Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK WOHNUNGEN - Der Staat bestellt sein Haus
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Warum verdient wer wieviel
DER WOHNUNGSMAKLER
Wer eine Wohnung mieten muß, kriegt es in der Regel erst einmal
mit einem Makler zu tun. Der hat sich als Dritter in das Geschäft
mit dem Wohnen eingeschaltet, einfach um dabei auch noch pro
Mietvertrag ein paar Tausender abzukassieren. Deswegen ist dieser
Berufsstand ziemlich unbeliebt. Makler gelten als Halsabschnei-
der, die für die Gesellschaft nichts leisten. Dabei tut der Mak-
ler nichts Unrechtes und deshalb lebt dieser Berufsstand sehr gut
mit seinem schlechten Ruf.
Er erbringt nämlich eine erstklassige marktwirtschaftliche
"Serviceleistung". Er ist der Manager des freien Wohnungsmarktes
und beiden Seiten zu Diensten. Den Mietern wie den Vermietern.
Dem Haus- und Grundeigentümer verschafft er zahlungswillige und
zahlungsfähige Menschen, die ihm das Haus- und Grundeigentum ver-
zinsen. Der Makler garantiert dem Eigentümer die Bequemlichkeit,
bei Bedarf genau den "passenden" Mieter präsentiert zu bekommen,
ohne daß er als Wohnungsbesitzer dafür einen Finger rühren muß.
Dafür berechnet der Makler dem Eigentümer - nichts.
Den Wohnungssuchenden gegenüber vertritt der Makler dann das Mo-
nopol an Grund und Boden. Damit hat er alles Nötige, um aus der
Not anderer ein Geschäft für sich zu machen. Denjenigen, die ein
Dach über dem Kopf brauchen, "besorgt" er die Wohnungen, die "der
Markt" gerade "bietet", vorausgesetzt, sie können die verlangte
Miete zahlen. Diese "Vermittlung" ist überhaupt nur deswegen un-
umgänglich, weil der Makler daraus seine Geschäftssparte gemacht
hat. Seine Vermittler"leistung" - in der Regel besteht die aus
einigen Telefonaten und Zeitungsanzeigen - läßt er sich gut be-
zahlen. Und zwar vom Mieter.
Marktwirtschaftlich gesehen, geht das alles schwer in Ordnung.
Wer aufgrund des Eigentumsrechtes von seinen Lebensnotwen-
digkeiten ausgeschlossen ist, muß an die zahlen, von denen er da-
mit abhängig ist. Also hat er auch für das Geschäft mit dem Woh-
nen geradezustehen.
Manchmal werden Makler unverschämt. Dann gelten sie als "schwarze
Schafe". Aber das ist letztlich ungerecht und nie so ganz ernst
gemeint. Denn auch das schwärzeste Schaf kann nur soviel verlan-
gen, wie der Markt hergibt. Und wenn Wohnungssuchende solange ge-
sucht haben, daß sie zuguterletzt sogar zwei bis fünf Monatsmie-
ten an Maklergebühr zahlen, um ein Dach über dem Kopf zu haben,
dann sind diese Tausender ein ganz ehrlicher Marktpreis, eben
w e i l sie gezahlt werden. Wie sonst werden Preise gemacht? Ab
wann soll denn das ehrliche Geschäft zum unehrlichen Wucher wer-
den? Wo gibt es denn sonst den erfolgreichen Geschäftsmann, der
aus der Verfügung über die Mittel, auf welche andere unbedingt
angewiesen sind, nicht das maximale Geld macht?
Also gilt allemal: Der Makler ist ein Halsabschneider und damit
ein ehrenwertes Mitglied der Geschäftswelt. Er kann und macht ge-
nau das, was auch in anderen Branchen ein Ausweis erfolgreichen
Managements ist: Die Abhängigkeit von eigentumslosen Leuten mit
knappem Geldbeutel für das Geschäft auszunutzen, so gut es nur
geht.
Das ist übrigens auch schon die ganze Qualifikation, die man für
diesen Beruf mitbringen muß.
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