Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK GESUNDHEIT - Ökonomie des Gesundheitswesens
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BILANZEN ÜBER GESUNDHEIT UND KRANKHEIT DER ARBEITENDEN MENSCHHEIT
Wer gesund oder noch halbwegs beieinander ist, geht arbeiten,
weil er Geld verdienen muß. Zwar ist es nicht unbekannt, daß es
auch eine Menge Kranke und Ausgemusterte gibt. Trotzdem - wer
rechnet schon damit, solange er gesund und arbeitsfähig ist, daß
i h m die Ruinierung der Gesundheit blühen könnte.
Die m a ß g e b l i c h e n S t e l l e n hierzulande sehen
die Dinge anders. Sie beschäftigen einen ganzen Haufen von Leu-
ten, die von Berufs wegen eine Art
Buchhaltung über den Zustand des Volkskörpers
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betreiben. Die Statistiker diverser staatlicher und halbstaatli-
cher Institutionen begutachten in öffentlichem Interesse den Ge-
sundheitszustand der Bevölkerung. Staat, Berufsgenossenschaften,
Kranken- und Rentenkassen und nicht zuletzt Gewerkschaften lassen
nachzählen, Statistiken anfertigen und Hochrechnungen darüber er-
stellen, wie es jetzt und zukünftig um die Gesundheit u n d um
die vergeigte Gesundheit der Leute steht. Alle maßgeblichen In-
stanzen gehen offensichtlich mit Selbstverständlichkeit davon
aus, daß in dem Laden, dem sie vorstehen, der
G r o ß v e r b r a u c h v o n G e s u n d h e i t zu den
allergewöhnlichsten Dingen zählt, und daß die Gesunden von heute
die sicheren Krankheitskandidaten von morgen sind.
Gesundheitszerstörung - keine Frage
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In ihren Hitlisten der Volkskrankheiten von Platz 1 bis 10 wissen
die Statistiker sehr genau zu vermelden, mit w e l c h e n
Krankheiten sich die Leute herumplagen, und sie wissen schon im
voraus ziemlich sicher, wie sich Herz-Kreislauferkrankungen, Er-
krankungen des Bewegungsapparates, Krebs und Atemwegserkrankungen
demnächst weiterverbreiten werden. Auch w i e v i e l e
Krankenversicherte und Rentenbeitragszahler w a n n krank wer-
den und dann schließlich aus dem Arbeitsleben ausscheiden, kalku-
lieren sie fast bis aufs Komma genau. 30jährige wie 60jährige
finden sich in der Kranken- und Invalidenstatistik. Da können
sich die Leute noch so fit fühlen - die Statistiker prognostizie-
ren schon, für wieviele welche Krankheit demnächst in Frage
kommt.
Die beliebte Vorstellung, daß einzelne wegen persönlichen Un-
glücks, besonderer Anfälligkeit oder wegen einer
a u ß e r gewöhnlich harten Arbeit krank würden, blamiert sich
angesichts solcher Zahlenwerke gründlich: Die Buchhalter von
Staat und Sozialkassen rechnen damit, daß die Leute unter ganz
gewöhnlichen Umständen massenhaft gesundheitlich ruiniert werden.
Ä n d e r n wollen die zuständigen Instanzen diesen Zustand ganz
sicher nicht, sondern k o n t r o l l i e r e n:
- Der Staat will ganz generell über die Beanspruchung der Gesund-
heit seiner Untertanen Bescheid wissen, um sich dann alle mögli-
chen Maßnahmen vorzubehalten. Z. B. Krankenkosten vermehrt den
Leuten aufzuhalsen, neue Grenzwerte der Vergiftung in den Fabri-
ken und in der 'Umwelt' zu erlauben usw. Er beaufsichtigt nämlich
eine Gesellschaft, in der es auf so Sachen wie
'Wirtschaftswachstum' und Kostensenkung ankommt, und die sind
ohne umfänglichen Gesundheitsverschleiß auf seiten der menschli-
chen Manövriermasse nicht zu haben.
- Die sozialen Verwalter der dabei anfallenden Opfer, Berufsge-
nossenschaften, Kranken- und Rentenkassen usw., wollen wissen,
wie sich die Reparatur- und Erhaltungskosten ihrer Mitglieder
entwickeln - immer mit Blick auf Beitragserhöhung und Leistungs-
begrenzung.
Alle maßgeblichen Instanzen haben die praktische Sicherheit, daß
so, wie sie die Lebensnotwendigkeiten der Leute organisiert haben
und die sozialen Folgen verwalten, prinzipiell keiner der Ge-
sundheitszerstörung auskommt. Das ist die Auskunft von oben, was
die Notwendigkeiten einer demokratisch-kapitalistischen Bundesre-
publik Deutschland an ihren gewöhnlichen Untertanen alles so an-
richten. Da sieht der Zweckoptimismus, den lohnabhängige Leute
sich fürs Zurechtkommen halten - 'mir wird schon gesundheitlich
nichts dazwischenkommen' - ganz schön alt aus, wo die
M a c h e r des Ladens namens BRD damit rechnen, daß darin mas-
senhaft Arbeiter kaputtgehen.
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