Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK GESUNDHEIT - Ökonomie des Gesundheitswesens


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       Argumente zur Kriegsmedizin, Juni 1981
       

EUTHANASIE AUF DEMOKRATISCH

Da gab es einmal vor gar nicht langer Zeit einen Staat in Deutschland, dem wurde übel angerechnet, daß er Leben und Gesund- heit seiner Bürger so "bedenkenlos" opferte. Dabei hatte sein Führer ganz zweckmäßige Bedenken angestellt: Ein paar Millionen mußten im Schützengraben für den Endsieg sterben. Ein paar wei- tere im Einsatz an der Heimatfront, wieder ein paar sollten die- sen Einsatz nicht stören und wurden gleich aus dem Verkehr gezo- gen. Leider war dem Unternehmen kein Erfolg beschieden, und das hätte natürlich besser bedacht werden können: "Sinnlose" Opfer nützen weder dem Staat, noch gereichen sie diesem selbst zur Ehre. Hätten die Juden z.B. nicht gute Soldaten abgeben können? Hätte man ihnen nicht wenigstens im KZ die Gesundheit nur so viel ruinieren können, daß sie im Durchschnitt länger als nur 3 Monate arbeitsfähig geblieben wären? Ein düsteres Kapitel der "Menschenverachtung" für den aufgeklärten Menschenrechtler von heute! Der diskutiert nämlich in Sachen Selektion sehr d i f f e r e n z i e r t: Von "Euthanasie-Programmen", die "von oben" - noch dazu "geheim" - ausgegeben werden, will er nichts wissen, wohl aber die "Sterbehilfe" problematisieren und beim "ungeborenen Leben" ein Wörtchen mitreden. Er sieht die "Gefahr, daß diese Auswahl nicht nach humanen Gesichtspunkten er- folgt ..." (Begemann)) das heißt unter Abwägung all dessen, was sich mit einem Trumm Mensch noch alles anstellen läßt. "Menschliche Würde" gebietet es dann auch abzutreten, wenn solcher Beitrag nicht (mehr) zu erwar- ten ist. Von solch "neuer Beweglichkeit" bürgerlichen Bewußtseins konnte ein Hitler nur träumen. Er sah sich beim Sortieren seines Men- schenmaterials ringsum von allzu mittelmäßigen Volksgenossen um- geben - wo er doch auf deren vollen Einsatz setzte: "Man kann wahrhaft einschneidende und manchmal schwer zu ertra- gende Verpflichtungen und Lasten nur dann zu einer allgemeinen Wirksamkeit bringen, wenn den einzelnen außer dem Zwang auch noch die Erkenntnis der Notwendigkeit vermittelt wird. Dazu gehört aber eine ungeheure Aufklärung unter Ausschaltung aller sonst noch ablenkend wirkenden Tagesfragen." (Mein Kampf, 272 f.) Heutige Propagandisten dessen, was beim Umgang des Staate mit seinem Kanonenfutter "vernünftig" ist, sind da Meister im "Ausschalten aller sonst noch ablenkend wirkenden Tagesfragen", als da etwa die nach dem G r u n d "militärischer Verwicklung" und ihrer Opfer wäre. S i e vergleichen die staatliche Festle- gung seiner Kriterien für "lebensunwertes Leben" im Kriegsfall mit einer Debatte, die ihnen den S c h e i n d e r N o t w e n d i g k e i t verleiht. Wie kann das Euthanasie-Pro- gramm, das sich die Bundesrepublik Deutschland in ihrem Gesund- heitssicherstellungsgesetz gegeben hat, dann auch nur in den Ruch der Ungeheuerlichkeit kommen - wo die Bedingungen des Überlebens und Sterbens so schön demokratisch debattiert und für mehr oder weniger "sachlich" befunden werden! Die seinerzeitige Billigung der Judenvergasung und des Abspritzens untauglicher Kostgänger des 3. Reiches war dagegen eher stillschweigend und noch in ihrer rassistischen Zuspitzung vergleichsweise matt - drückte sich in ihr doch nur prinzipiell die Gewißheit der Bevölkerung aus, daß die nationale Sache eben einige Opfer fordert, die sie wählt. Nicht daß es damals oder heute auf dieses nationale Bewußtsein anders ankäme, als zur willkommenen Begleitung der staatlichen Kriegsplanung zu dienen doch verrät die zeitgenössische völkische Gesinnung, wie sie sich in den engagierten Beiträgen ihrer Exper- ten in Lebens- und Tötungsfragen vorträgt, daß das moderne Deutschland über ein fortgeschrittenes Selbstbewußtsein verfügt, das die staatliche Euthanasie, die alle Glieder des deutschen Volkskörpers anvisiert ("lebensunwert" kann jedermanns Leben wer- den), als "Thema" akzeptiert und sich mit offener Unverfrorenheit zum e i g e n e n Anliegen macht: Welch überlegenes Gefühl der Freiheit! zurück