Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK FAMILIE/FRAU - Fröhliches im Intimbereich
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 12, 16.05.1984
Noch immer nicht gelöst:
DIE FRAUENFRAGE
Dieses Semester gewälzt in der bevölkerungs-soziologischen Übung:
"Mutterschaft zwischen Frauenautonomie und Staatsinteressen".
1
Was eine Mutter ist, ist eigentlich nicht gerade eine offene
Frage, die man verschieden "lösen" könnte. Frauen, die Kinder ha-
ben, lavieren nicht "zwischen Frauenautonomie und Staatsinteres-
sen", sie haben sie halt unter tätiger Mitwirkung ihres jeweili-
gen Mannes in die Welt gesetzt und kümmern sich nun um ihre leib-
lichen und geistigen Bedürfnisse, bis sie selber dafür sorgen
können. Die Freiheit, Kinder in die Welt zu setzen und ihre Auf-
zucht zu bewerkstelligen, muß lediglich der "Kleinigkeit" Rech-
nung tragen, daß sich der Staat im Resultat ordentliche junge
Volksgenossen wünscht, die ihm zu seiner nationalen Disposition
stehen: frische Arbeiter, Arbeitslose, Soldaten, Intellektuelle
etc. Die guten Mütter können sich also zu ihren Früchtchen den-
ken, was sie wollen - sie erfüllen einen praktischen Zweck, den
ihnen der Staat zur pfleglichen Behandlung ganz "frei" gestellt
hat. Dabei ist er so großzügig, die Bedingungen zu bedenken und
zu regeln, die die Mutterschaft normalerweise etwas ungemütlich
machen: Die Fragen von Geld und Zeit "berücksichtigt" er mit Be-
willigung von so schönen zivilisatorischen Errungenschaften wie
Kindergeld, Mutterschaftsurlaub usw. Diese Notopfer-Maßnahmen zu-
gunsten des deutschen Nachwuchses und seiner Produzenten verraten
zwar einiges über die staatlichen Absichten, sich junges Blut zu-
zuführen, sowie über die Verhältnisse, in denen Zeit und Geld als
Schranken des so ganz "freien" Wunsches nach Kindern existieren,
doch will diesen Rahmen der Mutterschaft keiner so einfach wahr-
haben: Da werden "Glück und Leid der Mutter" Thema, ganz so, als
ob hier Schicksalsfragen auf der Tagesordnung stünden und nicht
solche des Zurechtkommens mit unvernünftigen Bälgern, die unter
Einsatz aller familiären Mittel (moralischer zumeist mehr als ma-
terieller) auf Vordermann gebracht werden müssen. Der Staat
s e t z t auf seine Mütter, indem er sie zu selbstlosen Kühen
ernennt und sie als solche behandelt, und gleichzeitig beweisen
d i e ihm, daß sie mit dieser Zurechtweisung gar kein Problem
haben: Stattdessen finden sie (jedenfalls die Veranstalterinnen
eines soziologischen Mutterschaftsseminars), daß jenseits aller
p r a k t i s c h e n staatlichen Aufgaben, Kinder staatsbewußt
zu hecken und großzuziehen, nichts dringlicher sei als die Erör-
terung der heißen Frage, wie Mutterschaft t h e o r e t i s c h
anzunehmen sei. So kann man natürlich seine gesellschaftliche
Funktion auch sehen: Daß Kinder einen Aufwand bedeuten, sich mit
ihnen zu beschäftigen, wird zwanglos übersetzt in die Behauptung,
nicht s t a a t l i c h g e s e t z t e Regulierungen seien
der Grund für diesbezügliche "Probleme" (die sich mit genügend
freier Zeit locker lösen ließen), sondern der mehr oder weniger
geschickte U m g a n g mit der "Rolle", die einem damit
"zugewachsen" ist.
2
Wenn die Soziologenfrauen "Ideologien über Mutterschaft: Weib-
lichkeit ist Mütterlichkeit" ablehnten, könnte es einem nur recht
sein. Das Lob der selbstlosen, dienenden Mutter, "die nicht ein-
mal weiß, wie Demonstrieren geht", ist widerlich. Aber ist dieses
Seminar so gemeint?
"Mutterliebe gibt es nicht per se, Mutterliebe ist ein ideologi-
sches Konstrukt."
Es hängt alles davon ab, ob man die "Mutterliebe" als Idealisie-
rung einer Zumutung sieht - dann ist es auch keine
F r a u e n frage mehr, sondern eine Frage, warum sich unser
gleicher und freier Staat sowas herausnimmt, nicht nur gegen die
Frauen-, oder ob man dieses "ideologische Konstrukt Mutterliebe"
für eine Gemeinheit gegen die wahre und eigentliche weibliche
Mutterliebe hält - dann muß man sich auch die Frage stellen:
3
"Kann es nicht doch einen Geschlechtscharakter geben?"
Nein, kann es nicht. Genausowenig wie der Blinddarm den Lebensweg
oder das Gefühlsleben eines Menschen bestimmt, tut das die Gebär-
mutter.
Kann man nicht einmal den Körper eines Menschen und seinen Geist
und Willen auseinanderhalten?
4
Nein, die Soziologinnen wollen es anders: Wer die "Mutterschaft
als emanzipatorischen Lebensentwurf" auf das Programm setzt, der
will genauso wie die regierende Männerriege in den weiblichen
Formen eine Aufgabe sehen auch und gerade, wenn er sie als pro-
blematische sieht:
"Traditionelle Aufgaben und Werke sollen nicht einfach abgelehnt
werden, sondern man kann sie einbeziehen. Das kann allerdings um-
kippen. Es ist eine Art Gratwanderung: Wenn sich Frauen auf weib-
liche Werte beziehen, können sie vielleicht beschränkt werden."
Wo ist denn da die "Gratwanderung", wenn der "Kinderwunsch in den
Frauen drinsteckt", angeblich "... durch die Lebenssituation
vielfach gebrochen wird. Es passiert irgendetwas (!), was diesen
Wunsch pervertiert". Was denn? Da fällt einem doch gar nichts
mehr ein.
"Kinder zu kriegen, zu stillen, zu haben, ist Teil weiblicher Se-
xualität, das ist alles keine Zuschreibung, sondern sehr lustvoll
lebbar."
Soll man sich solche Probleme stellen, in denen man vor lauter
Fraulichkeit Männer und Kinder nicht mehr unterscheidet? Ist
d a s nicht unnatürlich?
5
Vielleicht sollte man es lieber lassen, sich dauernd als Frau ab-
hängig von der eigenen Frauennatur zu diskutieren. Der Sorge, ob
die Organe die man zu bieten hat, wegrationalisiert werden, ist
man dann auf alle Fälle ledig:
"Abschlusdiskussion: Die neuen Gentechnologien - Das Ende der
Mutterschaft?
Es ist vorstellbar, daß die Mutter nicht mehr direkt körperlich
gebraucht wird."
PS:
"WIR WOLLEN einfach ALLES:
Studium * Beruf * Frieden * Gleichberechtigung!" (MSB Spartakus:
Aktion "Muttertag")
Bescheidenheit ist keine Zier
und weiter kommt man ohne ihr.
Von wegen "Gleichberechtigung" in einem Leben, in dem es die Män-
ner auch nicht sonderlich gut haben, von wegen "Frieden" und sol-
che Halbheiten, als ob der "Friede" jetzt so schön sei.
Alles über die Abschaffung der Frauenfrage in:
"Die Frau im Kapitalismus"
Nachzulesen in MSZ Nr. 7/1975
Abgedruckt im "Nachdruck aus dem 1. Jahrgang".
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