Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK WOHNUNGEN - Der Staat bestellt sein Haus
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 14, 16.07.1980
TRIMM DICH FIT - SANIER MAL WIEDER
Daß es sich bei der Wohnungssanierung um den Einsatz von Kapital
zur Mehrung des Mietzinses handelt, was die einschlägigen Sanie-
rungsopfer nach sich zieht, ist dem Architekten stets eine eigen-
willige Kommentierung wert: "Statt schöner wurde mancher Innen-
stadtbereich noch häßlicher". Dieses erdrückende Problem scheint
jetzt aus der Welt geschafft mit dem neuen Programm der
"behutsamen Sanierung".
Das Überzeugende an dieser Lösung für die Mieter, die bisher nur
Sanierungsopfer waren, ist, daß sie nun selbst welche bringen
dürfen. Eigentlich ist Sanierung nämlich überflüssig, wenn die
Bewohner bereit sind, "von hochgeschraubten Wohnungsstandards ab-
zugehen"; und schließlich lernen die Architekten schon auf der
Uni, was die eigentlichen Bedürfnisse der "Benutzer" sind. Ist es
da noch eine Frage, daß Zentralheizung und gestrichene Wände zu
den besagten überzogenen 'Standards' zu zählen sind? So ist es
doch nur recht und billig, den Mietern nahezulegen, "auf Sammel-
heizungen zu verzichten und die Malerarbeiten selber zu machen."
Als moderner Architekt war man schon immer für das Konzept der
Selbstverwirklichung.
Auf diese Weise kommt auch die "Benutzerbezogenheit" nicht zu
kurz. Wer möchte schon bestreiten, daß es sich bei den Bewohnern
solcher sanierungsbedürftiger Behausungen um solche handelt, die
ein starkes Bedürfnis entwickelt haben, Wohnkomfort als Abzug von
ihrem Geldbeutel zu betrachten, und sicher begeistert bei der Sa-
che sind, einen Teil der fälligen Mieterhöhungen eigenhändig ab-
zuarbeiten und so dem Hausbesitzer "fast ohne eigenes Geld und zu
tragbaren Belastungen" bei der Sanierung zur Hand zu gehen.
Auch die soziale Verantwortlung des Architekten kann hier so
richtig zur Geltung kommen. Waren es doch gescheite Architekten,
die ausgerechnet haben, daß solch eine "behutsame Sanierung"
nicht zuletzt die Staatskasse gesund macht, die eh für andere
Aufgaben da sein sollte:
"Die Stadt spart auf diese Weise ein Mittel des sonst üblichen
Subventionsaufwandes für Modernisierungen und im Vergleich zum
Neubau von Sozialwohnungen die Hälfte der Fördermittel ein."
(Alle Zitate aus "Spiegel" Nr. 26/80)
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