrativen Solidität ei-
nigermaßen verräterischen Grundsatz, daß die Nationalbank dem
Staat keine Selbstbedienung an der Notenpresse zugestehen, also
auch nicht selber unmittelbar als Gläubiger des Fiskus in Er-
scheinung treten dürfe. Unter Wahrung aller rechtlichen Umständ-
lichkeiten beseitigt damit aber doch auch die Bundesbank jede
Schranke, an die die Geschäftsbanken bei der Übernahme und Ver-
marktung von Staatsanleihen allenfalls stoßen könnten, nämlich
die Schranken der Liquidität, des Bargeldbedarfs, der bei Staats-
konsum auf Kredit ja gleichfalls zunimmt. Im Hin und Her mit dem
geldbesitzenden Publikum und den Banken wird dafür gesorgt, daß
der Staat über jeden Kredit verfügen kann, den er will - wird
Staatsgewalt in K a u f k r a f t verwandelt.
Diese völlig unökonomische Zufuhr von Zahlungsfähigkeit tut "auf
dem Markt" eine Wirkung, die als I n f l a t i o n bekanntge-
worden ist. Was der Kredit sonst nur zeitweilig leistet, nämlich
bis zum Konkurs des kommerziellen Schuldners bzw. zum Bankrott
des Gläubigers: die Schaffung von Zahlungsfähigkeit ohne wirkli-
ches Geschäft und kapitalistisch mitzählende Vermehrung des
Reichtums, das bewerkstelligt die von der Bundesbank betreute
Staatsschuld prinzipiell, immerzu und in dauernd wachsender Grö-
ßenordnung. Die Geschäftswelt nutzt natürlich die dadurch eröff-
neten "Spielräume" zur Preiserhöhung geschäftstüchtig aus und
sorgt so dafür, daß nachgefragter Warenwert und ausgedehnte ge-
sellschaftliche Kaufkraft beieinander bleiben auf Kosten der
Kaufkraft, versteht sich. Ganz wie bei der Krisen-"Bewältigung"
durch "Liquiditätsspritzen" wird damit das in den Zentralbankno-
ten festgelegte Maß der Werte f l e x i b e l: "das Geld ent-
wertet sich".
Über die Proportionen der beiden Ursachen lehrt "die Erfahrung"
übrigens das Folgende:
"Die großen Inflationen der modernen Geschichte scheinen in kei-
nem einzigen Fall durch den Mißbrauch des p r i v a t e n Bank-
kredits entstanden zu sein, der allein vom Zentralbanksystem kon-
trolliert und reguliert wird, sondern stets durch übermäßigen
S t a a t s kredit. Die Riesenausgaben der Staaten im Krieg oder
die großen Ausgaben d e r S t a a t e n für Sozialpolitik und
Investitionen sind es stets gewesen, die durch Inanspruchnahme
von Kredit gedeckt wurden, wodurch die Inflation entstand.
Scheint der Staat also der Feind der Währungsstabilität zu sein,
dann sind die Kontrolleinrichtungen der Zentralbank in der
falschen Richtung eingesetzt, indem ihr meist die Entscheidung
über staatsfinanzielle Fragen entzogen ist." (Rittershausen, Fi-
scher-Lexikon Wirtschaft, S. 153 f.)
Wie die zwangsweise Umverteilung von Lohnteilen, die der Sozial-
staat organisiert, für die Schaffung von Geldern verantwortlich
sein soll, die wie ein verlorener Kredit ohne Gegenwert die Zir-
kulation aufblähen, also Inflation verursachen, behält der gute
Mann für sich. Vielleicht meint er ja, der Staat könnte sich man-
chen Kredit sparen, wenn er seine Rüstungsvorhaben direkt aus So-
zialversicherungsbeiträgen finanzieren würde. Kein Staat macht
aber seine militärischen Vorhaben und Heldentaten von solchen
Notgroschen abhängig. Für den Krieg leistet sich jede moderne Re-
gierung jede Rücksichtslosigkeit gegen die Gleichung, wonach die
Kreditzettel ihrer Notenbank vollgültiges Geld sein sollen, gibt
jedes "Deckungs-"Ideal auf und verschafft sich allen Reichtum,
den sie braucht, auf dem bequemen Weg hemmungsloser Verschuldung.
Widersprüchliche Anforderungen an das nationale Kreditgeld
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als Mittel für eine konkurrenztüchtige Kapitalakkumulation
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Staatsbanken bedienen Staat und Wirtschaft so perfekt mit ihren
Kreditzetteln, daß der darauf notierte Wert beständig sinkt. Weil
sie mit ihren Zetteln aber ein Äquivalent für G e l d und nicht
bloß Kredit bieten wollen, stellen sie sich die Aufgabe, den Wert
des Geldes, das sie drucken, zu e r h a l t e n.
Diese Aufgabe wäre ein purer Idealismus, wäre nicht jedes Zen-
tralbankgeld einer p r a k t i s c h e n K r i t i k durch die
Geschäftswelt ausgesetzt, die es für ihren Erfolg benutzt. Kapi-
talisten überprüfen beständig und ohne Patriotismus die Tauglich-
keit ihres heimatlichen Kreditgelds für ihren Zweck, aus ihrem
Kapital mehr Kapital zu machen; sie vergleichen es mit anderen
Banknoten, die sich als konkurrierendes Maß für geschaffene und
zirkulierende Werte aufführen; denn wachsen soll ihr Kapital eben
nicht bloß dem gar nicht stabilen Geldausdruck nach, sondern an
wiederverwendbarem Überschuß und "Investitionskraft".
Als Beurteilungskriterium für diesen Vergleich, den eine eigene
Kapitalistenabteilung praktisch abwickelt - womit sie ihrerseits
Geld scheffelt -, hat sich auf dem Weltmarkt für Kapital der
"R e a l z i n s" herausgebildet. Die eigentümliche Berechnung
dieses Zinses geht so: Von dem durch Geldanlage zu erzielenden
Zins - und das ist allemal der Staatszins, dem sich alle Anleiher
im Land anschließen müssen, wollen sie Verleiher finden - ist die
Inflationsrate abzuziehen; übrig bleibt das "Reale". Das interna-
tionale Geldkapital denkt dabei nicht einfach an Kaufkraft, son-
dern an die Solidität und Rentabilität von Geldanlagen. Die Ent-
scheidung für oder gegen eine Währung richtet sich folglich nach
der H ö h e des "realen" Zinsertrags und danach, auf welchem
Niveau er sich bildet. Wenn nämlich auf eine hohe Inflationsrate
einfach ein noch höherer Zins draufgesetzt wird, so ist damit ja
geradezu eingestanden, daß der Wertverlust des zu erlösenden
Geldes als Dauereinrichtung vorgesehen ist. Das bedeutet aber:
Der in gesetzliches Papiergeld verwandelte bzw. darin gemessene
Geschäftserfolg vergrößert gar nicht im gleichen Verhältnis das
tätige K a p i t a l. Die Geldentwertung beeinträchtigt die Ak-
kumulation und damit die weiteren Erfolgsaussichten, die
"Akkumulationskraft" des engagierten Vermögens. So fordert sie
die Suche nach tauglicheren Sorten Geld geradezu heraus.
An den nationalen Geldersatz, die Banknoten der jeweiligen Zen-
tralbank, richten sich damit einander widersprechende Forderun-
gen. Bankwesen und Staatsgewalt verlangen die Lösung ihrer Liqui-
ditätsprobleme durch eine Handhabung des Zentralbankgeldes, so
als handele es sich dabei um beliebig vermehrbare Kreditzettel.
Gleichzeitig bestehen sie auf der Gleichheit eben dieser Zettel
mit wirklichem Geld, also auf einer zumindest vergleichsweise ge-
ringen Inflationsrate, die der Staatsgewalt ihre Kaufkraft, der
Geschäftswelt den ungeschmälerten finanziellen Ertrag ihrer Plus-
macherei sichert. Für das weltweit Anlage suchende Kapital wird
die Großzügigkeit der national zuständigen "Währungshüter" bei
der Überwindung jeder denkbaren Geldklemme ebenso zum Konkurrenz-
gesichtspunkt wie an dererseits eine unterdurchschnittliche In-
flationsrate.
Eine Zentralbank kann daher ihr Geld gern oder ungern herausrüc-
ken, ihren Geldmarkt mit laxen oder scharfen Finanzierungskondi-
tionen ausstatten: Ob sie richtig oder falsch liegt, entscheidet
sich ganz anders als in ihren Chefetagen.
"Weiche Währung"
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Viele Währungen werden von finanzkraftigen Unternehmern nur ge-
sucht oder in Kauf genommen um "vor Ort" ein Geschäft einzurich-
ten, die eingeborenen Arbeiter zu entlohnen, ein paar Steuern zu
zahlen und Rohstoffe sowie staatlich subventionierte Vorprodukte
billig einzukaufen. Der Erlös wird gleich in Geld anderer Natio-
nalität übertragen, um Inflationsverluste zu vermeiden. Wo das
nicht gestattet wird, begibt sich einheimisches Kapital auf die
Kapitalflucht - Asyl findet Geld überall -, und auswärtiges wird
gar nicht erst angelegt.
Die zuständige Notenbank merkt dieses Mißtrauen gegen ihr Kunst-
produkt als ständigen Zustrom ihrer Banknoten, die in "bessere"
Währung getauscht werden wollen bzw. bereits getauscht worden
sind und nun von anderen Banken als Forderung auf Geld in solide-
rer Form präsentiert werden. Bis dahin sind alle entscheidenden
Geschäfte natürlich schon gelaufen: Die Nationalbank hat ihr Kre-
ditgeld massenhaft in die Zirkulation gegeben; allerdings weniger
gegen "solide" Schulden, die von der kreditierten Geschäftswelt
auch wieder bedient und abgelöst und produktiv erneuert werden,
sondern hauptsächlich gegen Staatsanleihen und sonstige
"unsolide" Finanzwechsel, die nur durch neue, immer höhere Kre-
dite "bezahlt" werden. Die Geschäftswelt hat sich an der so ge-
schaffenen Zahlungsfähigkeit satt bedient, indem sie ihre Preise
entsprechend gesteigert hat, und damit das überreichlich vorhan-
dene Zentralbankgeld entwertet. Also will sie es nach erfolgtem
Geschäft schleunigst loswerden, besser sogar per Devisen-Termin-
geschäft noch vorher. Dafür braucht sie in letzter Instanz aller-
dings einen "Geschäftspartner", der die per Geldentwertung an-
fallenden Verluste dauernd wegsteckt. Als solcher kommt wieder
nur die zuständige Zentralbank in Frage, die so ihre Freiheit bei
der Geldschöpfung mit einer rapide wachsenden Devisenklemme be-
zahlt.
Die Devisen wiederum sind heutzutage reichlich zu haben: als Kre-
dit, dessen Gewährung den nationalen Geldzirkus und das interna-
tionale Zahlungsproblem der verantwortlichen Staatsbank vermehrt
und beschleunigt. Denn jetzt will nicht mehr bloß die gesamte en-
gagierte Geschäftswelt ihren Gewinn per Umtausch in Devisen si-
chern; zusätzlich müssen durchs nationale Geschäftsleben nun
nicht bloß Gewinne erwirtschaftet, sondern damit steigende Devi-
sensummen erlöst werden, mit denen wiederum die wachsenden Anlei-
hen zu bedienen sind. Die Zentralbank hat dieser Notwendigkeit
durch noch leichtere Finanzierung aller einheimischen Geschäfte
zu entsprechen - also durch noch schnelleres Gelddrucken.
Den so beschleunigten "Wettlauf" zwischen Mehrung der Geldmittel
und deren Entwertung gewinnt die Geschäftswelt allemal - unabhän-
gig von Pleiten und Bankrotten -; denn ohne eine solche Garantie
wird sie gar nicht erst tätig. Der Einfachheit halber rechnen die
Kapitalisten in vielen Ländern gleich in fremder Währung ab - am
besten sogar mit ihrer eigenen Staatsgewalt. Die kann auch kaum
schlecht abschneiden, obwohl sich bei ihr die Rechnung schon um-
kehrt: Mit jeder Anleihe zur Mehrung ihrer Kaufkraft senkt sie
diese. Die Massen schließlich, die sich an das nationale Zah-
lungsmittel halten müssen, weil sie keine Alternative haben, ver-
armen entsprechend. Wo der Staat per Kredit Reichtum an sich
zieht, ohne den wirklichen Reichtum seiner Nation, den geschäft-
lich erwirtschafteten Überschuß, zu steigern, erst recht aber
ohne ihn schmälern zu wollen, da finanziert er sich praktisch aus
dem Kaufkraftverlust seiner zahlreichen Armen.
"Weltwährung"
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Es gibt kaum ein halbes Dutzend Währungen auf der Welt, für die
sich die Lage genau entgegengesetzt darstellt. Zunächst - gegen
Ende des 2. Weltkriegs und in den folgenden Jahrzehnten - war der
US-Dollar sogar das weltweit einzige Kreditgeld, das von den Ge-
schäftsleuten aller Herren Länder als denkbar beste nationale
Uniform ihres Kapitals gesucht wurde; und diese "Sonderstellung"
wird er auch zeit seines Lebens im Grunde nicht mehr los.
Der Grund dafür waren nie die aus den Zentralbankkellern aller
US-Alliierten nach Fort Knox geschafften und dort aufgestapelten
Goldbestände. Eher schon umgekehrt: Daß kein Konkurrent nach dem
Krieg mit größeren Beständen an weltweit gültigem Geld in den
Welthandel einsteigen konnte, aber auch keiner sich dem amerika-
nischen Anspruch auf freien Waren- und Kapitalverkehr widersetzen
mochte - mit Ausnahme Stalins -, war der Ausgangspunkt für die
unerhörte Neuerung, daß unter US-Regie nicht bloß der alltägliche
Abrechnungsverkehr, sondern der Zahlungsausgleich selbst zwischen
den Nationen nicht mehr in wirklicher Geldmaterie, sondern in
staatlich garantierten Zahlungsversprechen vor sich geht. Das
amerikanische Gesetz, das dem Dollar den Rang gültigen Geldes zu-
spricht gilt nicht bloß für amerikanische Bürger, sondern als
Grundgesetz des gesamten Welthandels und hat diesen über sämtli-
che Schranken einer an Geldmaterie gebundenen Zahlungsfähigkeit
hinaus in Schwung gebracht.
Liquidität ist seither weltweit eine Sache des vom Federal Re-
serve System bedienten, und zwar überreichlich bedienten, Dollar-
Geldmarkts. Ausgerechnet die enormen Schulden, mit denen die USA
ihren Vietnamkrieg bezahlt haben und ihre Aufrüstung finanzieren
und die ja nie wieder durch irgendwie "abgeschöpftes" Geld begli-
chen werden, so daß die flüssig gemachten Dollar an die US-Noten-
bank zurückfließen würden -, haben das Kreditgewerbe rund um den
Globus mit frei verfügbaren Dollarmassen versorgt. Diese haben
die Kreditierung ganzer - alter wie neu entstandener - Staaten
ermöglicht und das Verschieben von Schuldscheinen in Form oder
auf Basis von Dollarnoten zur Verlaufsform sämtlicher internatio-
naler Zahlungsoperationen gemacht.
Mit diesem Welt-Schuldenwesen auf Dollarbasis bezieht sich die
Gemeinde der freien Souveräne auf die Ersetzung von Gold durch
US-Dollar als eine Liquiditätsgarantie, die mehr taugt und höhe-
ren Wert besitzt als ihre eigenen Gesetze, mit denen sie die
Druckerzeugnisse ihrer nationalen Notenbanken zu geldgleichen
Zahlungsmitteln ernennen.
"Harte Währung"
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Der Geschäftserfolg bundesdeutscher Exporteure, die Entschuldung
der neuen Staatsgewalt durch die Währungsreform sowie die Erspar-
nis schuldentreibender Militärausgaben in den Gründerjahren der
BRD haben dafür gesorgt, daß innerhalb dieses Systems die D-Mark
zu einem dem amerikanischen Weltkreditgeld ähnlichen Geldersatz
geworden ist; die Skrupellosigkeit, mit der die Wirtschaftspoli-
tiker der Nation lieber ganze Branchen geopfert als ihr Kredit-
geld strapaziert haben, wenn eine krisenhafte Kapitalentwertung
anstand, hat dazu ebenso beigetragen wie der Glücksfall, daß die
Kriege der NATO-Verbündeten seit dem "Korea-Boom" immer wieder
mit zahlungsfähiger Nachfrage über Stockungen des Geschäftslebens
hinweggeholfen haben.
Der Bundesbank kommt an dem Bombenerfolg ihrer Banknoten allen-
falls insofern ein gewisses Verdienst zu, als sie sich gleich
sehr unbefangen auf das neue Zeitalter des Dollar-Imperialismus
eingestellt hat. Das altertümliche Notenbankideal, die Menge des
gesetzlichen Kreditgeldes an den Vorrat wirklicher Geldmaterie
sowie von Devisen der wichtigsten Handelspartner zu koppeln, so
daß eine Abnahme des nationalen Schatzes automatisch größere Vor-
sicht auf dem Geldmarkt gebieten mußte, ist im amerikanisch be-
setzten Frankfurt nie wiederaufgenommen worden. Die Bundesbank
hat ihre Banknoten pur aus dem bei sich selbst eröffneten Schul-
denkonto, den "Ausgleichsforderungen", geschöpft. Die mit diesem
Geldersatz beglückten Kapitalisten fanden das in Ordnung, weil
die Siegermacht die D-Mark eines festen Wechselkurses mit dem
Dollar würdigte, die Festigkeit und weltweite Brauchbarkeit wohl-
verdienter bundesdeutscher Banknoten - und jedes darauf lautenden
seriösen Kredits - also fest versprochen war.
Daß diese Spekulation aufgegangen ist, liegt allerdings schon gar
nicht mehr an der D-Mark und ihren Erfindern, sondern an den
Mehrwertraten, die hierzulande tätige Kapitalisten aus dem durch
Faschismus und verlorenen Krieg, anschließend durch
"Wirtschaftswunder", Bundeswehr und das "Modell Deutschland" be-
stens erzogenen Arbeitsvolk herausgeholt haben; auch daran, daß
US-Firmen mit viel Kapital ins deutsche "Wunder" eingestiegen
sind. Das, außerdem die erwähnte Wirtschafts- und Finanzpolitik
Marke BRD, hat die D-Mark "hart" gemacht. Die Nachfrage nach ge-
druckter Liquidität ging tatsächlich genau so von der akkumulie-
renden Geschäftswelt aus, wie die Bundesbanker es sich in ihren
Maximen für einen grundsoliden Geldmarkt erträumt hatten. Statt
eines Devisenmangels kam gegen Ende der 60er Jahre auf die Bun-
desbank der süße Zwang zu, zur Stützung der US-Währung massenhaft
Dollar zu kaufen. Die dafür erschaffenen D-Mark-Mengen fanden
rund um den Globus so viele Interessenten, daß die Frankfurter
Währung ausgerechnet infolge ihres beschleunigten Nachdrucks im
Vergleichsgeschäft der Devisenhändler immer besser notiert wurde.
Seither verwaltet die Bundesbank ein Papiergeld, das sich besser
als die meisten konkurrierenden Währungen als Mittel der Kapital-
akkumulation bewährt; das deswegen weltweit mehr gefragt ist als
angeboten wird, sogar noch nachdem eine ansehnliche Staatsver-
schuldung, mit der das "Modell Deutschland" seinen Aufstieg zur
"Mittelmacht" finanziert hat, reichlichen Nachschub an frei zir-
kulierenden bundesdeutschen Banknoten auf den Welt-Geldmarkt ge-
schafft hat; das längst auch schon, neben dem US-Dollar, zum Mit-
tel für die Kreditierung fremder Nationen - per Währungskredit
wie per Kapitalexport - geworden ist; und das deswegen als immer
tauglicheres Mittel zur Akkumulation von Kapital geschätzt wird.
Angesichts dieser Erfolge haben die Bundesbanker von ihrer Ver-
waltungstätigkeit eine sehr hohe Meinung. In aller Bescheidenheit
interpretieren sie das schöne Ergebnis als - auch - i h r e n
Erfolg. Und sie machen sich so ihre Sorgen, was zu tun sei, dan-
mit es dabei bleibt: Sie t r e i b e n G e l d p o l i t i k.
"Geldwertstabilität": Das absurde Ideal einer Erfolgsgarantie
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des Kreditgelds durch seine "richtige" Menge
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Alle "Wirtschaftssubjekte" hängen vom Kredit ab. Das Kreditge-
werbe hängt - mit seiner Liquidität - vom Geldmarkt der Notenbank
ab. Aus diesen beiden Tatsachen zieht die Bundesbank in Ideologie
und Praxis den messerscharfen Fehlschluß, es hinge deswegen auch
von ihr und den Banken ab, was aus dem nationalen Schuldenwesen
und ihrem Geldersatz wird. Durch die geschickte Bedienung des
kreditgewerblichen Liquiditätsbedarfs mit ihren Zetteln will sie
die erfolgreiche Verwendung des Kredits durchs handeltreibende
und produzierende Kapital und durch den Staat so steuern und si-
chern, daß der Erfolg insgesamt wächst und ihr Geld seinen Wert
behält oder auch umgekehrt.
"Das Prinzip der Zentralbankpolitik ist dabei sehr einfach: Die
Bundesbank versucht überall auf Gleichgewicht hinzuwirken... Man
wollte eine wohlüberlegte Menge Geldes in Umlauf halten, deren
Bestimmung ausschließlich auf Grund der Lehre vom Gleichgewicht
der kreditären Effekte beruhte: Wo Geld virulent wurde (!), wo
Expansionen eintraten, sollte durch Kontraktionen und Sterilisa-
tionen dagegengehalten werden; ein Gleichgewicht inflationärer
und deflationärer Wirkungen wurde gesucht." (Rittershausen, Fi-
scher-Lexikon "Wirtschaft", S. 167 und 261)
Wenn zuviel Geld da ist, muß die Bundesbank was wegnehmen - wenn
was fehlt, hat sie Geld hineinzugeben. Ihre dauernde
R e a k t i o n erscheint ihr als das eigentliche M a c h e n
des Geldes. Damit nicht genug: Vom Staat zum Fachidioten des
Geldes b e s t e l l t, behauptet sie ungeniert, daß von der
richtigen Geldmenge das richtige ("gleichgewichtige") Wirt-
schaftswachstum a b h i n g e:
"Die Stabilität des Geldwertes ist auf längere Sicht eine wich-
tige Voraussetzung für das reibungslose Funktionieren der Markt-
wirtschaft und damit für ein gedeihliches Wirtschaftswachstum und
hohe Beschäftigung." (Die Deutsche Bundesbank..., S.9)
Wenn nicht sogar für die Solidität des Gemeinwesens überhaupt:
"In ihrer gesamten Tätigkeit, gleichgültig, ob sie diese unmit-
telbar durch generelle Hoheitsakte oder in der Form privater Ein-
zelgeschäfte vornimmt, erfüllt die Bundesbank ihre öffentliche
Aufgabe und dient der für die Aufrechterhaltung eines normalen
Staatslebens unumgänglich notwendigen Stabilisierung der Währung.
Währungspolitische Gesichtspunkte durchdringen im übrigen das ge-
samte Kreditwesen, namentlich auch die Funktion der privaten
Geichäftsbanken. Da die Geschäftsbanken an der währungspolitisch
essentiellen Geldschöpfung durch Kreditgewährung maßgeblich be-
teiligt sind, üben sie als 'verlängerter Arm der Notenbank' abge-
leitete währungspolitische Funktionen aus, so daß ihnen hier eine
'mittelbare Hoheitsaufgabe' obliegt." (Spindler, Starke, Schwarz:
Die Deutsche Bundesbank, S. 150)
Bei allem Ordnungsfanatismus der obersten Bankiers und ihrer
Ideologen: Schulden - davon rückt auch die Bundesbank nicht ab -
sind und bleiben das Mittel des Schuldners, seine Geschäfte über
alle Schranken des Marktes hinaus gegen seine Konkurrenten voran-
zutreiben; ob mit oder ohne Erfolg, das entscheidet nie und nim-
mer der Kredit, den er dafür einsetzt und bedienen muß; sicher
ist nur, daß a u c h Mißerfolg sich einstellt. Für den Gläubi-
ger sind Schulden allemal das Mittel, vom Geschäft der Kreditneh-
mer abzusahnen, auch dann, wenn es mißlingt, und sogar noch dann,
wenn es von vornherein gar kein Geschäft ist, sondern eine Finan-
zierungsmethode des unproduktiven Staatskonsums. Daher gehört die
Entwertung der Kredite und auch der zum Geld ernannten Staats-
banknoten zur Freiheit und einem erfolgversprechenden Schwung des
Schuldengeschäfts notwendig dazu. Den Erfolg kann die Bundesbank
genausowenig "bedingen", wie die Staatsgewalt ihn gebieten kann.
Es ist daher auch praktisch belanglos, immerhin aber ideologisch
entlarvend, daß kein Fachmann und kein "Weiser" für die angeblich
so entscheidend wichtige korrekte Höhe der Liquiditätsversorgung
der Wirtschaft überhaupt ein Kriterium anzugeben vermag - außer
der begriffslosen Schlauheit, daß es eben ums r i c h t i g e
M a ß geht. Schlagend die hochwissenschaftliche Tautologie der
"Chikago Boys": Nach Doktor Friedmans Geldtheorie, die sich heut-
zutage alle großen Notenbanken ins Programm geschrieben haben,
muß die Geldpolitik sich vor allem selber, unbeirrt von den Auf-
regungen des Tagesgeschäfts und den Wirtschaftskonjunkturen,
harthörig gegen die allemal viel zu kurzsichtigen Wünsche der Po-
litiker, einen eigenen "Wachstumspfad" - ein "verstetigtes Geld-
mengenwachstum" - vorschreiben; dann wird sich darüber ganz von
selbst ein krisenfreies Wirtschaftswachstum einstellen. Bei der
Festlegung dieses "Pfades" muß freilich der Zirkel gelingen, daß
er sich nach dem "Wachstumspfad" des Bruttosozialprodukts zu
richten hat, welches durch die richtige Geldmenge ins
"Gleichgewicht" gebracht werden soll:
"...schlug Prof. Friedman als ein einfaches Rezept vor, das Zen-
tralbankensystem möge das Wachstum der verfügbaren Geldmenge auf
die Zuwachsrate des Ausstoßes an Gütern und Dienstleistungen be-
schränken." (Leonard Silk, Wirtschaftswissenschaftliche Theorie
und Wirtschaftspolitik in den USA, in: USA Perspektive, 2/71)
Das klingt fast so schlicht wie die beiden Argumente von Marx zum
Zusammenhang zwischen Warenwert und Geldmenge:
"Die Warenmasse als gegeben vorausgesetzt, flutet die Masse des
zirkulierenden Geldes auf und ab mit den Preisschwankungen der
Waren... Wächst die Anzahl der Umläufe der Geldstücke, so nimmt
ihre zirkulierende Masse ab. Nimmt die Anzahl ihrer Umläufe ab,
so wächst ihre Masse." (Das Kapital, Bd. 1, S. 131 und 133)
Allerdings hat Marx schon damit bewiesen, daß es unmöglich ist,
eine "richtige" Geldmenge vorab zu berechnen und festzulegen. Ge-
nau das ist jedoch das unerschütterliche Ideal aller theoretisie-
renden und praktizierenden "Monetaristen": ein M a ß für die
Geldmenge, das die Stabilität ihres Werts garantiert - was immer-
hin die Kleinigkeit einschließen würde, daß es mit der Verwendung
des auf dieses Geld bezogenen Kredits dauernd gut geht und noch
dazu aller Staatskredit "solide", genaugenommen also gleich Null
wäre. Die Bundesbanker haben sich dieses Ideal so zurechtgelegt,
daß es sogar noch eher wie eine Handlungsanweisung aussieht:
"In der nunmehrigen Papierwährungsepoche beruht der Wert des
Geldes offenbar auf künstlich hergestellter Knappheit, die in
Kontrast steht zu der ersehnten (von wem?!) grenzenlosen Steige-
rung seines Umlaufs." (Rittershausen, S. 260)
Die Fiktion eines naturwüchsigen Heißhungers der Wirtschaft nach
Liquidität, den die Zentralbank durch knappe Bedienung bekämpfen
müßte, ist eine in ihrer Phrasenhaftigkeit entlarvende, immerhin
aber sehr folgerichtige Dummheit. Sie paßt zu einem Geldmarkt-
überbau über dem Kreditüberbau der kapitalistischen Wirtschaft,
der tatsächlich alle Schranken des Schuldenmachens beseitigt hat:
der das Kreditsystem auch in der Krise auf Kosten des gesetzli-
chen Kreditgelds aufrechterhält, die Finanzierung jedes Staatsde-
fizits sicherstellt und so überhaupt erst die Inflation zur
Dauereinrichtung der modernen Volkswirtschaft macht. Sehr ange-
messen drückt sie den Standpunkt einer Notenbank aus, die wenn
sie schon selbst nicht diese Sorge hat, so doch um so besser von
den entsprechenden Instituten anderer Länder - das Problem kennt,
daß ein fortwährend gedrucktes und per Kredit weggegebenes Pa-
piergeld nicht zur Bedienung der bei ihr gemachten Schulden, son-
dern als Forderung auf - nicht verfügbare - Devisen in großen
Massen an sie zurückgereicht wird: F ü r e i n e s o l c h e
B a n k ist ganz eindeutig ihr eigenes Geld z u
r e i c h l i c h da und das gefragte "gute" Geld k n a p p.
Eine praktische Maxime und ein vernünftiges Rezept ist deswegen
aber noch lange nicht herzukriegen aus dem methodischen Impera-
tiv: "Zuviel ist ungesund!"
Die geldpolitischen Instrumente der Bundesbank: Lauter
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Stabilitätsideale und eine einzige Bestandsgarantie des
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Kreditschwindels
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Immerhin ist nicht zu verkennen, worauf die Bundesbank ihr Augen-
merk richtet, wenn sie sich für die Bedienung der bankgewerbli-
chen Liquiditätsnachfrage ihre Methoden vorschreibt und ihre In-
strumente zurechtlegt: Alle Schuldengeschäfte, denen sie mit ih-
ren Banknoten freie Bahn verschafft, sollen in jeder Hinsicht
grundsolide sein und den gesellschaftlichen Reichtum mehren - was
andersherum bedeutet: Alle grundsoliden Schuldengeschäfte sollen
eine Verschuldung des Kreditgewerbes bei ihr, also eine vermehrte
Nachfrage nach ihrem Kreditgeld hervorbringen und damit den ge-
sellschaftlichen Reichtum in seiner staatlich gültig gemachten
und bundesbankamtlich betreuten abstrakten Form: in Gestalt ihres
Bargeldes mehren.
Solide soll vor allem die K r e d i t v e r g a b e der Banken
sein. Nun werden sich darum die Banken schon selber kümmern;
schließlich beruht ihre eigene Bonität auf den Geschäftserfolgen
ihrer Schuldner. Die Bundesbank will das aber auch noch praktisch
nachgewiesen haben: Ihr gutes Kreditgeld gibt sie - zunächst ein-
mal nur - im Diskontgeschäft heraus, also per Ankauf von Wechseln
mit Zinsabschlag zum Diskontsatz; und dafür akzeptiert sie nur
beste kommerzielle Wechsel mit drei "als zahlungsfähig bekannten"
Zahlungsverpflichteten (Schuldnern bzw. Indossanten). Bloße Fi-
nanzwechsel, die nicht "auf Grund von Warcnlieferungen oder
Dienstleistungen zwischen Unternehmen... begeben worden sind"
(Die Deutsche Bundesbank..., S. 45), schätzt sie nicht, auch wenn
sie sie im Zweifelsfall gar nicht herauskennt:
"Gute Handelswechsel werden als Wechselmaterial nicht nur deswe-
gen gefordert, weil der Handelswechsel das Rückgrat des modernen
Geschäftsverkehrs darstellt und eine wichtige volkswirtschaftli-
che Funktion im Rahmen des Liquiditätsbezuges von der gewerbli-
chen Wirtschaft über die Geschäftsbanken zur Notenbank übernimmt.
Maßgebend ist vielmehr auch der Gesichtspunk, daß Finanzwech-
sel..., die nur der Geldbeschaffung dienen sollen möglichst aus-
zuschalten sind...
Die Grenze zwischen Waren- oder Handelswechsel einerseits und
Kredit- oder Finanzwechsel andererseits ist trotz des scharfen
begrifflichen Unterschiedes praktisch oft nicht leicht zu zie-
hen." (Spindler..., S. 325)
Zur Sicherheit kauft sie Wechsel nur im Rahmen eines mit den je-
weiligen Banken ausgehandelten Rediskont-Kontingents - macht sich
also rar mit ihren Mitteln - und steht damit prompt vor dem ent-
gegengesetzten "Problem": Was sie brauchen, verschaffen sich ge-
schäftstüchtige Banken allemal an der Bundesbank vorbei, durch
die Perfektionierung ihres bargeldlosen Zahlungs- und Abrech-
nungsverkehrs sowie durch Bargeldanleihen beim "Publikum" und im
Ausland - sogar die "kleinen Leute" mit ihren Spargroschen werden
inzwischen von den größten Banken als Quelle für Liquidität ange-
zapft.
Und dem Staat sind die "Liquiditätsrisiken", mit denen die Banken
bei ihren rentablen Techniken des Kreditverschiebens zur "Gefahr"
eines stabilen Wirtschaftsablaufs werden, durchaus vertraut. In
seiner Bankgesetzgebung kündet er vom Gegensatz zwischen
"Rentabilität und Liquidität", der ihm bei der Aufsicht über das
Kreditgewerbe aufstößt, und er bekennt sich zur Aufgabe, diesen
Gegensatz, weil "Risiko", zu betreuen. Den Banken verbietet er
nichts in Sachen riskanten Geldhandels, nimmt sich aber der Sache
an. Aus "Erfahrungswerten" begründet er die relative Bescheiden-
heit der Gefahr von Bankrotten, die die Wirtschaft zerrütten, und
das Restrisiko bewältigt er mit der Auflage, ein paar Prozent Li-
quidität der Bundesbank anzuvertrauen. Er kommt dem Kreditgewerbe
mit der Pflicht, einen Teil der liquiden Mittel, die per
B a n k a n l e i h e n bzw. -e i n l a g e n beim "Publikum"
eingesammelt werden, auf Bundesbankkonten zinslos zu hinterlegen:
als "M i n d e s t r e s e r v e" für die Zahlungsverpflichtun-
gen, die die Banken bei ihrer Liquiditätsbeschaffung außerhalb
des Geldmarktes der Bundesbank eingegangen sind. Die Prozentsätze
sind nach der Fristigkeit der aufgenommenen Gelder gestaffelt:
hoch für kurzfristige Anleihen und große Summen (bis an die 12%),
am niedrigsten für Spareinlagen von geringer Gesamthöhe (bis un-
ter 5%).
Dieser Zwang stellt zwar keine wirkliche Sicherung eines
"soliden" Bankwesens dar eine Einlagenversicherung ist er schon
gleich gar nicht -; aber für die Rolle eines ideellen Gesamtkapi-
talisten ist er genau das Richtige. Die Bundesbank ist damit an-
teilig ins g e s a m t e Anleihegeschäft der Kreditinstitute
eingeschaltet; und schon das findet sie wichtig - als Garantie
für i h r e e i g e n e W i c h t i g k e i t:
"Die Mindestreservepflicht... verstärkt die A b h ä n g i g-
k e i t der Geschäftstätigkeit der Banken von der Zentralbank-
geldversorgung durch die Notenbank. Sie würde es auch erlauben,
eine abnehmende Abhängigkeit der Kreditinstitute von der
Notenbank, die sich aus einer rückläufigen Bargeldquote ergeben
würde, durch eine höhere 'Mindestreservequote' für Bankeinlagen
auszugleichen." (Die Deutsche Bundesbank..., S. 19)
Strittig ist allerdings bereits, welchen I n h a l t diese
"Abhängigkeit" hat, die die Bundesbank so selbstbewußt unter-
streicht:
"Da die Mindestreserve geschichtlich aus der Liquiditätsreserve
der Kreditinstitute entstanden ist, bestehen verschiedene Ansich-
ten darüber, ob die Mindestreserve sowohl Liquiditätsreserve,
d.h. eigenes wirtschaftliches Vorsorgemittel des betreffenden In-
stituts, als auch kreditpolitisches Steuerungsmittel ist, also
einen Doppelcharakter hat - dualistische Theorie - oder ob die
Mindestreserve sich in ihrer Entwicklung bereits so weit von ih-
rer ursprünglichen Ausgangsbasis entfernt hat, daß sie nur noch
kreditpolitisches Steuerungsmittel ist - monistische Theorie -.
Das Gesetz, das in dieser Vorschrift den Regierungsentwurf fast
völlig übernommen hat, geht, wie die Begründung zum Regierungs-
entwurf zeigt, von einem Doppelcharakter der Mindestreserve aus.
Hiernach besteht die Zwitterstellung des als Mindestreserve ge-
haltenen Zentralbankguthabens darin, daß das Guthaben als gegen-
wärtig blockierte Mindestreserve die aktuelle Liquidität
(Kreditbereitschaft) einengt, aber gleichwohl infolge seiner u.U.
künftigen Verfügbarkeit die potentielle Liquidität (Vorsorge für
anomalen Auszahlungsbedarf) erhöht. Maßgebend dabei war der Ge-
danke, daß Mindestreserven als Guthaben bei der Notenbank ihrem
Wesen und ihrer Zweckbestimmung nach die höchstdenkbare Liquidi-
tät aufweisen, und daß es der Sinn der Mindestreserve nicht ist,
die betreffenden Gelder schlechthin stillzulegen (zu blockieren),
sondern lediglich die Kreditinstitute zu zwingen, auf die Noten-
bank Rückgriff zu nehmen und sie so an die Notenbank heranzufüh-
ren... Allerdings hat bei diesem Doppelcharakter der Mindestre-
serve die notenbankpolitische Seite den Vorrang, da die primäre
Aufgabe der Mindestreserve in der Beeinflussung des Geldmarktes,
nicht aber in der Beaufsichtigung der Kreditbanken hinsichtlich
ihrer Liquiditätsvorsorge - letzteres ist eine Angelegenheit der
staatlichen Bankenaufsicht - besteht (Kurzprotokoll der 84. Sit-
zung des BT-Ausschusses für Geld und Kredit vom 11.2.1953)."
(Spindler..., S. 216)
Die Liquidität der Banken, die für die V e r g a b e von Kredi-
ten erforderlich ist, soll also per Mindestreserve auf alle Fälle
eingeschränkt werden - so scheint es. Doch ganz abgesehen davon,
daß die Bundesbank die entsprechenden Sätze im Lauf der Jahre in
dem Maß g e s e n k t hat, in dem das Kreditgewerbe der Nation
Weltgeltung erlangte, ist die Sache mit der Schranke selber eine
Frage der Sichtweise; und irgendwie kann am Ende von einer prak-
tischen Einschränkung eigentlich gar nicht die Rede sein:
"Der Monatsdurchschnitt der reservepflichtigen Verbindlichkeiten
ist... aus den Endständen der Geschäftstage und geschäftsfreien
Tage in der Zeit vom 16. des Vormonats bis zum 15. des laufenden
Monats (kalendertägliche Berechnungsweise) oder aus den Endstän-
den folgender vier Stichtage zu errechnen: 23. Tag des Vormonats,
letzter Tag des Vormonats, 7. Tag des laufenden Monats, 15. Tag
des laufenden Monats...
Als Ist-Reserve gilt der Monatsdurchschnitt des ... Guthabens. Er
wird aus dem Stand am Ende sämtlicher Tage von der Bundesbank er-
rechnet und am Schluß des Monats dem Kreditinstitut mitgeteilt...
Unterschreitet in einem Monat die Ist-Reserve eines Kreditinsti-
tuts... sein Reservesoll, so hat das Kreditinstitut auf den Fehl-
betrag für 30 Tage einen... Sonderzins... zu entrichten."
Die Komplikationen der "monatsdurchschnittlichen Berechnungs-
weise" stacheln den Erfindungsreichtum der Banken an und sind
auch so gemeint:
"Da das Mindestreserve-Soll nur im Monatsdurchschnitt zu erfüllen
ist, können die Banken ihr Zentralbankguthaben andererseits für
Zahlungszwecke verwenden und sie, falls erforderlich, kurzfristig
abdisponieren, vorausgesetzt, daß sie an anderen Tagen des Be-
rechnungszeitraums entsprechend höhere Guthaben unterhalten. Die
Banken sind also nicht gezwungen, zusätzlich zu den Mindestreser-
ven besondere Guthaben bei der Zentralbank zur Abwicklung des
laufenden Zahlungsverkehrs zu unterhalten. Diese Guthaben der
Banken bei der Bundesbank haben damit gleichzeitig den Charakter
von 'A r b e i t s g u t h a b e n'. Ob die Kreditinstitute
hierfür mit geringeren durchschnittlichen Guthaben auskommen
könnten, wenn eine Reservepflicht nicht bestünde, läßt sich nicht
ohne weiteres feststellen... Die Banken sehen im allgemeinen kei-
nen Grund, höhere Guthaben bei der Bundesbank zu unterhalten, als
zur Erfüllung des Mindestreserve-Solls erforderlich ist. Tatsäch-
lich sind ihre Ü b e r s c h u ß r e s e r v e n, also der Be-
trag, um den die durchschnittlichen Guthaben das Reserve-Soll
nach Absetzung der anrechenbaren Kassenbestände überschreiten,
gewöhnlich ganz gering." (Die Deutsche Bundesbank..., S. 58 f.)
Was bleibt, ist der "Zwang" für die Bankenwelt, sich der Bundes-
bank als ihrer "Bank" zu bedienen. Die Liquidität des Bankensy-
stems insgesamt wird auf diese Weise eben zu einer Affäre zwi-
schen der Bundesbank und ihren mindestreservepflichtigen Ge-
schäftspartnern; sie bleibt nicht dem Wechsel von Aufschwung und
Krise, dem "Publikum" mit seinem "Überfluß" und dem ausländischen
Geldkapital überlassen, sondern wird auf dem Geldmarkt der Noten-
bank her- und sichergestellt:
"Die Sonderstellung der Bundesbank als 'Bank der Banken' ergibt
sich daraus, daß die Kreditinstitute in bestimmtem Umfang auf die
Versorgung mit Zentralbankguthaben (also Sichtguthaben bei der
Notenbank, die jederzeit in Bargeld umgetauscht werden können)
angewiesen sind, weil nur auf diese Weise die Zahlungsfähigkeit
des gesamten Bankensystems gewährleistet ist." (ebd., S. 19)
Praktisch sieht das so aus, daß die Geldbeschaffungsmaßnahmen der
Kreditinstitute unter ein eigenartiges Kriterium und einen eigen-
artigen Rhythmus gezwungen werden. Sie richten sich nicht mehr
hauptsächlich nach den Geldforderungen, die den Banken aus der
Geschäftswelt präsentiert werden, sondern nach der Höhe ihrer
Mindestreservepflicht und den festgelegten Stichtagen, an denen
diese erfüllt sein muß.
Zu diesen Terminen kommt regelmäßig ein schwunghafter Handel zwi-
schen den Banken in Gang, die sich zur Deckung ihrer Verpflich-
tungen gegenüber der Bundesbank wechselseitig ihre Bundesbankgut-
haben oder Tagesgeld zuschieben. Das ist keine betrügerische Um-
gehung der Mindestreservepflicht, sondern zulässige Praxis - und
auch zweckmäßig, weil es ja darum geht, das Schuldengeschäft zwi-
schen dem Bankgewerbe insgesamt und dessen Kundschaft auf der an-
deren Seite mit einer gewissen Masse von Bargeld zu verkoppeln,
die eben die Zahlungsfähigkeit der Bankenwelt als solcher sicher-
stellen - und deren Abhängigkeit von den Frankfurter Bargeldpro-
duzenten unterstreichen soll; aus demselben Grund sind Ausleihun-
gen zwischen mindestreservepflichtigen Banken von der Mindestre-
serve überhaupt ausgenommen.
Den Geschäftsbanken ist also im Interesse ihrer S o l i d i-
t ä t ü b e r h a u p t - und zwar auf D-Mark-Basis - ein
Liquiditätsbedarf auferlegt, den die Bundesbank als Veranstalter
dieses Zirkus nun allerdings selber nicht zur Schranke für die
lohnende Kreditschöpfung werden lassen will, und schon gar nicht
zu einem Problem, wenn eine beginnende Krise des nationalen
Geschäftslebens das Bedürfnis nach barer Zahlung und der
Bereitstellung entsprechender Mittel durch den Banksektor in die
Höhe treibt. So können sich die Banken über ihr Rediskont-Kontin-
gent hinaus Zentralbankgeld "an der Quelle" beschaffen, indem sie
Wertpapiere gewisser Kategorien, insbesondere Staatsschuldver-
schreibungen, deren Masse ja nie, also auch im Krisenfall nicht
zurückgeht, bei der Bundesbank beleihen. Der Zins, der ihnen da-
für berechnet wird, der Lombardsatz, ist höher als der im Redis-
kontgeschäft: Je mehr Kredit, über "das Übliche" hinaus, genommen
und gegeben wird, um so höher setzt die Bundesbank ihre Ansprüche
in die Rentabilität der finanzierten Geschäfte - womit a u c h
eine Pleitenwelle losgehen kann. Umgekehrt bewahrt die Finanzie-
rung durchs "Lombardfenster" - das deswegen allerdings manchmal
auch halb oder ganz "geschlossen" wird - die Geschäftswelt vor
allzu hohen Zinsen, wenn eine Liquiditätsklemme die Kosten für
Bargeld in die Höhe treibt. Auf diese Weise besteht die Bundes-
bank darauf, daß Liquiditätsengpässe wie deren Überwindung sich
in letzter Instanz auf dem Geldmarkt abspielen, den sie
"versorgt", dessen "Flüssigkeit" sie also garantiert. Für diese
Garantie braucht sie im übrigen gar nicht einmal darauf zu war-
ten, daß die Banken Bargeldbedarf anmelden. Wenn sie es für nötig
hält, ihre Noten in die Geschäftswelt zu schaufeln, dann kauft
sie "a m o f f e n e n M a r k t" Staatsanleihen auf, verwan-
delt also eigenhändig und auf eigene Rechnung die Schulden, mit
denen die Staatsgewalt sich zahlungsfähig gemacht hat, in zusätz-
liches Bargeld, das den Geschäftsfluß erleichtern und jedenfalls
dem Banken s y s t e m Zahlungskrisen ersparen soll.
Der bundesbankamtliche Idealismus einer Wirtschaftssteuerung
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ohne Planwirtschaft und seine Grundlage: Erfolg
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Mit einer e r f o l g s w i r k s a m e n S t e u e r u n g
des Kredits und des kreditierten Geschäftslebens hat es nichts zu
tun, wenn die Bundesbank auf diese Weise die Funktionstüchtigkeit
des Kreditüberbaus - und damit unvermeidlich auch dessen periodi-
sche Schwindelhaftigkeit - mitsamt der Bedienung jeglichen staat-
lichen Geldbedarfs s i c h e r t. Daß der fürchterlich über-
legte Einsatz der "geldpolitischen Instrumente" der Bundesbank
mit einem eindrucksvollen bundesdeutschen Wirtschaftswachstum
Hand in Hand geht, liegt nicht an dieser Politik, sondern an den
Millionen Konkurrenzerfolgen der kapitalistisch produzierenden D-
Mark-Besitzer; außerdem am positiven Ergebnis des devisenbörsli-
chen Vergleichs der Wirkungen bundesdeutscher Staatsverschul-
dungspolitik mit denen der Finanzpolitik anderer Länder; schließ-
lich am Interesse der sonstigen Geschäftswelt an einer deutschen
Gelduniform für ihr Kapital. Wo nicht das alles für eine Währung
spricht und sie "hart" macht, da wenden die Notenbankmanager un-
gefähr dieselben Methoden und Ideologien an wie die Bundesbanker
in Frankfurt - und dokumentieren damit bloß die Ohnmacht ihres
Ideals, durch geschicktes Gelddrucken die Mehrung des nationalen
Reichtums in sichere Bahnen zu lenken oder sogar in Gang zu brin-
gen. Derselbe Idealismus blamiert sich im Fall der Bundesbank
bloß deshalb nicht, weil die in D-Mark abgewickelten Geschäftser-
folge ihr das Leben leicht machen.
I h r Interesse an einer Geschäftswelt, die sich auf die in
Frankfurt betreute Währung als erstklassige Liquidität bezieht,
und das Geschäftsinteresse an einem Geldersatz, der wie Kredit
verfügbar ist und gleichwohl die Zuverlässigkeit wirklichen
Geldes besitzt, passen nahtlos zueinander. Die Bundesbank kommt
gar nicht erst in die Verlegenheit, die angeblichen "steuernden",
Erfolge bedingenden Wirkungen der von ihr imaginierten
"richtigen" Geldversorgung einmal ohne oder sogar gegen den Mate-
rialismus der Geschäftswelt durchsetzen, also auf eine praktische
Probe stellen zu müssen.
Wo andere Notenbanken dem hoffnungslosen Wunsch nachstreben, mit
viel Kreditgeld Wirtschaftswachstum erzwingen zu können, da sind
die Bundesbanker stolz darauf, daß sie "Zwang" nur in Form von
Geldmarkt-A n g e b o t e n ausüben - die eben in der Regel
wunschgemäß akzeptiert werden, weil sie de r Kundschaft in den
Kram passen. In vornehmer Liberalität formuliert sie ihre
"Zielvorgaben" gleich als "Korridor", zwischen dessen Wänden sich
Geld- und Kreditmasse mit ihrem Wachstum bewegen sollen. Und mit
ihren Zinssätzen will sie bestenfalls Untergrenzen setzen und
Obergrenzen "andeuten" - bislang allemal ungefähr genau die, die
das Gewerbe sich mit seinen verschiedenen Zinssätzen selbst ge-
setzt hat. Wenn das Ergebnis am Ende doch anders ausschaut als
vorhergesagt, dann konnte es der Bundesbank bisher trotzdem noch
allemal recht sein; so korrigiert sie in diesen Fällen bloß ganz
gelassen ihre nächsten Zielvorgaben und ist sich im übrigen nach
wie vor der Abhängigkeit der Geschäftswelt von ihren Entscheidun-
gen sicher.
Dieses Selbstbewußtsein pflegt die Bundesbank vor allem in Form
einer ungemein bornierten Begutachtung des wirtschaftlichen Ge-
schehens. Dieses stellt sich ihr dar als unendlich komplexes Ge-
füge von "L i q u i d i t ä t s b e w e g u n g e n", für deren
Ermittlung und Interpretation sie sich einen ebenso komplexen
theoretischen Apparat zugelegt hat. Bei der Lektüre der Bundes-
bank-Berichte schwirrt einem der Kopf über den zig "Faktoren",
die sie sich im Lauf der Jahre - immer im Nachvollzug dessen, was
sich die Banken an Kreditmanövern, Verdopplungen und Verhundert-
fachungen ausgedacht haben, um einen Kredit immer kreditlicher zu
machen - zugelegt hat; und es geht seitenweise fast so zu wie in
den Geisteswissenschaften: Wie soll man diesen oder jenen
"Liquiditätszuwachs" interpretieren? löst oder schafft er ein
Problem? läßt er sich mit einem "Liquiditätsrückgang" an anderer
Stelle verrechnen? handelt es sich nicht bloß um die Wirkung ei-
ner anderen "Bewegung"? vor allem aber: Was davon hat sie beein-
flußt und wodurch? und wie ließe sich ihr Einfluß noch besser zur
Geltung bringen?
Diese allgegenwärtige Fragestellung haben die Chefdenker des
Geldgeschäfts zu einer kompletten P s y c h o l o g i e des
Geldmarkts ausgebaut. In der wimmelt es nur so von "Signalen",
die "angenommen", "falsch verstanden" oder "überinterpretiert"
wurden; von Maßnahmen, die gar keine "Signale" sein sollten, aber
als solche "mißverstanden" wurden oder auch nicht; - also von
lauter Bildern, in denen sich die Bundesbank als eine Art Psycho-
therapeut aller Liquiditätsbedürfnisse präsentiert. So macht sie
wenigstens in der Theorie ihr Ideal wahr: Sie deutet ihren Willen
nur an, und schon machen die Banken das Richtige von allein, wenn
nicht schon vorher; sie wirkt und steuert als "unsichtbare
Hand"...
Der Materialismus der Bundesbank und ihres amtlichen
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Geldschwindels: Die Welt hat D-Mark-Noten als echtes Geld
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zu respektieren
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So zwar überhaupt nicht - aber die Bundesbank steckt sehr materi-
ell mit drin im nationalen Wirtschaftserfolg; nicht bloß als des-
sen zufriedener Buchhalter.
Kapitalisten aus aller Welt, und die einheimischen schon gleich,
nutzen ihre Zahlungs v e r s p r e c h e n ohne jedes Bedenken
als wirkliche Z a h l u n g, als "echtes" Geld. So wird die un-
mögliche Gleichung w a h r, die jede Staatsgewalt ihrer Noten-
bank als gesetzliche Garantie ins Stammbuch schreibt, aber n u r
p o l i t i s c h durchsetzen, n i c h t ö k o n o m i s c h,
nach den Sachgesetzen der staatlich gewollten Politökonomie, re-
alisieren kann: die Gleichsetzung von Kreditzetteln mit Geldmate-
rie. Von der imperialistisch agierenden, alles vergleichenden Ge-
schäftswelt benutzt und vermehrt, s i n d die D-Mark-Noten der
Bundesbank dann eben auch nationaler Reichtum in seiner wirkli-
chen, maßgeblichen abstrakten Gestalt; s i e - nicht der 100-
Milliarden-Bestand an Gold und Devisen - sind der politisch
u n d ökonomisch verbürgte n a t i o n a l e S c h a t z. Im
Erfolg dieser Gleichung, in der gelungenen Garantie ihrer überall
eingeschalteten Zettel als Geld, besteht der
M a t e r i a l i s m u s der Bundesbank, mit dem sie ihrer
Wirtschaft dient und nur ganz nebenher dem Finanzminister zu al-
lem Überfluß auch noch milliardenschwere Zinsgewinne als Beitrag
zum Haushalt ausschüttet.
D a r a u s erwächst den Bundesbankern auch die "Steuerungs"-
Macht, die sie wirklich haben und einsetzen, nämlich die über
a n d e r e W ä h r u n g e n. Denn dahin hat es ja nicht der
Dollar alleine gebracht, sondern in seinem Gefolge eben auch der
in der "harten" D-Mark vergegenständlichte bundesdeutsche Wirt-
schaftserfolg, daß die meisten Nationen mit ihren "weichen" Wäh-
rungen auf die weniger dankbare Rolle hoffnungsloser Schuldner
festgelegt sind. Die Banknoten auswärtiger Zentralbanken werden
auch durch Währungskredite der Bundesbank - direkt oder über den
IWF vergeben - überhaupt als Zahlungsmittel aufrechterhalten, die
für das weltweit frei agierende Kapital und für den ortsansässi-
gen Gewaltapparat noch brauchbar sind. Daß diese Zahlungsverspre-
chen sich auch ein bißchen auf die D-Mark als die versprochene
Zahlung beziehen d ü r f e n, macht sie überhaupt so zirkulati-
onsfähig, wie sie es immerhin sind.
So tragen die bundesdeutschen "Währungshüter" das Ihre dazu bei,
daß das Produktionsverhältnis namens Kapital in der ganzen freien
Welt Schuldscheine vorfindet, die eine nach den anspruchsvollsten
Maßstäben lohnende Ruinierung von Land und Leuten erlauben -
staatliche Ordnung samt Waffen und sonstigen Unkosten einge-
schlossen. Sie "hüten" die Erfolge des D-Mark-Imperialismus, die
wirklich nicht auf den D-Mark-Noten beruhen. Sondern... - aber
das geht die Frankfurter Geld-Schule wirklich gar nichts an!
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Deutsches Geld in aller Welt
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