Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK GESUNDHEIT - Ökonomie des Gesundheitswesens
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 4, 24.11.1982
DIE VERSORGUNG MIT KREBS
ist gesichert. Nach Bekanntgabe des Bundesarbeitsministeriums
"denkt die Bundesregierung zur Zeit nicht an ein generelles
Verbot der krebserzeugenden Asbest-Stoffe" (Westfälische
Rundschau, 9.11.82). Was nichts anders heißt, als daß die
Tatsache, daß Asbest Krebs hervorruft, daß 840.000 Arbeiter
beruflich mit Asbest dauernd in Berührung kommen, daß 20% der
45.000 in der asbestverarbeitenden Industrie Beschäftigten an
Lungen- oder Bauchfellkrebs sterben, daß das alles hierzulande
kein Grund zu sein hat und damit keiner ist, den Umgang mit
Asbest einzustellen. Vielmehr gedenkt die Bundesregierung, auch
in Zukunft in Sachen Asbest über Leichen zu gehen, pardon: "keine
Arbeitsplätze in der Asbest-Industrie zu gefährden". So nennen
das Politiker heutzutage, wenn de ihr Interesse an
p r o f i t l i c h e r Verwendung von Arbeitern kundtun. Und
hier handelt es sich um deren 840.000, die ihren Fabrikherren bei
der Produktion von asbesthaltigen Produkten Gewinn erwirtschaften
- auf diese Industrie die "jährlich 3 Milliarden umsetzt", als
gar nicht kleine Einnahmequelle für den Staatssäckel wollen
Politiker nicht verzichten. E r s a t z s t o f f e gibt es
zwar auch - dies kein Geheimnis "bloß" ist bisher noch nicht
sichergestellt, daß die zuständigen Kapitalisten mit ihnen
zumindest genauso profitabel "arbeiten" wie mit Asbest. Sie
verwenden - wie es bei Opel und an deren Automobilfabriken der
Fall ist - für den Export in Länder, wo es gesetzlich so
vorgeschrieben ist, asbestfreie Bremsbeläge, hierzulande bleibt
der Asbest.
Für den bleibenden Einsatz dieses Krebserregers gibt es eine
staatlich verordnete "Technische Richtkonzentration für Asbest-
Staub", die die höchstzulässige Konzentration am Arbeitsplatz
festlegt: eine Million Faser pro Kubikmeter Luft. Alles darunter
fällt in die Abteilung a n g e m e s s e n e und z u l ä s-
s i g e Verseuchung der Luft und damit der Lungen mit Giftstaub.
Aber einen Trost gibt es dabei: "Die im Ostblock angewandte
rigorose Methode, an besonders krebsgefährdeten Arbeitsplätzen
nur Arbeitskräfte über 50 einzusetzen, weil der Lungenkrebs im
Durchschnitt 25 und mehr Jahre bis zu seiner Entfaltung braucht,
wird in der Bundesrepublik rigoros als inhuman verworfen" (WR).
Nein, das gibt es bei uns nicht: bei uns darf jeder ab seinem 17.
Lebensjahr ran an die besonders krebsgefährdeten Arbeitsplätze" -
wir leben schließlich in einer freien Welt.
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