Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK WOHNUNGEN - Der Staat bestellt sein Haus
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Die Regierung beschließt:
"KAMPF DER WOHNUNGSNOT" DURCH BESSERE GESCHÄFTE MIT DER MIETE
Die DeMark ist der OstMark weit überlegen. Mindestens 20 zu 1.
Warum das so ist, wird laufend vorgeführt: weil man mit der West-
mark prima Geschäfte machen kann, die der Ostmark abgehen.
So zum Beispiel auf dem Wohnungsmarkt. Eine da investierte Mark
soll sich garantiert verzinsen. Das ist ehrenwert in der freien
(Wohnungs-) Marktwirtschaft - und führt zur sogenannten Wohnungs-
not.
Die besteht zwar überhaupt nicht in einem Mangel an Wohnungen.
Schließlich wird laufend gebaut in Stadt und Land. Und Wohnungen
werden in den Anzeigenteilen der Zeitungen laufend angeboten bzw.
aus Spekulationsgründen gerade nicht angeboten. Z. B. in den
"Ballungsräumen" Vierzimmerwohnungen schon für den Nettolohn ei-
nes durchschnittlichen Industriearbeiters - manchmal sogar warm.
Wer sich das leisten kann, leidet keine Wohnungsnot. Die löst
sich also auf in den ganz normalen Mietwucher der Wohnungsbe-
sitzer.
Nun hat die Bundesregierung nach intensiver Analyse der Situation
Maßnahmen gegen die "Wohnungsnot" beschlossen. Selbstverständlich
hat sie nicht einfach ein paar Milliarden Mark locker gemacht und
Wohnungen bestellt - die wären dann in einem Jahr etwa fertig -,
damit dort Leute einziehen können. Das wäre ja nicht marktwirt-
schaftlich, sondern praktisch für diejenigen, die sich die der-
zeitigen Mietpreise nicht leisten können. Und das würde am Ende
noch einigen Mietwucherern das Geschäft um ein paar Kröten ver-
schlechtern.
Die Bundesregierung hat beschlossen, das G e s c h ä f t mit
der Miete zu verbessern. Sie verbilligt aufgenommene Kredite für
Geldanlagen im Wohnungsbau, sei es durch Steuererleichterungen,
sei es durch Zinszuschüsse. Sie macht auch das Geschäft mit Sozi-
alwohnungen, für die ein durchschnittlicher Lohnbezieher
"Fehlbelegungsabgabe" zahlen muß, wieder einträglich für Groß-
anleger auf diesem Marktsektor.
Alle diese neuen Maßnahmen verfehlen ihre Wirkung auf den Woh-
nungsmarkt nicht: Die Aussicht auf ein (noch) besseres Geschäft
mit der Miete führt zu vermehrter Anlage in Grund, Boden und
Wohnbauten. Die Preise für neue wie für Altbauten explodieren.
Die Mieten folgen dank der Marktanpassungsfähigkeit der Vermie-
ter. Der Markt funktioniert also, und die Aktien der Bau-
unternehmer steigen.
Damit das Gesetz von Angebot und Nachfrage künftig noch direkter
in Mieterhöhungen umgesetzt werden kann, hat die Bundesregierung
- zur Linderung der Wohnungsnot, versteht sich - neben der Er-
leichterung von Zeitmietverträgen "eine vereinfachte Mietver-
tragskündigung" beschlossen.
Die gegenwärtige Sorte von "Wohnungsnot" bleibt also garantiert
erhalten - wieviel Wohnungen auch immer neu gebaut werden. Und
weil unsere Marktwirtschaft nicht nur frei, sondern auch sozial
ist, hat die Bundesregierung auch etwas für die Mieter getan. Das
Wohngeld wird in Ballungsräumen um bis zu 10 (in Worten: zehn)
Mark monatlich erhöht.
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