Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK GESUNDHEIT - Ökonomie des Gesundheitswesens
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Teach-In
Kritik des bundesdeutschen Gesundheitswesens:
GESUNDHEIT - EIN GUT UND SEIN PREIS
1.
Wie der Diskussion um das "Gesundheitsschutzgesetz" zu entnehmen
ist, ist das ärztliche Standesethos durch nichts zu erschüttern:
da bereitet der bundesdeutsche Staat den "Verteidigungsfall" vor,
verpflichtet seine Ärzteschaft darauf, die dann noch lebenden
menschlichen Überreste zu sichten und je nach Tauglichkeit für
Arbeits- bzw. Fronteinsatz wieder zusammenzuflicken - und was
sagt dazu die Standesorganisation der deutschen Ärzte? Sie weiß
auch diesen vom Staat angeordneten Einsatz als ihren "ärztlichen
Auftrag" zu würdigen, ein Auftrag, dessen "Qualität" für die
Standesvertreter gerade darin besteht, n i c h t s vom Grund
und Zweck der ärztlichen Hilfe wissen zu wollen:
"Die Zahl der Gefährdeten, Leidenden und Sterbenden ist für die
Qualität des ärztlichen Auftrags ebenso irrelevant, wie die Ursa-
chen der Gefährdung und Verletzung von Leib und Leben es sind."
(Deutsches Ärzteblatt)
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Leider wollen auch die Kritiker dieses ärztlichen Kriegsdienstes
("Ärzte warnen vor dem Atomtod") von den wirklichen Zwecken des
staatlich verordneten "Gesundheitsschutzes" nichts wissen. Statt-
dessen verfallen sie auf die ebenso standesbewußte wie verrückte
Idee, deshalb vor dem nächsten Krieg zu warnen, weil dieser es
den Ärzten so "schwer" bzw. "unmöglich" macht, ihrem verantwor-
tungsvollen "Dienst an der Gesundheit der Bevölkerung" nachzukom-
men:
"Der Atomkrieg macht jede medizinische Hilfe von vornherein aus-
sichtslos."
Von wegen: Warum will denn eigentlich kein Arzt darauf kommen,
daß die "medizinische Hilfe" im Krieg die größte Herausforderung
für das staatliche Gesundheitswesen darstellt: bei so massenhaf-
ter und radikaler Inanspruchnahme des Lebens der Bürger gibt es
zu tun wie noch nie - und das ärztliche Helferethos bekommt Stoff
jede Menge!
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Das wäre nämlich einmal etwas: Mediziner wundern sich darüber,
warum die Gesundheit, also das schlichte Faktum körperlicher Un-
versehrtheit in unserer Gesellschaft überhaupt als ein so hohes
Gut gilt, um das man sich gar nicht ernsthaft genug bekümmern
kann! Das, kann ja wohl nicht daran liegen, daß die Bevölkerung
nicht wüßte, was sie an einer gesunden Physis hat, so daß der
Staat sie immer wieder dazu anhalten müßte, sich ausreichend um
sie zu kümmern. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt: auf Ge-
sundheit kommt es deshalb so sehr an, weil für die Mehrheit der
Bevölkerung hierzulande die Schädigung ihrer Gesundheit die ganz
alltägliche Grundlage ihres Lebens ist, weil sie es sich deshalb
nicht leisten kann, krank zu werden - was die Wartezimmer der
Ärzte jedoch keineswegs leerer macht.
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Gesundheit ist in Wahrheit A r b e i t s f ä h i g k e i t, und
wer "richtig" krank ist, wird arbeits u n fähig geschrieben. Er
wird behandelt, soll sich wieder erholen - um wieder zu arbeiten.
Das Maß der Gesundheit liegt also nicht darin, was gemäß
m e d i z i n i s c h e m Wissen gegen Krankheit getan werden
kann, sondern darin, wie sich der Staat zwischen der Gesundheit
der Leute und der "Gesundheit" der Wirtschaft entscheidet - mit
eindeutigem Ausgang, der durch die aktuellen Maßnahmen zur
"Kostendämpfung" und den Beitragserhöhungen im Gesundheitswesen
bloß unterstrichen wird.
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Dem Staat ist die Volksgesundheit so wichtig, daß er für sie so-
gar ein eigenes Ressort eingerichtet hat. Auf den "Schutz des Le-
bens" und der Gesundheit gibt es einen gesetzlich garantierten
A n s p r u c h: ein unmißverständlicher Hinweis, daß der Sozi-
alstaat mit dem Ruin der normalen Existenzvoraussetzung seiner
Bürger rechnet und Gründe weiß, für die er deren Gesundheit aufs
Spiel setzt. Neben dem Recht auf Gesundheit ist sie auch eine
P f l i c h t, für deren Erfüllung der Staat ein umfängliches
Zwangssparen organisiert hat, an dessen Erträgen sich nicht nur
die Vertreter der bundesdeutschen Ärzteschaft gesund stoßen.
6
Auf dem TEACH-IN: "Gesundheit ein Gut und sein Preis" soll also
geklärt werden,
- warum Gesundheit hierzulande als ein Ideal behandelt wird - wie
sie praktisch vernutzt und gebraucht wird
- wer dafür zahlt
- wie man sie pflegt und warum auch kritische Mediziner die Ursa-
chen von Krankheiten nicht beseitigen wollen.
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