Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK GESUNDHEIT - Ökonomie des Gesundheitswesens
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AIDS: Noch ein Merkblatt
PANIK UND PARISER
1.
Obwohl sich viele gedrückte und gesprochene Worte über das Leiden
des Jahres mit dem Titel "Aufklärung" zieren, genügen sie ganz
anderen Ansprüchen. Das hat gleich mehrere Gründe.
Einer davon ist die Tatsache, daß nicht jedermann in der Lage
ist, sich kundig zu machen; über die Regulation viraler Gene,
über das Eindringen einer viralen DNA in das zelluläre Genom,
über die Vererbung der viralen DNA auf Nachkommen infizierter
Zellen etc. - obgleich solches Zeugs das Wissen über das Wüten
des LAV/HTLV-III ausmacht und sehr wohl von p r a k t i-
s c h e r B e d e u t u n g ist.
Der zweite Grund liegt in dem Beschluß, deshalb den wirklichen
oder potentiellen Opfern gleich etwas anderes mitzuteilen: "Zur
wirksamen Bekämpfung von AIDS f e h l e n gegenwärtig sowohl
eine Prophylaxe als auch eine Therapie." Das geht in Ordnung; die
forschende Abteilung der Medizin macht sich gerade mit den Ge-
setzmäßigkeiten einer Krankheit vertraut, hat auch schon einiges
entdeckt, kann aber noch kein Mittel präsentieren, das den Immun-
mangelvirus bzw. sein Schädliches Wirken zunichte macht. Nicht in
Ordnung dagegen geht die im gleichen Atemzug unter die Leute ge-
brachte Parole: "Wenn alle sich schützen, hat AIDS keine Chance!"
Der dritte Grund dafür, daß auf dem Sektor AIDS eine Sorte Auf-
klärung betrieben wird, die zwischen Ratgebertum und Aufsichts-
wahn hin und her schwankt, geht aus dieser Losung hervor. Gemes-
sen am Bekenntnis der Fachwelt, der Krankheit (noch) nichts ent-
gegensetzen zu können, nimmt sich das Versprechen, jeder hätte es
in der Hand, ihr eine Abfuhr zu erteilen, sehr seltsam aus. Vor-
sicht ersetzt nämlich auch bei harmloseren Krankheiten nicht die
Medizin. Wenn dennoch so getan wird, so ist ein Wunsch am Werk.
Er richtet sich auf die Macht "aller", die V e r b r e i t u n g
der Krankheit zu bremsen, unter Berufung auf die (vorläufige)
Ohnmacht derer, die ansonsten fürs Gesundheitswesen zuständig
sind.
2.
Die virologischen Kenntnisse müssen erst in Handhaben zur prakti-
schen Bekämpfung der Krankheit überführt werden. Ein Schritt, der
einiges an m e d i z i n i s c h e n E x p e r i m e n t e n
notwendig macht, die ihr Erfolgskriterium nicht nur in der Ver-
hinderung der Virusinfektion haben. Die Risiken, die mit
"Nebenwirkungen" umschrieben werden, bilden einen gewichtigen Be-
standteil dieser Forschung, die durch die Entdeckung oder Schaf-
fung neuer Typen von Viren nicht einfacher wird. Forscherfleiß
und seine technischen Hilfsmittel entscheiden darüber, ob und
wann eine ätiologische Therapie bzw. ein Impfstoff zur Verfügung
steht. Daß auch das wieder eine F r a g e d e s G e l d e s
ist, kann man weder dem Virus noch dem Immunsystem der Sterbli-
chen anlasten. Wenn wie in Sachen Krebs, multiple Sklerose etc.
die Mildtätigkeit in Anspruch genommen wird, so ist das eine
Schande. Dasselbe gilt für die tägliche Berichterstattung von
Fällen und ihrer gemütvollen Ausdeutung durch Betroffene und Be-
rufene in Sachen Volksbetörung. Dergleichen zielt auf die Beför-
derung von Angst, die doch ansonsten in Kriegs- und Umweltfragen
kategorisch als "schlechter Ratgeber" so verpönt ist.
"Vernünftig" gibt sich der ganze Zirkus, der sich an
"berechtigter Furcht zu schaffen macht, ohne "Hysterie" erzeugen
zu wollen, unter Zuhilfenahme der Kenntnisse über die
I n f e k t i o n s w e g e. Der Virus gelangt über lymphozyten-
haltige Körperflüssigkeiten in die Blutbahn der lieben Mit-
menschen - und ausgerechnet d i e s e r Befund (der mit "fast
ausschließlich" ein wenig relativiert wird) bildet einem aufwen-
dig hergestellten Konsens zufolge die Handhabe im Kampf gegen die
Krankheit. Aufgeklärte Bürger dürfen sich zuerst eine handfeste
Panik zu eigen machen, um sich dann mit Hilfe eines Parisers wie-
der abzuregen.
3.
Der Hauptübertragungsweg, der unermüdlich als eine eigentlich
doch recht begrenzte Weise der Verbreitung von AIDS hingestellt
wird, ist leider das glatte Gegenteil von einer vermeidbaren Aus-
nahme. Was ist schon beruhigend an der Botschaft, daß das gemein-
same Trinken aus einem Abendmahlskelch sowie die Empfangnahme von
Wechselgeld keine Infektion zustandebringen, wenn die famosen
Schleimhautkontakte immerzu stattfinden? Das Geschlechtliche ge-
hört nun einmal zu den Vergnügungen, die - von einer Laune der
Natur angeregt, von gesellschaftlichen Neigungen verfeinert wie
verschärft - niemand missen will. So bleibt gerade Leuten, die
gelernt haben, sich ihrer Natur nicht zu schämen und sich auch
kein Gewissen daraus zu machen, wenn sie dem einen oder anderen
lieben Knopf an die Schleimhäute gehen, nichts anderes übrig: Sie
m ü s s e n sich in ihrem eigenen Interesse, weil sie auch ihren
Co. mögen und nicht schädigen mögen, Gewißheit verschaffen. Im
Ernstfall davon ablassen, was sich ja auch machen läßt, da die
Natur zwar zum Geschlechtlichen anstachelt, aber nichts erzwingt,
also auch keine Berufungsinstanz darstellt. Wer sich der
"Promiskuität" befleißigt, kann sich getrost einer "Risikogruppe"
zurechnen, auch wenn er seine Gruppe ansonsten anders zu definie-
ren gewohnt ist. Daß man/frau dabei auf Tests angewiesen ist, die
nur bedingt Gewißheit gestatten ist bedauerlich. Aber die Medizi-
ner sind den kontrollbeflissenen Behörden ja baldmöglichst ein-
deutigere Prüfungsverfahren schuldig.
Allerdings sollte man sich sein Blut auch nur wegen besagter
nüchterner Berechnung abzapfen lassen und nicht wegen der Seu-
chenleitung eines Gauweiler, also auch die paar Märker auf den
Tisch legen, die gegenwärtig reichen, um im Pechfall der Compu-
terkartei überflüssige Bits zu ersparen. Anrufe beim Fernsehen,
die sich ausgerechnet bei Innen- und Sozialministern erkundigen,
als wären die extra ausgebildete AIDS-Sanitäter, sind nicht nur
überflüssig. Sie sind auch schädlich auf ihre Weise, weil Demon-
strationen der verwegenen Sorte Zutrauen, welche die Obrigkeit
für sich beansprucht.
4.
Es ist ja schon schlimm genug, daß ein Bürger Marke 20. Jahrhun-
dert bei der Erhaltung bzw. Wiederherstellung seiner Gesundheit
dauernd auf Instanzen angewiesen ist, die sich - bevor sie sich
an die Kompensation von Schäden machen - einigermaßen pathogen
betätigen. Noch absurder aber fällt die Betreuung der Gesundheit
aus, wenn die staatlichen Instanzen ganz ohne den üblichen Ver-
weis auf medizinische Techniken und Errungenschaften der Pharma-
Industrie am Rhein "eingreifen". Dann fällt die Zuständigkeit für
den Organismus des regierten Menschenmaterials so eigentümlich
prinzipiell aus, und die souveränen Streitereien um
"Kostendämpfung" und "Leistungen" der Apparate, deren finanzielle
Quellen ja wahrlich kein Geheimnis sind, machen dem puren
K o n t r o l l g e s i c h t s p u n k t Platz. Die Besichti-
gung der Infektionskrankheit AIDS erfolgte vom ersten Tage ihres
Bekanntwerdens nach den Kriterien von Seuchenwärtern, die ihren
Standpunkt klar von dem der Hilfe und des Schutzes zu unterschei-
den wußten.
Die Beschwichtigung, die zunächst ins Land ging, ließ wahrlich
keinen Zweifel daran, daß einige "Verantwortliche" recht zufrie-
den damit waren, daß da eine Krankheit den gesunden Volkskörper
verschonte und sich "nur" in einer längst notorisch ins Abseits
gehörigen Randgruppe breitmachte. Medizinisch keineswegs begrün-
det, moralisch dagegen wohlfundiert wurden die Homosexuellen öf-
fentlichrechtlich und freipreßlich mit Hysterie beglückt und mit
einem zusätzlichen Stigma dazu. Der geistliche Stand steuerte die
zweite Stimme bei, bis "die Gefahr" etwas anders aussah. Die Seu-
chengesetzgebung und ihre Anwendung bzw. Anwendbarkeit stehen nun
im Brennpunkt des Interesses. Einer will Schluß machen mit dem
"psychosozialen Quatsch", vergleicht künftige Verheerungen durch
AIDS mit SDI, Molkepulververstrahlung - um letztere Gegenstände
des Protests gegen seine geliebte Obrigkeit für gering zu befin-
den -, und lästert über das "hamsterhafte" Sexualverhalten seiner
Zeitgenossen. Was will er, dem im Vergleich zu AIDS alle kriti-
sierten Staatswerte "klein, harmlos und vergänglich" vorkommen?
Dem dergleichen bei Hepatitis B auch nicht eingefallen ist, ob-
gleich die medizinischen Parallelen nicht ohne sind? Ein bißchen
K a t a s t r o p h e erstens beschwören und zweitens sich und
seine Staatsgewalt als die befugte Katastrophenaufsicht einset-
zen.
5.
Ob durch Meldepflicht, Reihenuntersuchung, persönlich oder anonym
geführte Statistiken und anderes mehr dem Übel beizukommen sei,
darum dreht sich der demokratische Dialog, heute, da auch arme,
aber ehrlich gebliebene Frauen und Priester, Kinder nicht zu ver-
gessen, das Leiden haben. Die Kontroverse tobt zwischen Politi-
kern, die wie Gauweiler die Instrumente des R e c h t s, also
der staatlichen Gewalt, bemühen wollen, um die "Herde" einzudäm-
men - und anderen, die der M o r a l auf dem sicheren Fundament
der Angst genauso viel, wenn nicht mehr zutrauen. Merkwürdiger-
weise fällt der zweiten Partei als Einwand gegen die Sortierungs-
fanatiker immerzu ein Argument ein: daß auch härtere Kontroll-
und Überwachungsmaßnahmen auf eine Bereitschaft zum Mitwirken an-
gewiesen sind; negativ: daß Versuche des Entzugs nicht ausblei-
ben, sobald der Staat hinter den AIDS-Positiven her ist. Dieser
Zweifel an der W i r k s a m k e i t von handfester Kontrolle -
"Zwang führt dazu, daß viele wegtauchen" (Süssmuth) -, der auch
noch zu bedenken gibt, daß sich Schlafzimmer schwerlich werden
überwachen lassen, gibt dem Bedürfnis grundsätzlich recht, und
"wo es sein muß", auch nach. So setzt sich gar nicht langsam und
sehr sicher die seltsame "Einsicht" durch, daß eine ansteckende
Krankheit allemal ein guter Grund für staatlichen
"Handlungsbedarf" ist. Und von da ist es nicht weit zur staats-
nützlichen Leistung der Hysterie, die darin besteht, daß als
Grund für die Krankheit schließlich obrigkeitliche "Versäumnisse"
ausgemacht werden. Die Ableitung der Notwendigkeit des staatli-
chen Gewaltmonopols aus Epidemien dürfte Philosophieprofessoren
entzücken, die stets auf der Jagd nach plausiblen Beispielen für
ihren Denkfehler sind.
6.
An der Kontroverse zwischen Fanatikern des Seuchengesetzes, durch
das sich der Staat manche "Handlungsfreiheit" für den von ihm de-
finierten Fall sichert, und den Befürwortern der "Aufklärung"
wird ganz bestimmt nicht die O h n m a c h t d e s
S t a a t e s sinnfällig. Es sei denn, man verwechselt das Ver-
hältnis von Staat und Bürgern mit dem zwischen Schutzengel und
Schutzbefohlenen. Und die staatsdienliche Verwaltung epidemischer
Katastrophen mit Schutz vor Krankheit und Tod, die staatliche Or-
ganisation des Gesundheitswesens mit Verhütung von körperlichem
Ungemach. Für letzteres war und ist der Staat nie zuständig;
Krebs, Allergien, Herz- und Kreislaufkrankheiten etc. sieht er
nicht als Anwendungsfälle des Seuchengesetzes an, weil ihm der
medizinische Sachverhalt der Ansteckung eine ganz andere Gefahr
signalisiert als die Erkrankung vieler Leute. Infektionskrankhei-
ten der gehobenen Sorte machen schlagartig das Menschenmaterial
für das gesamte ökonomische und politische "Leben" unbrauchbar;
sie sind nicht dasselbe wie der Ausschuß, der b e i m u n d
d u r c h d e n G e b r a u c h von Land und Leuten "eben so
anfällt". Nicht von ungefähr ist die Erzeugung von Seuchen als
Waffe im Programm. Die andere "Einsicht" in die Ohnmacht des po-
litischen Souveräns und seiner Behörden trägt sich so vor: "Ein
bestimmtes, seuchenrechtlich gebotenes Sexualverhalten läßt sich
nun einmal nicht erzwingen." Diese Weisheit ist gegenwärtig in
Kraft, weil sie nicht mehr und nicht weniger ausdrückt als das
Bedauern darüber, daß Herrschaft und von Kontrolle begleitete Ge-
und Verbotsregeln nicht das leisten, was Heilmittel und Hygiene
leisten. Daß solche Gedanken aus Anlaß von AIDS zirkulieren, ist
nicht nur den Besonderheiten der Krankheit geschuldet. Beliebt
sind sie auch aufgrund der Verwechslung von Vorschriften mit den
Mitteln, auf denen allein "ihre" Wirkung beruht.
7.
Aus lauter Not soll die Süssmuth-Linie nicht nur auf Rechtsmittel
verzichten, sondern auch noch auf die M o r a l pfeifen. So se-
hen es die Urheber der laufenden Kampagne, ihre Bewunderer u n d
Kritiker dazu. Die Belege für die Relativierung überkommenen und
eigentlich lobenswerten Anstands zeigen aber etwas ganz anderes,
nämlich eine einzige Messe von m o r a l i s c h e n
G ü t e r a b w ä g u n g e n. Wenn christliche Politiker zum
Kondom raten, wenn eine interministerielle Arbeitsgruppe über die
Verteilung von Einmal-Spritzen an Fixer nachdenkt, wenn die Bun-
deswehr als eine riesige Risikogruppe ins Gespräch kommt etc.,
wird zwar zugegeben, daß die R e a l i t ä t anders aussieht
als das I d e a l von Kardinal Höffner. Aber dieses Eingeständ-
nis wird nicht auf Kosten, sondern eingedenk dessen abgeliefert,
was sich gehört. Die Sprachrohre des Staates sind damit befaßt,
die "Verantwortung" ihrer Adressaten für die Bremsung der Seuche
zu wecken; sie machen auf die G e f a h r e n aufmerksam, damit
sie jeder kennt, sie betonen die I d e n t i t ä t d e r
I n t e r e s s e n, die zwischen Warner und Gewarntem bestehen,
sie bemühen sich um Übereinstimmung in Sachen AIDS, und zwar in
praktischer Absicht, wobei die Konsequenzen von den Angespro-
chenen auszuführen sind. Da wäre es schon recht seltsam, eine Se-
xualpraxis anzunehmen, die es gar nicht gibt und deswegen auch
ständig allseits bekannter Anlaß für ihre Ideale ist. Wenn also
etwas aufgedeckt und eingestanden wird, dann ist es die Verlogen-
heit des einschlägigen Moralismus, nicht aber seine Preisgabe.
Ein Moralprediger glaubt sich zwar im Recht, aber nicht daran,
daß seiner Prinzipien wegen das inner-, vor- und außereheliche
Gebumse und Gelutsche unterlassen wird. Da käme er sich schnell
überflüssig vor. Dies und sonst nichts bekennt er, wenn er noch
nicht einmal AIDS für einen Stachel zur Besserung ansieht und den
Missetätern Vorsicht bei ihren bekannten Verfehlungen an-
empfiehlt.
8.
Eine Kampagne, die das Volk über Notwendigkeiten unterrichtet,
deren Nichtbefolgung Nachteile und Strafen zur Folge hat, ist die
AIDS-Agitation bislang nicht. Genauer gesagt, die Strafe, die da
durch passendes Verhalten zu vermeiden ist, wird nicht vom Staat
verhängt. Er definiert nicht ein Interesse der Schadensvermei-
dung, sondern macht ein solches bekannt und setzt darauf. Im
Falle AIDS befindet sich die öffentliche Gewalt in der glückli-
chen Lage, den Inhalt ihrer Belehrungen als das unbestreitbare
materielle Interesse der informierten Bürger darzubieten. Ein au-
ßergewöhnliches Vorkommnis - Bürger bei sexuellem Treiben in Ge-
fahr, Staat verteilt Heftchen zur Minderung des Risikos, Bürger
ganz Ohr, hört darauf, fährt gut damit, bedankt sich, AIDS ge-
bannt -, dessen alle froh sein könnten. Leider und auch sehr fol-
gerichtig nicht ganz.
Kaum haben nämlich anständige Bürger mitbekommen, daß hier aus
unerfindlichen, mit der ihnen sowieso nur als Todesdrohung geläu-
figen Krankheit zusammenhängenden Gründen ihr Immunsystem etwas
zählt und höchstoffiziell dazu, werden sie penetrant. Was sie al-
les dürfen, wohin sie nicht gehen sollen, ob ihr Goldhamster, ob
nicht der Metzger, Bäcker, Arzt usw. usw. - mit all diesen nun
einmal mit dem Stempel "berechtigt" versehenen Sorgen nerven sie
alle Stellen, die es im Zuge der AIDS-Aufklärung gibt und verte-
lefonieren dabei ihr Geld. Der Staat und seine Medien scheinen
damit gerechnet zu haben, so daß genügend Auskunfteien vorhanden
sind, die das Wort "nein" beherrschen, und den Zusatz "Das ist
ungefährlich!". Schlimmer freilich ist die Entfesselung des öf-
fentlich berechtigten Privatinteresses, wenn in der "sozialen Um-
welt" von mit AIDS-Nachrichten gefütterten Zeitgenossen einmal
ein "Positiver" auftaucht und sie es wissen. Dann wagen sie es,
den Verkehr und die Beziehungen und den gar nicht geschlechtli-
chen Kontakt abzubrechen. Und auf Sachen zu bestehen, die ihnen
gegenüber ihrem Vorgesetzten, der ihnen schon ewig unangenehm
auffällt, gegenüber Nachbarn und Verwandten nie einfielen. Die
Zeitungen berichten inzwischen auch über diesen Wahn, denn sie
informieren. Ob diese gesundheitsbewußten Hysteriker gelegentlich
auch mal essen gehen und sich anderswie unters Volk mischen, oder
ob sie sich in ihren vier Wänden vor den AIDS-positiven Blindgän-
gern schützen, wird leider nicht gemeldet.
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Grafik aus 'The Washington Post'
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