Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK GESUNDHEIT - Ökonomie des Gesundheitswesens
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Dortmunder Hochschulzeitung Nr. 2, 18.05.1982
Gesundheitssicherstellungsgesetz
BONN LENKT EIN
in Sachen "Gesundheitssicherstellungsgesetz das die
"Gesundheitsversorgung im atomaren Ernstfall" so zynisch regeln
sollte, daß kritische Mediziner dagegen Sturm liefen? Jetzt hat
die neue Ministerin Anke Fuchs das Argument der "Ärzte gegen den
Atomtod" aufgegriffen und sieht auch "keine Chance, die Bevölke-
rung im Falle eines Atomkriegs medizinisch zu versorgen."
(Süddeutsche Zeitung vom 11. Mai). Die listige Frau Fuchs benutzt
allerdings die fachmännischen Hinweise aus Ärztekreisen aus-
schließlich dazu, die Sache noch gründlicher anzupacken als ihre
Vorgängerin:
"Anke Fuchs hält es aus politisch-psychologischen Erwägungen für
falsch, ein Gesetz auszuformulieren, das nur als Vorbereitung für
den Kriegsfall interpretiert werde, in Wahrheit aber das Papier
nicht wert sei, auf dem es stehe. Solange die Länder ihre Kata-
strophenschutzeinrichtungen nicht verbessern, will die Ministerin
daher den Referentenentwurf in der Schublade lassen."
Die begleitenden Erläuterungen ihres Staatssekretärs Grobecker,
"ein wirkungsvoller Bevölkerungsschutz sei in einem Verteidi-
gungsfall mit Atombombeneinsatz überhaupt nicht möglich", sind
ebenfalls kein Beitrag zu mehr Ehrlichkeit in der Politik, son-
dern die offene Erklärung, daß die Bundesregierung das Verrecken
von Teilen ihres Volkes im atomaren Ernstfall miteinkalkuliert.
Sie denkt jedoch bereits ganz im Sinne der neuen NATO-Direktive,
derzufolge die "konventionelle" Kriegsführung materiell erheblich
besser ausgestattet werden soll. Hierfür hält Herr Grobecker "die
medizinischen Katastrophenschutzinstrumente bei weitem nicht für
ausreichend." Die Ärzte in der BRD können also aufatmen: Auch im
nächsten Krieg werden sie nur im Rahmen der Möglichkeiten ihrer
Kunst eingesetzt.
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