Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK FAMILIE/FRAU - Fröhliches im Intimbereich
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DIE MENSCHEN - ZU VIELE!
So hieß das einhellig anerkannte Problem einer UNO-Konferenz über
"die Weltbevölkerung", das, folgt man den Katastrophenprophezei-
ungen der die Konferenz begleitenden Leitartikel, gar nicht ernst
genug zu nehmen ist.
Man hätte Platzangst bekommen können,
"Heute wissen wir, daß die Erde nur dann Raum für alle hat, wenn
alle nicht zu viele sind",
wäre nicht andererseits klar, wer und wo die "zu vielen" sind:
"Und wenn sich die meisten von den vielen dann auch noch überwie-
gend in den armen, noch wenig entwickelten Regionen zusammenbal-
len, ist Besorgnis wahrlich angebracht." (Frankfurter Allgemeine)
Wir haben nämlich unsere Zahl richtig eingependelt, während die
"zu vielen" es sträflich vernachlässigt haben, sich ins rechte
Verhältnis zu setzen:
"Mithin kommt alles darauf an, ihre Zahl in einer Region in Über-
einstimmung zu bringen mit den Möglichkeiten, sie zu beschäftigen
und zu ernähren... In Europa hatte man dafür 200 Jahre Zeit."
So philosophiert der Bevölkerungsstratege Heigert von der
"Süddeutschen Zeitung". Als wäre die Bevölkerung in gewissen
"Regionen" ein unvernünftiges Etwas, das sich einerseits einfach
vermehrt wie die Karnickel, andererseits leichtfertig gar nicht
daran denkt oder von einer merkwürdigen Unfähigkeit befallen ist,
sich von seiner Hände Arbeit zu ernähren. So mußte es ja zu dem
bekannten Hungerproblem kommen. Grund ist die Überbevölkerung,
weil sie "über" ist im Verhältnis zu "den Möglichkeiten, sie zu
beschäftigen und zu ernähren". Diese Einrichtung heißt auch Wirt-
schaft; und deren genannter guter Zweck darf gerade dann nicht in
Zweifel gezogen werden, wenn die Wirkungen besichtigt werden, die
die wirkliche Weltwirtschaft dort anrichtet.
Die "Entwicklung" der "Dritten Welt" bedeutet die Einbeziehung
dieser Landstriche in das kapitalistische Geschäftswesen. Das hat
sie als Produktions- und Lebensmittel für die da ansässigen Völ-
kerschaften untauglich gemacht. Damit ist der Maßstab gesetzt,
mit dem eine 'Weltbevölkerungskonferenz' dann feststellt, daß die
Menschen zu viele sind und sich dabei auch noch vermehren. Daß
das ganze Elend eine Frage des E i g e n t u m s ist, daß die
vormaligen Eingeborenen dem Kriterium der Rentabilität unterwor-
fen werden ohne Chance, es jemals zu erfüllen: das kann für se-
riöse Bevölkerungstheoretiker das Problem nie sein. Für die liegt
ein eklatantes Mißverhältnis zwischen der Zahl der Bevölkerung
und "ihrer" Wirtschaft vor. Zur Aufarbeitung dieses Problems lie-
ferte die UNO-Konferenz samt der hiesigen Nachbereitung folgende
Alternative:
A) Die Wirtschaft entwickelt sich nicht, weil ihr Ertrag immer
gleich weggefressen wird.
"Alle volkswirtschaftlichen Gewinne werden von den vielen neuen
Essern immer wieder aufgezehrt."
Man soll auch nicht immer Dollars oder DM verfressen wollen!
Zumal die Gewinne ja erst auf den Konten ausländischer Banken zu-
standekommen.
B) Die Bevölkerung wächst zu sehr, weil die Wirtschaft sich nicht
entwickelt und der Neger seine Nachkommen als Ersatz für unsere
Altersversicherung einspannt. Wie das gehen soll, wenn sie
gleichzeitig mangels Wirtschaft verhungern, fällt wohl unter Ne-
gerlogik. A) und B) ergibt dann die Diagnose "Teufelskreis".
Achtung, sie kommen!
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"Die unaufhaltsame Katastrophe" (Heigert) bahnt sich an:
"Massenhafte Verwahrlosung ist die Folge, mit Hunger, Krankheit,
Kriminalität und dem Zusammenbruch jeglicher Selbstachtung und
Solidarität. Deshalb sind Aufruhr und Vandalismus zu erwarten,
blutiger und bösartiger denn je."
"Viel gefährlicher durften jene Wanderbewegungen werden, von
denen wir schon die ersten Ausläufer zu spuren bekommen." (FAZ)
"Die Welt kann bald in Brand geraten, mit schwersten Krisen und
Zusammenbruchen. Und dagegen hilft dann keine Hochrüstung und
keine Atombombe."
Man mag es sich kaum vorstellen, daß die Hungergestalten und Was-
serbauchkinder demnächst sengend und brennend in Europa einfal-
len. Aber unsere Bevölkerungspropheten werden es wohl wissen.
Jedenfalls wissen sie mit ihrer ganzen apokalyptischen Faselei
ganz genau, unter welchem Gesichtspunkt das sogenannte Bevölke-
rungsproblem zu betrachten ist. Ein Experte, der Ex-Weltbank-Chef
McNamara, drückt es etwas sachlicher aus:
"Manche Entwicklungsländer wachsen weit über die Grenzen hinaus,
die mit politischer Stabilität zu vereinbaren sind."
Zwar ist auch das leicht übertrieben und tut unserer bisherigen
Entwicklungshilfe unrecht: Soviel Unterricht in den Methoden zur
Herstellung politischer Ordnung haben auch die Drittweltstaaten
schon genossen, daß sie sich nicht von überzähligen Hungerleidern
durcheinanderbringen lassen. Aber eine gewisse Hilfestellung hat
die Besprechung der "Bevölkerungsprobleme" auf der UNO-Konferenz
denjenigen, die sie angeblich haben, doch geleistet: Man ist sich
wieder einmal einig geworden, daß eine nicht zur Wirtschaft pas-
sende Bevölkerung, also eine rundum lästige Über-Bevölkerung, ein
Ärgernis ist.
Die Endlösung der Hungerfrage
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Zumal ja alle Beteiligten wissen, wie dessen "Lösung" aussieht.
Nicht umsonst haben sie auf gewisse Naturgesetze hingewiesen, wie
sich z.B. Überbevölkerung in der Karnickelwelt gemäß den natürli-
chen Gegebenheiten regelt. Und wozu sonst hat man die schreckli-
chen Teufelskreise ausgemalt, wenn nicht zur Klarstellung, daß da
nur drastische Mittel helfen können. Falsche Scheu vor einer Sa-
che wie Euthanasie ist unangebracht, zumal wenn sie sich fast wie
von selber regelt:
"Wenn die armen Länder ihr Bevölkerungsproblem anpacken sollen,
müssen wir aufhören, sie durch undurchdachte Entwicklungshilfe
vor den Konsequenzen der eigenen Fehler zu schützen... 'Sterben
lassen, damit andere überleben' vor dieser Konsequenz schrecken
wir zurück, aber sie mag in vielen Ländern die einzige sein."
(Christoph Bertram in der liberalen "Zeit")
Das Getue drumherum heißt dann "Bevölkerungsplanung"; und für de-
ren Abwicklung rücken die Gläubigerstaaten auch schon mal ein
paar Millionen heraus. Über die Modalitäten kann man natürlich
streiten.
Kreuzzug für das Leben oder: Differenziertes Herangehen
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Menschlich muß es dabei natürlich schon zugehen. Der US-Dele-
gierte hat durchgesetzt, daß Gelder des Weltbevölkerungsfonds in
Zukunft nicht mehr für Abtreibungen verwendet werden dürfen. Da-
bei hat ihn weniger die Frage interessiert, ob es die ungeborenen
Babies den USA danken werden, wenn sie nach der Geburt mit
"Selbstachtung" krepieren dürfen. Er hat umgekehrt bei Staaten,
die Abtreibungen zulassen, eine Todsünde entdeckt: mangelndes
Vertrauen in die freie Marktwirtschaft, "den natürlichen Mecha-
nismus für eine Verlangsamung des Bevölkerungswachstums". So et-
was ist fast kommunismusverdächtig:
"An den Krisen sind diese Länder durch zuviel Intervention und
Dirigismus selbst schuld."
"Mehr freie Marktwirtschaft, weniger Staat und mehr Vertrauen in
die Zukunft",
empfiehlt der Vertreter der Macht, die das freie Wirken all die-
ser segensreichen Kräfte und Mechanismen mit beträchtlichen ge-
waltsamen Kraftanstrengungen weltweit in Kraft gesetzt hat. Ihr
steht daher auch der Zugriff auf das zugehörige Menschenmaterial
weltweit zu - egal, ob die "dirigistische" Entscheidung irgendei-
ner schwangeren Indiofrau gegen ihren Balg irgendeine weltwirt-
schaftliche oder stabilitätspolitische Wirkung hat oder nicht.
Der Vertreter der BRD wollte sich diesem Standpunkt nicht ohne
Differenzierungein anschließen.
"Eine ausschließliche Globalbetrachtung wurde die äußerst unter-
schiedliche Interessenlage nach Regionen und Nationen vernachläs-
sigen", nämlich die "auseinanderlaufende Bevölkerungsentwicklung
in den Industrieländern und der Dritten Welt".
Man kann die Sache natürlich auch so sehen, daß es z u
v i e l e M e n s c h e n, aber v i e l z u w e n i g
D e u t s c h e gibt. Siehe vorher!
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Staatsbürgerliche Phantasie
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Ob als Springflut oder Atompilz (Naturphänomen!) - 'die Bevölke-
rung' ist eine Katastrophe für den Globus und für seine
Verantwortlichen. 'Die Menschheit' gibt es doppelt: als wachsende
Menschenflut und als deren Opfer. Das eine sind die Neger, In-
dios, Chinesen und andere Karnickelvölker, das andere ist die
Welt, sind 'wir'. Die zivilisierten Herrschaften sind also die
ohnmächtigen Opfer der Elendslawinen, die sie ins Rollen bringen;
die verhungernden Massen aber haben keine Probleme, sie sind
eins. Was zuviel ist, ist zuviel! darüber wird täglich durch die
Gewalt der imperialistischen Umstände entschieden. Insofern ist
die Angst vor der bedrohung auch ersichtlich gekünstelt.
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Die Stimme der Wissenschaft
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"Deshalb ist es an der Zeit, den verhängnisvollen Unfug anzupran-
gern, der mit jenen kleinen Zeitungsanzeigen getrieben wird, aus
deren Bildern einem ein dunkelhäutiges Kind mit großen Hungerau-
gen entgegenblickt", meint der 'Umweltfachmann' Hoimar v. Dit-
furth im 'Spiegel'. Und? Will er die Frechheit zurückweisen, mit
der Politiker und Pfaffen die Untertanen für die Wirkungen von
internationalem Geschäft und Weltpolitik moralisch haftbar ma-
chen. Nein! Die zivilisierte Menschheit hat die Ideologie von den
gottgegebenen Schranken der Natur, an die 'wir' alle stoßen,
nicht radikal genug zuende gedacht, meint er: "Wenn nicht sehr
bald etwas geschieht, dann treiben wir einer Katastrophe entge-
gen..." Die einen verpflichten hungernde Neger auf die Segnungen
der Marktwirtschaft, die anderen uns alle auf Sparsamkeit und Be-
scheidenheit. Das paßt zusammen!
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Die andere Bombe
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Springflut
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