Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK WOHNUNGEN - Der Staat bestellt sein Haus


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       Raumplaner zur Wohnungsfrage:
       

EINE THEORETISCHE TOTALRENOVIERUNG DER WOHNUNGSNOT IM KAPITALISMUS

Im Institut für Raumplanung gehört es einfach zum guten Ton, daß man sich um die Armutsviertel im Ruhrgebiet kümmert - sei es im Studium in Projekten des Kalibers "Hinterhofbegrünung in Dort- mund-Derne", sei es in den Publikationen der gehobeneren Vertre- ter des Faches, z.B. über "Stadterneuerung mit den Bewohnern der Rheinpreußensiedlung" in Duisburg-Homberg. Was sie dabei an diesen Vorzeigeflecken proletarischer Armut plus dazugehöriger Wohnkultur bemerken, ist der Umstand, wie wenig hierzulande ein vernünftiges Dach über dem Kopf zu den Selbstver- ständlichkeiten des Daseins zählt und daß dies überhaupt einzig eine Frage des Portemonnaies ist. "Wer das zweifelhafte Vergnügen hat, eine Wohnung suchen zu müs- sen, steht vor einem außerordentlich unterschiedlichen Angebot: alte Wohnungen mit mäßigen, neue mit hohen Mieten... Dabei stellt sich schnell heraus: es gibt ein umfangreiches Angebot an teuren, gut ausgestatteten Wohnungen - die billigen aber sind rar." (R. Neef, Wohnungswesen, Texte für RPL, S. 1) Was den gewöhnlichen Wohnungssuchenden so mißvergnüglich stimmt, sind die Maßstäbe, nach denen auf dem freien Wohnungsmarkt ver- und gemietet wird: - Der Wohnungseigentümer nützt seinen Besitz nicht zum Wohnen sondern als Einkommensquelle, er vermietet deswegen nur unter der Bedingung und zu dem Zweck, aus dem Interesse der Leute an einem Dach über den Kopf ein für sich lohnendes Geschäft zu machen; manche "teure" Wohnung steht so eher leer, als daß sie billiger wird; - Ein "Angebot" stellt der Wohnungsmarkt daher auch nur für die begrenzte Anzahl der Leute dar, denen das Geldausgeben keine Schwierigkeiten bereitet. Wer hingegen mehr mit dem Einteilen seines Monatsgehaltes beschäftigt ist, registriert alsbald, daß die zu zahlende Miete der meisten offerierten Wohnungen nicht nur der Preis ist, zu dem man sie bekommt, sondern auch der Grund, warum er sie n i c h t bekommt. Die Austragung dieses Interessengegensatzes, der der Woh- nungsmarkt ist, offenbart auch die untergeordnete Rolle, die die Wohnungen selber und der Wunsch nach einer in der ganzen Angele- genheit spielen. Weder ist eine Wohnung einfach zum Bewohnen ge- baut, noch kann man mit dem bloßen Interesse an einer Wohnung irgendwelche Ansprüche anmelden - diesbezügliche Mißverständnisse hat der Rechtsstaat zuletzt den Hausbesetzern aus dem Kopf ge- schlagen. Daß eine Wohnung auch benützt wird und der Wohnungssu- chende eine findet, das hängt in einer freien Marktwirtschaft noch immer von einer e n t s c h e i d e n d e n Bedingung ab: die Sache mit dem Geld muß stimmen. Und die Miete, die der Eigen- tümer haben will und der Mieter aufbringen können muß, ist alles andere als ein Mechanismus, der Angebot und Nachfrage miteinander "vermittelt", den Wohnraum "verteilt" und die Wohnungssuchenden "versorgt". Für die Leute, deren Einkommen sich nach den Rentabi- litätsüberlegungen ihrer Arbeitgeber richtet und so den Reproduk- tionsbedürfnissen ihrer Bezieher Grenzen setzt, stellt sie näm- lich in zweifacher Hinsicht eine Schranke dar: nicht nur schei- tert an der geforderten Miete so mancher Wunsch nach einer "schö- nen" Wohnung, auch die gezahlte Miete für die "noch er- schwingliche" Behausung wird ja für das b l o ß e R e c h t aufgebraucht, in mehr oder weniger großer Nähe zum Arbeitsplatz auch wohnen zu dürfen, zieht also die Grenzen dessen, was man sich von seinem Monatsverdienst inner- und außerhalb der eigenen vier Wände leisten kann, gleich um ein beträchtliches Stück en- ger. So weit die Praxis. Die Verwechslung des Wohnungsmarkts mit einem versagenden --------------------------------------------------------- Mechanismus gerechter Wohnchancen-Verteilung -------------------------------------------- In der Theorie der Raumplaner sieht das ganz anders aus. Hier spielt das Bedürfnis nach einer Wohnung nicht - wie in der Wirk- lichkeit der Marktwirtschaft - den untergeordneten Part einer Voraussetzung, die ein ganzer Geschäftszweig als Einkommensquelle a u s n ü t z t, sondern wird als "hohes Gut" gehandelt, dem die ganze Gesellschaft v e r p f l i c h t e t zu sein habe. Hier wird der freie Markt als Methode der gerechten "Wohnraumversor- gung" beurteilt, als müßte er sich daran ausweisen, wo er doch genau umgekehrt seine ganz eigenen Maßstäbe in die Welt setzt und durchsetzt, nach denen sich entscheidet, wen er ob und wie mit Wohnraum "versorgt". Daß der freie Wohnungsmarkt nicht so funktioniert, wie sie den- ken, daß er solle, wissen die Raumplantheoretiker auch. Bloß für sachfremd möchten sie ihre Lagebeurteilungen deswegen noch lange nicht halten. Wenn sie konstatieren, daß sich die "Wohnungsversorgung" nicht nach ihren Kriterien richtet, halten sie diese Differenz zwischen ihrer Vorstellung und der Realität nämlich für eine Kritik, die die Realität trifft und nicht ihre Vorstellung: "Als einen wichtigen Inhalt von Lebensbedingungen nehme ich die Wohnchancen... Wohnchancen werden also vor allem dadurch be- stimmt, inwieweit es für jedermann möglich ist, eine Wohnung, die diesen und anderen Minima entspricht, zu angemessenen Bedingungen zu finden. Unter den derzeitigen Bedingungen ist diese Möglich- keit vor allem über das Verhältnis von Miete und Zahlungsfähig- keit des Haushalts... gekennzeichnet. Um also die Frage: 'Wen trifft's?' hier möglichst präzise zu behandeln, soll die Entwick- lung der Wohnchancen für benachteiligte Gruppen anhand dieses Indikators dargestellt werden... Hier kommt eine Ungleichvertei- lung der Wohnchancen zum Ausdruck." (Selle, Thesen zur Entwick- lung von Wohnchancen) Daß der Wohnungsmarkt jedermann "Wohnchancen" offeriert, hat der Raumplaner sicher nicht auf dem Wohnungsmarkt entdeckt - da hat er ja festgestellt, daß bei einer ganzen Reihe von Leuten davon nicht die Rede sein könne. Daß es da um "Gleichverteilung" gehe, auch das hat er nicht festgestellt, er bemerkt ja eine beträcht- liche "Ungleichverteilung". Das Prinzip der "Gleichverteilung von Wohnungschancen" ist ihm überhaupt nur durch seine A b w e s e n h e i t i n d e r R e a l i t ä t a u f g e f a l l e n - ein Widerspruch, der sich ergibt, wenn man die eigene Vorstellung von der gesellschaftlichen Nützlich- keit des Wohnungsmarkts diesem als dessen eigentlichen gesell- schaftlichen Zweck unterstellt. Und diese verkehrte Unterstel- lung, die den Interessengegensatz zwischen Wohnungseigentümer und Wohnungssucher als Veranstaltung zur Lösung eines Gemein- schaftsproblems interpretiert, will eine noch so "präzise" empirische Untersuchung der "Wohnungsfrage" in der BRD nie mehr korrigieren. Denn da wird ja nicht der theoretische Einfall über- prüft, umgekehrt wird m i t i h m die Lage der mehr oder min- der glücklichen Wohnungsbenutzer beurteilt. So erscheinen dann "Miete und Zahlungsfähigkeit des Haushalts" als Wohnchancen- Verteilungsinstrumente, deren Tauglichkeit für diesen ihnen zuer- dachten Zweck ausgiebig problematisiert werden kann. Und die nach jahrelangen mühevollen Erhebungen fällige Verkündung des vorher feststehenden wissenschaftlichen Resultats: Von einer Gleich- verteilung der Wohnungschancen kann keine Rede sein! ist kritisch nur gegen jede Wahrheit über das, was ein kapitalistischer Woh- nungsmarkt leistet. Natürlich sind einem die Opfer der Gesetze der freien Marktwirt- schaft nicht entgangen: "Lohnabhängigkeit und Wohnabhängigkeit - jenes doppelte Charakte- ristikum der Lebenssituation der 'kleinen Leute' in großen Städ- ten - erzeugt hier eine 'Zangenwirkung', die deutlich sichtbar Reproduktionschancen verschlechtert." (Selle), aber man präsentiert diejenigen, die sich für das Wachstum des gesellschaftlichen Reichtums in der BRD hergeben dürfen, als in der originellen Addition von Lohn & Wohn gleich zweimal Zukurz- gekommene beim gemeinschaftlichen Chancen-Kuchen-Verteilen - so als wäre nicht die Höhe des Lohns der Grund dafür, daß die Miete zu teuer ist. Weil man aber nicht das Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital erklären will, das schon dem gewöhnlichen Arbeiter- haushalt (nicht nur) das Zahlen der Wohnungsmiete schwer macht, sondern das Bild von einer Gesellschaft verbreiten möchte, die ihren Mitgliedern mehr oder minder große Gratifikationen zukommen läßt, entdeckt man auch die Ärmsten als welche, die von den Vorteilen, die unsere Marktwirtschaft bietet, nicht bedacht, also ganz besonders "benachteiligt" sind: "Es sind dies diejenigen Stadtbewohner, die keinen Arbeitsplatz mehr finden, deren Einkommen unterdurchschnittlich ist oder die sozialen Gruppen angehören, die von Vermietern (oder Arbeitge- bern) diskriminiert werden." (Selle) Die Geschichte von der "Randgruppe", die gar nicht mehr so recht zur Gemeinschaft der Wohnchancennützer dazugehört, haben die Be- troffenen freilich ganz umgekehrt kennengelernt: mit ihnen ist nämlich nicht anders, sondern nach den gleichen Maßstäben ver- fahren worden wie mit einem gewöhnlichen Lohnabhängigen auch: wer eingestellt wird, weil sich seine Arbeit für den Betrieb lohnt, wird auch entlassen, wenn er sich nicht mehr rentiert; wer eine Wohnung bekommt, weil er zahlen kann, bekommt keine, wenn er nicht genügend Geld hat; wer entscheiden darf, wen er einstellt und wem er vermietet, der gebraucht seine ihm durch sein Eigentum staatlich verliehene Macht und mißbraucht sie nicht... Summa summarum führt die lange Liste der Häßlichkeiten, die ein freier Wohnungsmarkt gewohnheitsmäßig produziert, in der eigen- tümlichen Betrachtungsweise der Raumplaner nie zu einer Kritik des Prinzips, n a c h d e m e r f u n k t i o n i e r t, sondern zielstrebig zu der Klage, daß er seinem eigentlichen gesellschaftlichen Auftrag, den sich der Theoretiker für ihn ausgedacht hat, n i c h t s o r e c h t e r f ü l l e. Und wer diesen "Mangel" abzustellen habe, ist kein Geheimnis. Die Verwechslung des Sozialstaats --------------------------------- mit einem schlechten Anwalt der armen Mieter -------------------------------------------- An der Ideologie, daß der Sozialstaat dazu da sei, als eine Art übergeordnete Anstalt zum Ausgleich der Härten zu funktionieren, die das Grundeigentum den auf eine Wohnung angewiesenen Lohnar- beitern beschert, haben Raumplaner nämlich noch nie gezweifelt. In Büchern mit Titeln wie "Wohnungssektor zwischen Sozialpolitik und Kapitalinteresse", "Wie sozial ist der soziale Wohnungsbau?" etc. wird den Maßnahmen des Sozialstaats vom Wohngeld bis zum so- zialen Wohnungsbau sehr grundsätzlich die gute Absicht beschei- nigt, Leistungen zur Behebung oder Vermeidung von Wohnungspro- blemen zu erbringen. Wenn sie jedoch die Resultate der sozialen Wohnungspolitik bilanzieren, stellt sich auch hier keine reine Freude ein: "Obwohl das Versagen eines rein privatwirtschaftlichen Wohnungs- baus bei der Versorgung von Bevölkerungsgruppen mit niedrigen Einkommen schon zu Anfang des Jahrhunderts offensichtlich wurde, ist die bisherige staatliche Wohnungspolitik in der Bun- desrepublik Deutschland bis heute und in jüngster Zeit verstärkt von der Auffassung beherrscht, daß eine ausreichende Woh- nungsproduktion für die Bevölkerungsgruppen mit niedrigen Einkom- mensgruppen vorrangig durch finanzielle Anreize und mietsenkende Subventionen für privatwirtschaftliche Wohnungsbauträger gewährleistet werden kann." (Grüber) Wenn man es für das Erfolgskriterium des privatwirtschaftlichen Wohnungsbaus hält, "die Bevölkerungsgruppen mit niedrigen Ein- kommen" mit Wohnraum zu versorgen, dann hat der natürlich "v e r s a g t" (der privatwirtschaftliche Wohnungsbau mißt s e i n e n Erfolg derweil im Geld, das er mit seinen Wohnungen verdient hat). Weil man dennoch an der Gültigkeit des "Ver- sorgungsprinzips" in der freien und sozialen Marktwirtschaft glauben will, taucht der Sozialstaat als der rettende Engel auf. Und wo auch dessen soziales Management der Wohnungsnot diese nicht beseitigt, da muß dann bei der Wohnungspolitik was s c h i e f g e l a u f e n sein, damit die Vorstellung von der gutgemeinten Absicht einmal mehr überleben kann. So gedankenlos die Forderung ist, ein erfolgreicher Sozialstaat habe eine "reine" Privatwirtschaft dahingehend zu ergänzen, daß zwar nicht das Privateigentum, wohl aber dessen negative Folgen für die Eigentumslosen abgeschafft werden, so perfekt ersetzt sie jeden Gedanken an die Kriterien, nach denen der soziale Wohnungsbau ganz im Sinne seiner Macher betrieben wird (vgl. hierzu nebenste- henden Kasten). *** Andererseits sind Planer bei der Auspinselung ihrer unerfüllt- schönen Vorstellung vom Sozialstaat scharf darauf, sich als höchst realistische Idealisten staatlicher Wohnungspolitik aufzu- führen. Das Eigentum, auf dessen Existenz "realitätsbewußt" ver- wiesen wird, muß in seiner raumplanerischen Verwandlung als "Planungsdatum" für die Organisation einer mieterfreundlichen Welt berücksichtigt werden. Kaum reden solche Leute z.B. über eine kommunal bezuschußte Erhaltung des Wohnungseigentums und seiner Verwertbarkeit, machen sie sich nach der Methode "die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen" ans Sortieren: für wie mieterfreundlich kann man unter den gegebenen Umständen von Eigentum und Armut den Umgang mit dem Wohnungseigentum hal- ten? Jede Maßnahme in Sachen "Wohnumfeld-verbesserung" gilt da als "gebrauchswertorientiert" und mieterfreundlich, wenn man erstmal vergessen will, daß da Wohnungs e i g e n t u m erhalten und gepflegt wird. Daran erinnert man sich unter der Überschrift "Mögliche Nachteile für den Mieter" dann wieder, wenn man dro- hende Mieterhöhungen und Kündigungen als Konsequenz der so gut gemeinten Veranstaltung in Betracht zieht. Da heißt es abwägen! Zum Schluß bleibt nicht selten der mieterfreundliche Trost über, daß auch die Unterlassung von Sanierungen einen nicht vor höherer Miete schützt. Wenn man so feststellt, daß "unter den gegebenen Bedingungen" (eine raumplanerübliche Floskel, hinter der sich die t h e o- r e t i s c h e A k z e p t a n z der politischen und ökono- mischen Interessen von Staat und Eigentum a l s S a c h- z w a n g verbirgt) es dem Raumplaner nur "begrenzt" möglich ist, für die Mieter etwas zu tun, ist es nur konsequent, daß man in dem so mühevoll konstruierten und beklagten D i l e m m a auch die hoffnungsstiftende positive Seite der C h a n c e sieht. Wenn schon die Wirtschaft "versagt" und der Sozialstaat "nicht tut, was er tun sollte" und beides sich auch "so ohne weiteres nicht ändern läßt" (als ob man das je gewollt hätte!), dann muß man eben in der Not eine Tugend erblicken. Und siehe da: unter Raumplanern ist es in der letzten Zeit Mode geworden, zu "entdecken", daß nicht Staat und Wirtschaft, sondern d e r a r m e M i e t e r s e l b e r überhaupt die geeignetste Figur ist, um sich aus seiner Wohnungsmisere zu befreien. Und er hat das ja schon längst auch getan! Man hat es bisher bloß über- sehen! Mit dem Etikett "Wohnpolitische Gegenpositionen" wird die interessierte Feststellung versehen, daß der Erwerb so mancher "Wohnungsqualität" mit Geld nicht zu machen ist - am fehlenden Geld also auch nicht scheitern kann: "Es geht hier um Vertrautheit mit dem Ort, 'gewohnte' Lebenszu- sammenhänge, stadtstrukturell und -historisch bedeutsame Verbin- dung von Nutzung, Nutzern und Gebautem." (Selle) "Besonders deutliche Beispiele solcher Heimatbindungen sind in den Arbeitersiedlungen im Ruhrgebiet zu finden." (Selle) Die Kunstfertigkeiten, mit denen sich die "kleinen Leute" in ih- rer Armut einrichten, werden da bewundernd registriert, ganz so als wären das f r e i g e w ä h l t e M o d e l l e einer gelungenen Lebensgestaltung. Den banalen Umstand, daß sie da "zu Hause" sind, wo sie ihr Leben lang arbeiten dürfen und wohnen können, stilisiert der Theoretiker in der Gewißheit, daß jede "realistische" Alternative für die Leute bestimmt keine bessere wäre, zu einer ganz besonderen Sorte von Entsprechungsverhältnis: da p a s s e alles so wunderbar z u s a m m e n - der Charak- ter der Menschen zum Charakter der Wohnungen und ihrer Umgebung. So gelangen dann ausgerechnet die ärmsten Siedlungen, wenn sie nur ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben, zu der unverhofften Ehre, von besorgten Raumplanern als seltene soziale Biotope ge- schützt und gepflegt zu werden. *** Der "soziale Wohnungsbau": Wohnen muß sich lohnen ------------------------------------------------- Infolge der Geschäftspflichtigkeit des Eigentums wird das L e b e n für die Mehrheit des Volkes zu einem ziemlich teuren Luxus, noch ehe es richtig angefangen hat. Das W o h n bedürfnis hat seinen steigenden Preis; denn außer dem Ertrag für das in Baulichkeiten verausgabte Kapital, das sich lohnen soll, zahlt der Mieter auch noch die Grundrente, verzinst also den Wert von Grund und Boden. Dabei k o n k u r r i e r t das Wohnen mit der Nutzung für Büros, Kaufhäuser, Luxusunterkünfte und andere höhere und vor allem zahlungskräftigere Zwecke. Daraus folgt: Je belebter die Stadt, je flotter der allgemeine Geschäftsgang, je freier der Wohnungsmarkt - um so sicherer das Wohngeschäft und um so kostspieliger das Wohnen. Die Lebensnotwendigkeiten der arbeitenden Mehrheit bleiben dabei erst einmal auf der Strecke. Damit es sich trotzdem l o h n t, für deren beschränkt zahlungsfähige Nachfrage zu bauen, hat der Sozialstaat den "s o z i a l e n W o h n u n g s b a u" ein- gerichtet. Eine feine Sache. Diejenigen, die sich keine normale Wohnung leisten können, haben ein Dach über dem Kopf - schäbig und teuer. Diejenigen, die Grund und Boden besitzen, werden subventioniert, damit sie nicht bloß auf steigenden Bodenpreis oder Geschäftsbaulichkeiten spekulieren. So sind ganze Stadtvier- tel mit staatlichen Geldern in Privatregie hochgezogen worden. Baugesellschaften mit solch sozialem Anstrich - sprich besonderen Geschäftsvergünstigungen, die bei Massenmietbau die Grundrente sichern - genießen außerdem auf Antrag auch noch den Status der G e m e i n n ü t z i g k e i t: Das befreit von Steuern und verpflichtet nur dazu, den größten Teil des Gewinns zu belassen, also sich an Grund und Boden weiter dumm und dämlich zu verdie- nen. Daran hat der Staat ebenfalls ein dringliches Interesse, und das gilt allenthalben als normal und sozial. zurück