Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK RENTEN - Die Oma unterm Wertgesetz
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Blüms Rentenreform
Ganz einfach:
MEHR ZAHLEN, WENIGER BEKOMMEN
Etwas untergegangen im angeblichen "Taumel der Begeisterung" der
hiesigen Bevölkerung über den "Freiheitsdrang unserer Brüder und
Schwestern" ist das neuerliche "Jahrhundertwerk" des obersten
bundesdeutschen Armutsbetreuers Norbert Blüm.
Gemeinsam mit der SPD-Opposition hat die Regierungskoalition ein
neues Kapitel in Sachen soziale Marktwirtschaft geschrieben und
dafür gesorgt, daß die Sprünge des künftigen Rentners Marke West
mit seiner hochgepriesenen DM-West in der Tasche noch etwas klei-
ner ausfallen als bisher schon.
Die Rentenhöhe
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Bislang galt die "Erhöhung" der Bruttolöhne der Arbeitnehmer als
Maßstab für die alljährliche Anpassung der Renten. Mit Beginn der
Rentenreform ab 1992 soll das Maß die Veränderung der Nettolöhne
sein. Politiker sind halt gerechte Leute. Die Beibehaltung der
alten Regelung hätte ja glatt bedeutet, daß die Rentner pro Jahr
prozentual mehr bekommen hätten als die Arbeitnehmerschaft. Und
das, wo sie doch gar nicht mehr arbeiten. Daß die Rente sowieso
im Normalfall nur etwas über 60% von dem ausmacht, was während
des Arbeitslebens schon immer wenig war, tut nichts zur Sache;
genausowenig wie der Umstand, daß es schon ein bezeichnendes
Licht auf die Entwicklung der Nettolöhne wirft, wenn der Staat
bei seiner Rentenreform d a r a u s für sich eine Kostensenkung
machen kann, daß er die Rente nicht mehr an die Bruttolohnent-
wicklung anpaßt. Und die Tatsache, daß sowieso immer alles teurer
wird, Inflation heißt das dann, geht die Rentenerhöhungen eh
nichts an. Das Verhältnis ist schon umgekehrt: Die Rentner haben
zu sehen, wie sie mit den steigenden Lebenshaltungskosten
zurechtkommen.
Die Beiträge
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Wie gesagt, Politiker sind gerechte Leute. Wieso sollen eigent-
lich nur die Rentner kürzer treten? Oben hält man nämlich auch
viel von Solidarität, vor allem dann, wenn es ums Zahlen geht.
Die Lösung ist einfach: Die Beiträge der Arbeitnehmer zur Renten-
kasse werden einfach erhöht. Von jetzt 18,7% auf 20,2% in zehn
Jahren, bis 21,4% in 20 Jahren.
Die Altersgrenze
Nur logisch: Wenn die Rente schon gesenkt wird und dafür die Bei-
träge steigen, dann ist es nur gerecht, wenn man den Lohn länger
beziehen darf, ja sogar über das 65. Lebensjahr hinaus:
"Vom Jahre 2001 an soll das Rentenalter schrittweise auf generell
65 Jahre erhöht werden. Bis 2005 soll die Altersgrenze jährlich
um drei Monate und danach um sechs Monate pro Jahr erhöht werden
... Auch Erwerbstätigkeit über das 65. Lebensjahr hinaus soll
möglich sein."
Haben die Herren Politiker dabei an sich gedacht oder wie? Vom
Standpunkt seiner Rentenkasse wäre es "unserem" Staat sicher sehr
recht, wenn die bundesdeutsche Arbeiter- und Angestellten-
mannschaft bis 67 oder 70 arbeiten würde. Bloß, dem Anspruch der
Betriebe an den Gesundheitszustand wie den Leistungsstand der Ar-
beiterschaft über 50 steht das schon etwas entgegen. Irgendwie
scheint es auch nicht zu Blüms Reformwerk zu passen, daß jeder,
der die 45 einmal überschritten hat, nur schwer wieder eine neue
Arbeitsstelle findet. Sind nicht "unsere neuen Mitbürger" aus der
DDR deshalb bei bundesdeutschen Unternehmern so hoch willkommen,
weil sie so jung und hochmotiviert sind? Ebensowenig scheint es
ins Bild zu passen, daß die Vorruhestandsregelung von den 59ern
genausoviel in Anspruch genommen wird, wie sie von den Betrieben
im Rahmen der Verjüngung ihrer Belegschaft angeboten wird. Das
Argument der Gewerkschaft gegen die Rentenreform, daß die Leute
sowieso nicht so lange arbeiten können, weil sie längst vorher
verschlissen sind, ist trotzdem ziemlich dumm. Auf die Verlänge-
rung der "Lebensarbeitszeit" ist die Blümsche Reform nämlich gar
nicht berechnet, schon eher aufs gerade Gegenteil: Jedes Jahr
Nichtarbeit bei verlängerter Beitragspflicht verkürzt die Höhe
der ausbezahlten Rente. Wie man mit einer niedrigeren Rente dann
über die Runden kommt, bleibt jedem selbst überlassen. Man kann
sich ja in das Antragswesen des Sozialstaats einreihen und darauf
hoffen, unter einen der dort aufgeführten Posten zu fallen. Dem
"veränderten Altersaufbau der Bevölkerung" ist damit auf alle
Fälle Rechnung getragen und das Rentenloch gestopft.
Noch ein kleiner Trost:
"Fremdrenten: Besser- oder Schlechterstellungen von Über- und
Aussiedlern im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung werden ab-
gebaut."
Na, da läßt sich doch gleich viel frohgemuter auf den "Lebens-
abend" blicken - oder?
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